SPD umwirbt Linke-Reformer "Bartsch wäre herzlich willkommen"

Die Pragmatiker in der Linkspartei haben den Machtkampf verloren, aber ihr Frontmann Dietmar Bartsch könnte woanders Karriere machen: Die SPD buhlt offen um den Linken-Fraktionsvize - nach den konservativen "Seeheimern" halten nun auch linke Sozialdemokraten Bartsch die Türe auf. Seine Antwort erfolgt prompt.

Von Oliver Das Gupta

Der Göttinger Parteitag der Linken kannte viele Verlierer, der größte heißt Dietmar Bartsch. Parteichef wollte der Pragmatiker aus Stralsund werden, das wusste das Lager um Oskar Lafontaine zu verhindern. Nun bleibt Bartsch, was er ist: stellvertretender Fraktionschef der Sozialisten im Bundestag.

Er könnte es sich aber auch anders überlegen - und zum politischen Gegner wechseln. Demonstrativ buhlt die SPD um den gescheiterten Linken-Reformer. Besonders bemerkenswert: Beide Parteiflügel können sich einen Übertritt des 54-Jährigen vorstellen. Sowohl linke Sozialdemokraten, als auch konservative "Seeheimer" halten die Türe für Bartsch weit auf.

Da ist etwa Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion. Er steht einem Wechsel von Bartsch positiv gegenüber, wenn dieser sich zum Grundsatzprogramm der SPD bekennt. Bartschs jahrzehntelanges Wirken bei PDS und Linkspartei ist für ihn kein Hindernis: "Ein politisches Lebenslänglich gibt es nicht", sagt Rossmann zu Süddeutsche.de. "Einsichten und neue Orientierungen können bei jedem Menschen wachsen, darum muss die SPD ihre Türen weiter offen halten".

Rossmann-Vize Hilde Mattheis hebt hervor, dass Bartsch konstruktive Impulse erkennen lässt: "Bartsch ist jemand, der in der Opposition nicht immer nur dagegenhält, sondern auch bereit ist, in Verantwortung für dieses Land zu agieren." Dieser konstruktive Wille sei in der Linken schon eine "besondere Qualität", sagt Mattheis zu SZ.de.

"Ein Gewinn für die SPD"

Die Bundestagsabgeordnete verweist darauf, dass bereits in der Vergangenheit namhafte Vertreter anderer Parteien zur SPD gewechselt seien wie Ingrid Matthäus-Maier, Günter Verheugen (beide vorher FDP) und Otto Schily (Gründungsmitglied der Grünen). Alle drei seien zur SPD gekommen und hätten später größere Aufgaben übernommen. Vorbehalte gegen Bartsch sieht Mattheis nicht: "Wenn er aus voller Überzeugung zur SPD käme, wäre er herzlich willkommen."

Verhaltener reagiert Klaus Barthel, Chef des SPD-Arbeitnehmerflügels. Zur Causa sagt Bartsch im Gespräch mit SZ.de lediglich: "Wenn man will, dass die einen oder anderen Linken den Wechsel ernsthaft überlegen, sollte man nicht öffentlich darüber spekulieren." Die SPD täte gut daran, auch die Wählerschaft der Linken durch eine gute Wirtschafts- und Sozialpolitik zu überzeugen. "Wir müssen deutlich machen, das wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, sagt Barthel mit Blick auf die umstrittene Arbeitsmarktpolitik unter dem SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

Bartsch dürfte die Kritik an der Agenda 2010 gefallen, aber auch die Schröder-Fans werben um Bartsch: Die SPD-Konservativen ermuntern ihn offensiv von Dunkelrot zu Rot zu wechseln. "Ich würde mich sehr freuen, Sie in der SPD begrüßen zu können. Es wäre ein Gewinn für die SPD und für die Politik in Deutschland", so der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, im Gespräch mit Handelsblatt Online. Er rät Bartsch, die Flügelkämpfe innerhalb der Linken nicht länger zu erdulden. "Die SPD ist die starke linke Volkspartei, gestalten Sie mit uns aktiv den Wechsel 2013."

Später setzt Kahrs noch auf Twitter hinzu: "Guter Mann der Bartsch, gut für die SPD".

Was Bartsch vom Buhlen der SPD hält, hat er inzwischen klar gemacht: wenig. "Ich kann die Suche der SPD nach qualifiziertem Personal verstehen. Aber ich stehe dafür nicht zur Verfügung", so Bartsch zum Tagesspiegel. Er habe sich seit Beginn der 90er Jahre für eine Partei links der SPD engagiert. "Und das wird auch so bleiben".