SPD-Spitzenteam für die Bundestagswahl Frauen, Bayern und Betriebsräte

Er sucht Frauen und Bayern für sein Spitzenteam:  Peer Steinbrück auf dem Bundesparteitag der SPD in Augsburg. 

(Foto: dpa)

Früher nannte man es Schattenkabinett, heute Kompetenzteam. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sucht Mitglieder für seine Wahlkampf-Mannschaft. Um die Auserwählten wurde ziemliche Geheimniskrämerei betrieben. Doch die Chancen auf einen Ministerposten stehen schlecht. Selbst wenn Steinbrück gewinnt.

Von Susanne Höll, Berlin

Am 23. Mai feiert die SPD ihren 150. Geburtstag. Und um dieses Datum herum möchte Herausforderer Peer Steinbrück gern seine neue Wahlkampf-Mannschaft präsentieren, die man früher einmal Schattenkabinett nannte, nun aber Kompetenzteam. Weil ein Großteil der Truppe nicht Minister werden wird, selbst wenn Steinbrück Kanzler werden sollte. Steinbrück und mit ihm die SPD-Spitze haben sich Zeit gelassen mit der Aufstellung und ziemliche Geheimniskrämerei betrieben. Das ist kein Wunder, solche Personalentscheidungen können mit Enttäuschungen verbunden sein - bei denen, die sich übergangen fühlen.

Langsam zeichnen sich aber Konturen des Teams ab. Nicht mehr als zwölf Mitglieder soll es haben, die Hälfte Frauen, die Hälfte Männer. Das hat Steinbrück fest versprochen. Bislang sind nur zwei Menschen fest gesetzt: Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig und der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. Hoffnungen kann sich nun auch der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machen. Der Professor ist unbestritten kompetent. Aber er müsste vorher wohl versprechen, sich öffentlich nie wieder zu den von ihm ausgemachten Risiken von Grillfleisch zu äußern oder seine Vorliebe für salzlose Kost zu propagieren. Mit solchen Bekenntnissen hatte er im Wahlkampf 2009 Wähler verschreckt.

Auch der Name des bayerischen SPD-Vorsitzenden und Vize-Fraktionschefs Florian Pronold fällt inzwischen öfter. Allerdings weniger aus Gründen der Kompetenz, sondern der landsmannschaftlichen Herkunft wegen. Die Bayern wählen eine Woche vor dem Bund und hätten gern einen der ihren im Team, um ihre mäßigen Chancen aufzubessern. Außerdem hätte Steinbrück, wie es heißt, gern noch einen Betriebsrat in der Mannschaft, denn Arbeit ist bekanntlich eines der wichtigsten SPD-Wahlkampfthemen.

Schwierige Suche

Die Suche nach geeigneten Frauen war und scheint schwierig. Für Bildung sucht man dem Vernehmen nach eine parteilose Dame. Die Leiterin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, selbst Mitglied der SPD, sei nicht im Team. Auch Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die zuletzt in einer ihrer Heimatzeitungen als Mitglied der Kompetenzmannschaft gehandelt wurde, zuständig für Verteidigung oder Verkehr, bleibt angeblich außen vor. Für Integrationsthemen wird eine Frau gewünscht, es könnte Vize-Parteichefin Aydan Özoguz sein. Auch fände man es schön, eine Oberbürgermeisterin für Fragen der Kommunalpolitik zu gewinnen.

Wenn Steinbrück nach dem 22. September eine Regierung zusammenstellen müsste, werden sich auf den Bewerbungslisten aber noch andere Namen finden. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hätte wohl freie Wahl. Generalsekretärin Andrea Nahles zöge gern ins Arbeitsministerium ein, und Hendricks hegt tatsächlich Interesse am Wehrressort.

Oppermann ist ein Kabinettsplatz im Erfolgsfall sicher. Er möchte Innenminister werden, andere sehen ihn dagegen als idealen Kanzleramtschef. Wird es nichts mit dem rot-grünen Projekt, werden die Berufspläne von einigen Sozialdemokraten platzen. Es sei denn, die SPD ginge in eine neue, große Koalition.