Ein Kommentar von Heribert Prantl

Es ist bezeichnend für den bescheidenen Zustand der deutschen Sozialdemokratie, dass sie alle vier Jahre Trost in Bremen, also im kleinsten deutschen Bundesland, tanken muss. Und selbst das klappt nicht mehr so richtig.

In den sozialen Brennpunkten der alten Bundesrepublik haben die Enttäuschten, die Wütenden und Zornigen, so sie überhaupt wählen gegangen sind, bisher gern Rechtsaußen gewählt; in Bremerhaven tun sie das immer noch. Aber das beginnt sich womöglich zu ändern: In Bremen haben die Globalisierungsverlierer Linkshinten votiert.

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Die Wähler im kleinsten Bundesland haben der Linkspartei die Tür in den Westen aufgestoßen. Es sieht so aus, als könne diese Partei den Populismus und den Sozialkonservativismus erfolgreich zusammenführen. Wenn es so wäre, dann wäre der Sonntag, 13. Mai 2007, ein historisches Datum für die Parteiengeschichte.

Dieser Wahltag in Bremen markierte dann den Anfang vom Ende des Vierparteiensystems in ganz Deutschland - so wie es auch eine bremische Landtagswahl war, die vor 28 Jahren das Ende des bundesdeutschen Dreiparteiensystems (CDU/CSU, SPD, FDP) eingeleitet hat.

Damals, 1979, waren es die Grünen, die in Bremen zum erstenmal den Sprung in einen Landtag schafften; diesmal holten sie in ihrem Stammland das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Von den mehr als dreihundert Partei-Neugründungsversuchen in der Historie der Bundesrepublik ist die grüne Partei die bisher einzige, die wirklich Erfolg hatte. Die Linkspartei könnte die zweite werden.

Kurz- und mittelfristig geht das alles auf Kosten der SPD. Wieder einmal haben die Seelen der Sozialdemokratie unterschiedliche politische Körper gesucht und gefunden. In der Linkspartei lebt die ewige USPD wieder auf; und bei den Grünen findet sich auch noch ein rotes Seelchen. Die politische Großfamilie der Sozialdemokratie ist also erheblich größer, als es die Prozentzahlen für die SPD auf Bundesebene zeigen.

Das öffnet Kooperationschancen, die sich die SPD heute noch nicht einzugestehen wagt. Nach dem Abgang der Generation Müntefering/Struck wird die nächste SPD-Generation unbefangener sein und auch das Projekt ,,Einheit der Linken'' angstfrei und ungeniert betrachten. Aber solch neues sozialdemokratisches Selbstbewusstsein ist noch politische Lichtjahre entfernt. Noch steht im Parteinamen der SPD das ,,S'' für ,,Selbstmitleid''.

Es ist bezeichnend für den bescheidenen Zustand der deutschen Sozialdemokratie, dass sie alle vier Jahre Trost in Bremen, also im kleinsten deutschen Bundesland, tanken muss. Selbst das klappt nicht mehr so richtig. Aber die Sozialdemokraten sind genügsam geworden; sie freuen sich über die kleinste Zapfsäule.

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