Nach Peer Steinbrück stellt sich auch SPD-Chef Kurt Beck hinter den vom Parteiausschluss bedrohten Wolfgang Clement - wenn auch nur ganz vorsichtig.
Die SPD kommt im Streit über den drohenden Ausschluss des früheren Bundesministers Wolfgang Clement nicht zur Ruhe. Allerdings mehren sich die Stimmen, die direkt oder indirekt einen Verbleib Clements in der Partei fordern.
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Mahnt seine Partei zur Besonnenheit: SPD-Chef Kurt Beck. (© Foto: ddp)
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Parteichef Kurt Beck sagte, die engere Parteiführung könne und werde dem Urteil der Bundesschiedskommission nicht vorgreifen. "Mir ist aber wichtig, dass in einer Gesamtbetrachtung sowohl persönliches Verhalten als auch die politische Lebensleistung in die Beurteilung einbezogen werden."
Die SPD mahnte Beck zur Umsicht: "Besonnenheit und Verantwortung sind das Gebot der Stunde." Nach der angekündigten Berufung Clements habe jetzt die Bundesschiedskommission das letzte Wort.
Beck betonte, die Schiedsgerichtsbarkeit sei wie die Justiz unabhängig und nicht an politische Weisungen gebunden. Grundsätzlich bewerte die Schiedskommission nicht Überzeugungen und Meinungen, sondern Verhalten.
Beck hatte sich schon im Januar gegen einen Parteiausschluss Clements gewandt.
Causa Clement wirkt sich auf K-Frage aus
Indem er sich in das Verfahren einschaltet, folgt Beck auch Appellen konservativer SPD-Politiker. So hatte Johannes Kahrs vom Seeheimer Kreis gefordert, der Vorstand müsse Stellung beziehen. Auch der Wirtschaftspolitiker Rainer Wend erklärte, der Vorstand habe eine klare Verantwortung.
Vertreter des linken Flügels warnten dagegen vor einer Einflussnahme. "Der Parteivorsitzende Kurt Beck kann und darf sich nicht in die Arbeit dieser Gremien einmischen, sonst wäre die Neutralität in Frage gestellt", sagte der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
Besonderes Gewicht hat der Fall Clement auch vor dem Hintergrund der Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten.
Eine Alternative zu dem in Umfragen schlecht abschneidenden Beck ist Außenminister Steinmeier - einer der Architekten der Agenda 2010. Lauterbach und der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner bestritten, ein Rauswurf Clements senke die Chancen Steinmeiers. Dagegen erklärte der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth, dies würde sich negativ auf die Aussichten des Außenministers auswirken.
Zuvor hatten sich Finanzminister Peer Steinbrück wie auch Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier eindeutig auf Clements Seite geschlagen: Beide forderten dessen Verbleib in der SPD.
SPD-Vize Peer Steinbrück betonte: "Wolfgang Clement hat durch sein politisches Lebenswerk erhebliche und beachtenswerte Leistungen und Beiträge erbracht und sich damit um die SPD verdient gemacht." Er wünsche sich, "dass er dies auch künftig als Mitglied der SPD aus ihr heraus wird leisten können".
"Der eigenen Partei bewusst geschadet"
Die SPD könne nur dann Volkspartei bleiben, "wenn sie in ihren Reihen über ein breites Spektrum an Meinungen und Persönlichkeiten verfüge". Steinbrück fügte hinzu: "Die SPD und Wolfgang Clement müssen einander aushalten."
Die Schiedskommission des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen hatte entschieden, den früheren Ministerpräsidenten wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SPD auszuschließen. Mehrere Gliederungen hatten dem Exponenten der Agenda 2010 parteischädigendes Verhalten im hessischen Wahlkampf vorgeworfen. Clement hatte indirekt von der Wahl der Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti abgeraten. Clement kündigte daraufhin an, dagegen auf Bundesebene Berufung einzulegen.
Dem Kölner Stadtanzeiger vom Samstag sagte Clement, er hätte es nie für möglich gehalten, dass das freie Recht auf Meinungsäußerung in seiner Partei so gering geschätzt werde. Mit Blick auf Ypsilanti erklärte der heutige Aufsichtsrat der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power, man könne nicht gleichzeitig auf Atomenergie und Kohle verzichten. "Zum ersten Mal scheint der linke Flügel über eine Mehrheit in Parteivorstand und Parteirat zu verfügen", sagte Clement.
Mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister werden die Einschnitte der Agenda 2010 verbunden, mit der die Wirtschaft angekurbelt werden sollte. Viele linke SPD-Politiker trugen den Kurswechsel des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder aber nur zähneknirschend mit.
SPD-Politiker und Parteienforscher hatten davor gewarnt, der Ausschluss einer der zentralen Figuren der Agenda 2010 werde die SPD schwächen. Politikwissenschaftler Langguth sagte Reuters, wenn Clement ausgeschlossen werde, könnten sich viele SPD-Wähler nicht mehr repräsentiert fühlen.
(AP/dpa/AFP/Reuters/hai/bosw)
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Erst 2003 hat Schröder die Agenda-Pläne verkündet. Danach nahmen die Karrieren prominenter Verfechter einen vom Wähler bestimmten Verlauf:
Schröder: Kanzler, abgewählt
Clement: Superminister, mit Schröder abgewählt
Steinbrück*: Ministerpräsident, abgewählt
Steinmeier: n.n. (hat sich keiner Wahl gestellt)
*special fx: Bestatter der jahrzehntelangen Vorherrschaft der SPD in NRW
Breite Zustimmung sieht anders aus.
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Ich verstehe WC nicht.
Da hat man(n)s erst zum Ministerpräsidenten und dann zum Superminister gebracht und sich dabei klammheimlich die Weichen für etliche auskömmliche Anschlussjobs gestellt - warum hält er nicht einfach die Klappe?
Wozu braucht der Mann ein SPD Parteibuch?
Sind doch eh alles böse Linke und Globalisierungsnichtversteher, die Ihm nicht dafür danken, dass die Partei seit seiner und Schröders Agenda 2010 den Bach runtergeht.
Jeden Tag an dem sich Clement, Steinmeier, Steinbrück, der "yes we can (lol) Heil" und der Finanzkasper aus Berlin in der Öffentlichkeit selbst als die moderne SPD preisen, wird der Laden Mitglieder und Wahlen verlieren.
Ich persönlich hatte - bis vor 5 Jahren - immer die Sozis gewählt. Immer im Gefühl ein Gegenpol zur asozialen Kälte der Konservativen zu unterstützen. Alles für die Katz.
Herr Beck sollte die Entscheidung der Bundesschiedskommission bis nach der Bundestagswahl hinauszögern. Sollte Herr Clement in der Partei bleiben, werden viele echteSozialdemokraten gehen und noch mehr Stammwähler zur Linken wechseln, in diesem Sinne "Genosse Kurt". Die Klientel von Herrn Clement wählt eh schwarz-gelb!
"...hätte Gerd Gazprom 2005 nicht fast, sondern überwältigend gewonnen, und heute nach einem Kommentar aus der Russensauna zu betteln ist mindestens kurios."
Nun denn! Gerhard Schröder hatte ja nur deshalb die Wahl verloren, weil die Wähler merkten, daß sich in der SPD ein Linksbeben ereignen würde. Deshalb sind sie ja, zu meiner Satisfaktion, auch zur CDU und zur Kanzlerin der Herzen, unserer Frau Merkel übergetreten.
Sie sehen doch selber, daß die SPD jeden Tag durch den Linksschwenk immer mehr Wähler und Mitglieder verliert. Das muß doch seinen Grund haben! Die Menschen wollen zügige Reformen aber keinen Reformstau. Die Menschen wollen endlich mehr leisten dürfen!
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