Die SPD in Niedersachsen hat Wolfgang Jüttner zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 gewählt. Der Parteitag in Hannover geriet zur Krönungsmesse, auch wenn sich Bundesprominenz kaum blicken ließ.
Rote Fahnen, strahlende Gesichter und Ovationen - Wolfgang Jüttners Auftritt war perfekt inszeniert.
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Wolfgang Jüttner reckt nach seiner Wahl jubelnd die Arme in die Höhe. (© Foto: dpa)
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Die rund 200 Delegierten des außerordentlichen Landesparteitags in Hannover feierten ihren Spitzenkandidaten mit einem Enthusiasmus, als hätte es die Irrungen und Wirrungen um die VW-Affäre und die daraus folgenden Querelen für die Niedersachsen-SPD niemals gegeben.
Harmonie, Geschlossenheit und Kampfeslust waren die Signale - den Genossen blieb angesichts wenig erfreulicher Meinungsumfragen und einer siegesgewissen schwarz-gelben Regierungskoalition sieben Monate vor der Landtagswahl 2008 ohnehin nichts anderes übrig.
Und so erzielte der frühere niedersächsische Umweltminister bei der Wahl des Herausforderers des amtierenden Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) 97,4 Prozent - ein besseres Ergebnis als das des früheren SPD-Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel, der bei seiner Nominierung vor der Landtagswahl 2003 auf 95,4 Prozent gekommen war.
Besser auch als das Ergebnis von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der vor seiner Wahl zum Regierungschef in Niedersachsen 1998 gut 94 Prozent verbuchen konnte. "Ich bin tief ergriffen", rief Jüttner den knapp 200 Delegierten zu. Seine Mimik verriet Erleichterung.
Das war in den vergangenen Wochen nicht immer so: Debatten über Jüttners Haltung in der VW-Affäre hatten immer wieder für Unruhe in der Partei gesorgt. Zu lange habe er dem VW-Betriebsratschef und früheren SPD-Landtagsabgeordneten Günter Lenz den Rücken gestärkt, meinten viele Genossen.
In der Affäre um Lustreisen auf Firmenkosten hatte Lenz zwar immer wieder seine Unschuld beteuert.
Mit Blick auf die heiße Phase des Wahlkampfs aber zog Jüttner dann doch die Notbremse und forderte Lenz zum Mandatsverzicht auf - Wasser auf die Mühlen der schwarz-gelben Regierungskoalition, die der niedersächsischen SPD-Spitze "Führungsschwäche" vorwarf und Jüttner aufforderte, auf seine Kandidatur zu verzichten.
Der frisch gekürte Spitzenkandidat ging auf dem Parteitag zum Gegenangriff über. "Wackel-Wulff" und seiner Politik der "Beliebigkeit" werde er nach einer Regierungsübernahme "Geradlinigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit" entgegensetzen, kündigte Jüttner zum Schluss seiner fast einstündigen Rede an und erntete minutenlangen Applaus.
"Eine Wahlperiode ist genug, 2008 ist Feierabend, dieses Land hat eine bessere Politik verdient." Dass die große Unterstützung aus der Bundespolitik diesmal ausblieb, hat indes nicht nur Beobachter überrascht.
Anders als bei früheren Landesparteitagen waren weder der Parteivorsitzende Kurt Beck noch Vizekanzler Franz Müntefering gekommen. Nur Generalsekretär Hubertus Heil sprach ein kurzes Grußwort. Und so blieb Jüttner allein der Mann des Tages.
(sueddeutsche.de/dpa)
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Ich würde als Titel dann eher schon: "Wenn der Wulff mit dem Bär tanzt" empfehlen.
Schauen Sie sich das Foto an. Ich erfahre dadurch, dass der SPD die Kandidaten völlig ausgegangen sind und sie jetzt einen Tanzbären vom Jahrmarkt ausstellen. :-)
Oder sehe ich das falsch?
P.S.
Warum sehen SPD-Kandidaten z.Zt. eigentlich immer so aus, wie die Kriegsgewinnler in dem Bild "Die Stützen der Gesellschaft"? Wer auf sich selbst so wenig achtet, wird sicherlich auch Niedersachsen nicht sehr pflegen.
sehen wie die LINKEN vorankommen, ich kann nur hoffen dass die SPD voll einfährt und für ihren Arbeiterfeindlichen Kurs einen gewaltigen auf den Deckel bekommt.
Glückwunsch an Herrn Jüttner.
Das herausragende Ergebnis überrascht aber in seiner Deutlichkeit ohne Zweifel. Waren da doch Verstrickungen zur VW-Affäre nur mit blinden Augen zu übersehen und hatte sich auch Forsa-Chef Güllner mit scharfen Worten gegen ihn gestellt.
Die wohlwollende Unterstützung ist aber auch notwendig, denn Christian Wulff, Medienmensch und Windhund seiner Partei ist nicht gerade unbeliebt in der Bevölkerung und Wolfgang Jüttner wird es somit nicht leicht fallen dagegen öffentlichkeitswirksam ins Felde zu ziehen.
Man kann ihm den Erfolg nur wünschen.