sueddeutsche.de: Sind an den Spitzen von SPD und Linken jene progressiven Kräfte, die es für den Annäherungsprozess bräuchte?

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Kipping: (lacht) Wir stehen beide sicher voller Loyalität zu unseren Parteiführungen.

sueddeutsche.de: Sie müssen ja keine Namen nennen.

Kipping: Sicherlich ist Sympathie hilfreich für eine parteiübergreifende Zusammenarbeit. Das haben wir beide im Bündnis für ein Sanktionsmoratorium erlebt. Aber eine Zusammenarbeit darf nicht an einem Mangel an Sympathie scheitern, wenn sie strategisch gewollt ist. So viel Professionalität sollte jeder in der Politik aufbringen.

sueddeutsche.de: Gehört dazu, auf Posten zu verzichten, wie Bodo Ramelow in Thüringen und Kertin Kaiser in Brandenburg?

Kipping: In Brandenburg und Thüringen haben wir deutlich gemacht, dass es uns nicht um Prinzipienreiterei und um Posten geht, auch wenn diese uns jeweils zugestanden hätten. Doch wenn es um unsere inhaltlichen Positionen geht, sind wir konsequent und auch Prinzipienreiter.

sueddeutsche.de: In Brandenburg hat die Linke ihr Nein zur Braunkohle einer Regierungsbeteiligung geopfert. Meinen Sie das?

Kipping: Ich komme aus einer grünen Ecke. Mit mir hätte es die SPD da sicher etwas schwerer gehabt.

sueddeutsche.de: Was muss die SPD liefern?

Kipping: Mein Parteivorsitzender spricht ja immer von der Re-Sozialdemokratisierung der SPD...

sueddeutsche.de: ...nett ist das nicht.

Kipping: Ich würde es auch anders sagen. Wenn die SPD näher an den Positionen wäre, die die Jusos vertreten, dann wäre einiges schneller möglich. Aber es bringt doch niemandem etwas, wenn wir eine rechnerische Mehrheit nutzen, es aber in zentralen Politikfeldern doch nicht zusammenpasst.

sueddeutsche.de: Ein Wunschtraum. Die Jusos gelten in der SPD als linke Randerscheinung.

Drohsel: Ich will aber gerne darauf hinweisen, dass unsere Positionen seit der Krise in der SPD wieder diskursfähig und teilweise mehrheitsfähig geworden sind. Es ist inzwischen völlig klar: Es muss eine klare Abgrenzung zur Regierungspolitik der vergangenen elf Jahre geben. Daran werde ich die neue Parteiführung und den Parteitag im November messen. Wir brauchen erkennbare Selbstkritik an der Rente mit 67 und an Hartz IV - sowie den erklärten Willen zu Korrekturen.

Kipping: Die Jusos als Avantgarde der SPD.

Drohsel: Es ist zumindest mal etwas in Bewegung bei uns.

sueddeutsche.de: Ihr neuer Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagt, er sei nicht bereit, elf Jahre Regierungsbeteiligung zu verteufeln.

Drohsel: Das habe ich auch nicht gemeint. Unter Rot-Grün haben wir großartige Sachen umgesetzt. Ich denke nur an den Atomausstieg und die Homo-Ehe. Aber wir müssen doch endlich den Mut haben zu sagen: Wenn die Schere zwischen Arm und Reich auseinander gegangen ist, obwohl wir elf Jahre regiert haben, dann kann nicht alles richtig gewesen sein.

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  1. "Die Linken sind gescheitert"
  2. Traditionen und Hegemonien
  3. Schröders Schuld
  4. Krieg und Loyalitäten
  5. Sie lesen jetzt Die Rolle der Sympathie
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(sueddeutsche.de/jja/gba)