SPD Warum ein Außenminister nicht Außenminister bleiben darf

Nach Schulz' Verzicht aufs Außenamt wäre Gabriel eigentlich zurück im Spiel gewesen, wenn er nicht zuvor ein paar explosive Sätze gesagt und nicht schon jeden Rückhalt in der Parteiführung verloren hätte.

Von Christoph Hickmann, Berlin

Als Sigmar Gabriel sich am Donnerstagabend vergangener Woche mit ein paar bitterbösen Sätzen zur SPD im Allgemeinen und Martin Schulz im Besonderen zu Wort meldete, dürfte er noch nicht gewusst haben, was am nächsten Tag passieren würde. Am nächsten Tag, dem Freitag, gab Schulz dem innerparteilichen Druck nach und verzichtete auf das Amt des Außenministers - womit eigentlich der geschäftsführende Minister Gabriel als erster Anwärter zurück im Spiel gewesen wäre. Wenn, ja, wenn er der Funke-Mediengruppe nicht vorher diese paar Sätze übermittelt hätte, die es in sich hatten.

Über den respektlosen Umgang mit ihm beklagte sich Gabriel da, stellte den Vorwurf des Wortbruchs in den Raum und zitierte seine kleine Tochter über jenen Schulz, den er mal seinen Freund genannt hat: Es sei doch schön, dass der Papa jetzt mehr Zeit mit der Familie habe, das sei doch "besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht".

Es ist vor allem dieser Satz, der seit Freitag in der SPD immer wieder zitiert wird, wenn Genossen begründen wollen, warum Gabriel trotz des Schulz-Rückzugs nicht Außenminister bleiben dürfe. Damit, so heißt es, habe er sich endgültig aus dem Spiel genommen.

Doch in Wahrheit geht es um mehr als ein paar Sätze. Die Sache reicht viel tiefer.

Die SPD, das war in der vergangenen Woche einmal mehr zu beobachten, ist eine eigene Welt mit Gesetzmäßigkeiten, die sich Außenstehenden zum Teil kaum erschließen. An der Personalie Gabriel lässt sich das besonders gut festmachen. Schon die Entscheidung, den im Auswärtigen Amt zu unverhoffter Popularität gelangten Minister beiseite zu räumen und damit einen politischen Hochkaräter bei der Vergabe der Posten leer ausgehen zu lassen, hatte außerhalb der Partei Kopfschütteln ausgelöst. Dass es nun aber in der SPD-Führung trotz des Schulz-Rückzugs die klare Tendenz gibt, bei dieser Entscheidung zu bleiben, ist Außenstehenden kaum noch vermittelbar - trotz des Nachtretens vom Donnerstag. Denn es ist ja nicht so, dass einem aus dem Stand gleich ein, zwei logische, mindestens gleichwertige Kandidatinnen oder Kandidaten einfielen. Und sollte es nicht allein nach Qualifikation gehen?

Gabriel hat in der Partei keinerlei Rückhalt mehr

Sollte es, einerseits. Andererseits hat Gabriel viel dazu beigetragen, sich zu disqualifizieren. Dass er in der Parteiführung keinerlei Rückhalt mehr hat, liegt an vielen Erlebnissen, die fast alle Spitzengenossen über die Jahre mit ihm gehabt haben.

Da wäre, allen voran, Andrea Nahles, die von 2009 bis 2013 als Generalsekretärin unter dem Parteivorsitzenden Gabriel diente und ihm seither nicht einmal mehr millimeterweit über den Weg traut. Mit den Plänen, Initiativen und vor allem Kehrtwenden des Chefs, die sie in diesen Jahren einfangen, umsetzen und rechtfertigen musste, ließen sich mutmaßlich Aktenordner füllen. An ihrer Einstellung zu Gabriel dürfte auch die Tatsache wenig ändern, dass diesmal sie die Chefin wäre.