Die Kritik an Andrea Ypsilanti könnte ihn das Parteibuch kosten. Doch das scheint Wolfgang Clement nicht zu stören: Erneut geht er die SPD-Landeschefin für ihren Versuch heftig an, sich mit Hilfe der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Es war ein Satz, der entscheidend sein sollte für den Beschluss, Wolfgang Clement aus der SPD auszuschließen: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht." Diesen Satz schrieb der Ex-Bundesminister kurz vor der hessischen Landtagswahl in einer Kolumne in der Welt am Sonntag und riet damit indirekt von der Wahl Andrea Ypsilantis ab.

Will auch künftig unmissverständlich das Wort erheben, "wenn in meiner Partei Unverantwortliches vertreten werden soll". (© Foto: ddp)

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Das wiederum hat in der SPD eine heftige Debatte ausgelöst, die jetzt in der Entscheidung der Schiedskommission von Nordrhein-Westfalen gipfelt: Clement wird wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SPD ausgeschlossen.

Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig, und noch während in der SPD heftig über die Entscheidung gestritten wird, legt Clement nach: In einem Interview in der Welt verteidigt er seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti. "Der richtige energiepolitische Weg kann nicht sein, gleichzeitig auf Atomenergie und Kohle zu verzichten", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Und Clement geht noch weiter: In der Welt warnt er eindringlich vor einem erneuten Versuch Ypsilantis, sich mit Hilfe der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen: "Wenn dies tatsächlich so kommt und auf der anderen Seite jemand wie ich aus der Partei geschmissen wird, dann ist das ein Bild, von dem ich kaum glaube, dass es der SPD zuträglich sein wird."

Clement forderte ein Eingreifen der Bundespartei. Der Politiker, der Schröders Agenda-2010-Politik stützte, betonte, es sei eindeutig, dass es hier um eine "Rolle rückwärts" in der Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gehe. Dies könne die Führung der Bundes-SPD nicht akzeptieren. "Jedenfalls dann nicht, wenn sie bei der Bundestagswahl deutlich über 30 Prozent abschneiden will. Und das muss ihr Ziel sein", sagte Clement.

Er kündigte an, auch künftig unmissverständlich sein Wort zu erheben, "wenn in meiner Partei Unverantwortliches vertreten und gar in Regierungspolitik umgesetzt werden soll".

Zuvor hatte sich Clement zu dem Entschluss der Schiedskommission Nordrhein-Westfalens geäußert: Er zeigte sich tief enttäuscht. "Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Partei Willy Brandts so gering geschätzt wird. Das war undenkbar für mich", sagte er. Seinen möglichen Parteiausschluss sieht er als Kampf um den politischen Kurs der SPD an. "Zum ersten Mal scheint der linke Flügel über eine Mehrheit in Parteivorstand und Parteirat zu verfügen", sagte er.

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(sueddeutsche.de/AFP/AP/hai/lala)