Von Christoph Schäfer

Während Bayerns SPD-Chef Ludwig Stiegler für seine Angriffe auf den politischen Gegner gefeiert wird, gibt es für den moderaten Vortrag von Gastredner Kurt Beck nur mäßigen Applaus. Impressionen aus Vilshofen

Schon der Anfang des Tages begann für Kurt Beck nicht wie geplant: Wegen starken Nebels traf das Flugzeug des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten nur mit reichlich Verspätung auf dem Münchner Flughafen ein. Das wirkte sich auch auf die Stimmung der Genossen im Wolferstetter Keller in Vilshofen aus, denn die Luft im dicht gefüllten Saal war schon vor der ersten Rede warm und stickig. "Die lassen wieder auf sich waten", verlautete es missmutig aus allen Ecken und Enden.

SPD-Chef Kurt Beck beim Politischen Aschermittwoch in Vilshofen Bild vergrößern

Bemüht, aber nicht mitreißend: SPD-Chef Beck in Vilshofen (© Foto: AP)

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Doch die missliche Atmosphäre löste sich in Wohlgefallen auf, als der bayerische Fraktionsvorsitzende Franz Maget die christsoziale Landesregierung lustvoll angriff. Deren politischer Aschermittwoch in Passau "wird heute zum Mekka der Heuchler und der Scheinheiligen", rief er den Genossen unter tosendem Applaus zu. ´

Die Stimmung stieg mit jeder Böswilligkeit gegen den politischen Gegner. "Mit Leuten, die auf der Schleimspur zu Stoiber ausgerutscht sind, kann man keinen Staat machen", brüllte Maget von der Bühne.

Und als er das Ziel ausgab, bei der nächsten Landtagswahl die absolute Mehrheit der CSU zu brechen, da wirkten die Genossen so kampfeslustig wie lange nicht mehr. "Jawohl!, Bravo, Machen wir", jubelten die Sozialdemokraten unisono.

Kurt Beck - solide, aber eben nicht brillant

Stimmungstechnisch konnte sich SPD-Chef Kurt Beck ins gemachte Nest setzen, und als er von Maget auf die Bühne geholt wurde, gab er sich auch sichtlich Mühe, Kampfeswillen zu signalisieren: Noch vor Beginn seiner Rede zog der rheinland-pfälzische Ministerpräsident demonstrativ sein Jackett aus, von Anfang an schmetterte Beck mit lauter Stimme in den Saal.

Kurzzeitig sah es so aus, als ob sich die Befürchtungen mancher Genossen, Beck würde zu oft inhaltsleere Blasen von sich geben, als falsch erweisen.

Doch die Inhalte des Vortrags konnten nicht mit Becks Lautstärke mithalten. Mit jedem weiteren Satz des Rheinland-Pfälzers setzte sich unter den Genossen die Einsicht fest, das Beck zwar ein solider, aber eben kein brillanter Redner ist.

Egal, was Beck da vortrug, ob nun seichter Angriff, Verteidigung oder eine kleine Sachinformation: Seine Stimme donnerte in immer gleicher Lautstärke von der Bühne, und wirklich konkret wurde er nur in den seltensten Fällen.

So applaudierten die Genossen während seiner Rede zwar immer mal wieder - stehende Ovationen, Jubel-Rufe oder gar Sprechchöre blieben jedoch aus.

Andächtig lauschte die Basis, wenn Beck verhalten gegen die Christsozialen schoss ("Bringt euren Laden in Ordnung, es wird höchste Zeit"), seinem bayerischen Amtskollegen Edmund Stoiber öffentlich Mitleid für dessen ruhmlosen Abgang zollte, oder sich in den Details einer gerechteren Kfz-Steuer oder der Problematik eines besseren öffentlichen Nahverkehrs verlor.

Aggressiv wurde Beck lediglich bei seinen Angriffen auf deutsche Spitzenmanager: "Manche können nicht mehr zwischen ordentlichen Zahlungen und Bestechungsgeldern unterscheiden."

Auch sollte sich ein "Löwenanteil der deutschen Spitzenmanager an einem einfachen Handwerksmeister, oder an jedem deutschen Mittelständler ein Beispiel nehmen." Das wurde es den Genossen warm ums sozialdemokratische Herz.

Insgesamt aber bestätigte sich die zurückhaltend-freundliche Erwartungshaltung der Genossen. Nach Becks Rede erhoben sie sich nur zögernd zu stehenden Ovationen, und nach etwas mehr als zwei Minuten etwas bemühten Applauses und wenigen "Bravo"-Rufen war Beck von der Bühne entlassen.

Deftig, deftigter, Stiegler

Wesentlich besser löste der bayerische SPD-Chef Ludwig Stiegler seine Aufgabe. Mit einem Frontalangriff auf die CSU begeisterte er die Genossen schon mit seiner Einführung: "Bei der CSU findet heute ein Requiem statt, wo der Leichnam seinen eigenen Nachruf halten darf", rief er kampfeslustig in den Saal.

Für den scheidenden Ministerpräsidenten hatte er noch ein paar weitere Nettigkeiten auf Lager: "Aus Pappmaschee war der Held, und das Löwengebrüll war eine Tonbandaufnahme." Und : "Geh mit Gott, aber geh!"

Deftige Töne richtete Stiegler ebenfalls gegen die bayerischen Minister Erwin Huber (CSU) und Günther Beckstein (CSU): "Immer waren Sie dabei, bei jeder Sauerei." Überhaupt werde der Machtkampf in der CSU "wie bei der Mafia ausgetragen. Nur an die Stelle des Mordes ist der Rufmord getreten."

Das war die Motivation, auf die die Genossen gehofft hatten. "Der Stiegler war wieder super", sagten sie, und klopften ihren Tischnachbarn auf die Schulter. Von Kurt Beck war da schon längst keine Rede mehr.

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(sueddeutsche.de)