Ein Kommentar von Nico Fried

Vor zehn Jahren trat Oskar Lafontaine als Finanzminister und SPD-Chef zurück. Die Politik Schröders machte er zur Projektionsfläche für seine Rache. Ein Glück, dass er nicht regiert.

Nur mal angenommen, Oskar Lafontaine hätte recht. Nur mal angenommen, mehr oder weniger alles, was die SPD in den zehn Jahren seit seinem Rücktritt als Parteichef politisch veranstaltet hat, wäre falsch gewesen.

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Oskar Lafontaine machte erst die SPD und dann die Linkspartei zu seinem Vehikel, um gegen die Politik Gerhard Schröders zu Felde zu ziehen. (© Foto: AP)

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Von der Riester-Rente über die Agenda 2010 bis zu den Kriegen im Kosovo und in Afghanistan. Dies alles mal angenommen, könnte man ja auch die Frage stellen, wer es hätte verhindern können?

Wer hätte die machtvolle Position gehabt, den politischen Einfluss, die rhetorische Kraft und angeblich ja auch immer schon die richtige Überzeugung?

Da fällt einem nur einer ein.

Es ist Oskar Lafontaine selbst, der SPD-Vorsitzende, der aber leider 1999 davonlief, kurz bevor die ersten Bomben auf Serbien fielen. Es ist der Finanzminister, der floh, als ihn die Tiefe des Haushaltsloches angähnte, der Welterklärer, der heute im Lichte der Finanzkrise den Eindruck erweckt, er habe es damals schon gewusst.

Oskar Lafontaine ging 1999 trotzdem nach Hause und überließ das Land seinem Schicksal. Nur weil Gerhard Schröder so gemein zu ihm war.

Wenn alles so schlimm ist, wie es Oskar Lafontaine behauptet, dann muss man diesem Oskar Lafontaine den Vorwurf machen, dass er vor zehn Jahren die Verantwortung gescheut hat. Und sei es nur die Verantwortung, als SPD-Chef mit dem Kanzler den Konflikt zu suchen, wenn es denn für ihn so offensichtlich war, dass Schröders Weg in die Irre ging.

Wenn der Vorsitzende der Linken heute den Rentnern erklärt, wie schlecht sie wegen der SPD behandelt werden, den Arbeitslosen, wie wenig für sie getan wird, und den Soldaten, dass sie in völkerrechtswidrige Kriege geschickt werden, dann müssten sie ihm jedes Mal antworten: Und daran bist du schuld.´

Stattdessen lassen sich immer noch manche in der SPD, die nun seit elf Jahren regiert und dafür schon viel Prügel eingesteckt hat, auch noch von Lafontaine ein schlechtes Gewissen einreden.

Angst vor Oskar

Darin liegt auch bis heute einer der Fehler der Parteiführung: Stets war davon die Rede, dass man Lafontaine in der Sache stellen wolle. Was ist geschehen? Nichts.

Der letzte Versuch von SPD-Chef Franz Müntefering war der Vorwurf, die Linke betreibe eine "nationale soziale Politik", wobei es dem Vorsitzenden dabei wohl nicht um den Inhalt, sondern um die sprachliche Assoziation ging.

Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat sich den Satz zurechtgelegt, bei der Linken bekomme man Steine statt Brot. Das ist nun auch nicht gerade das, was man ein richtig starkes Argument nennt.

Jahrelang hat sich kaum ein führender Sozialdemokrat mit dem einstigen Parteichef in eine Talkshow getraut - da muss der Eindruck entstehen, dass man ihm nichts entgegenzusetzen hat. Dass man sich schämt für die eigene Politik. Dass man Angst hat, Angst vor Oskar Lafontaine.

Lesen Sie auf Seite zwei, warum die These, Schröder habe Lafontaine mit seiner Politik erst als Gegner groß gemacht, einen Haken hat.

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