Niedersachsen nach der Wahl Der Weg zur Koalition ist weit

CDU-Kandidat Bernd Althusmann während des Wahlabends.

(Foto: AP)
  • Persönliche Animositäten und große Interessenunterschiede machen es der SPD schwer, eine Koalition zu schmieden.
  • Das Modell einer großen Koalition ist unpopulär, die Ampel hat die FDP ausgeschlossen und für Jamaika sind die Grünen der CDU zu links.
  • Die SPD hat angekündigt, mit allen Parteien außer der AfD zu sprechen.
Von Peter Burghardt

Der niedersächsische Landtag an Hannovers Leineufer war noch eine Baustelle, als Ministerpräsident Stephan Weil am Sonntag diese vorgezogene Landtagswahl gewann. Der Termin kam zu früh für das Gebäude. Und so passt die Renovierung gut zu den offenen Fragen in Deutschlands zweitgrößtem Bundesland.

Bleibt der SPD-Mann Weil Regierungschef von Niedersachsen? Seinen Rivalen Bernd Althusmann und die CDU hat er deutlich bezwungen, der SPD wurden in Hochrechnungen vom Abend 37 Prozent zugeschrieben, der CDU gut 33 Prozent. Aber wer kann künftig mit wem regieren?

Und die SPD lebt doch noch

In Niedersachsen schöpfen die Sozialdemokraten neue Kraft. Die CDU muss einen kleinen Nackenschlag einstecken. Grüne und FDP verlieren, doch die Ränder bleiben klein. Kein schlechter Ausgang für das Zusammenleben in Deutschland. Kommentar von Stefan Braun, Berlin mehr ...

Rechnerisch sah es erst so aus, als hätten wohl nur die Varianten große Koalition, Ampel und Jamaika eine Mehrheit. Alle diese drei Optionen sind kompliziert. Doch eine Zeitlang zumindest schien es auch für Rot-Grün, das unter Weil seit 2013 mit hauchdünnem Vorsprung regiert hatte, reichen zu können, wenn auch nur ultra-knapp. Es ging um einen Sitz. Die Grünen waren auf etwa 8,5 Prozent abgesackt, die FDP auf sieben Prozent. Für Schwarz-Gelb reichte es nicht. "Auch heute wird es wieder einen langen Wahlabend geben", ahnte Weil. Man solle "den Ball erst mal flach halten". Es sei jedenfalls "ein großer Abend für die niedersächsische SPD".

Bei der Wahlparty wurde er gefeiert und rief: "Die SPD in Deutschland kann Wahlen gewinnen", das hatte man fast vergessen. Und dann noch die vage Aussicht auf eine rot-grüne Mehrheit: "Das wäre gigantisch."

Die Suche nach einer stabilen Regierung dürfte schwierig werden

Den Niedergang der SPD in Niedersachsen hat Stephan Weil, 58, so oder so gestoppt - obwohl es vor wenigen Wochen noch ganz anders ausgesehen hatte. Vielleicht brachte ausgerechnet das abrupte Ende der rot-grünen Mehrheit in Niedersachsens Landtag die Wende, oder es war der Ausstieg der SPD aus der großen Koalition in Berlin. Die genauen Analysen der Wahl werden es zeigen.

Der Amtsinhaber jedenfalls zog an seinem Herausforderer Althusmann, 50, rasant vorbei, nachdem er im Sommer schon verloren zu haben schien. Klein gehalten wurden sogar die beiden Bewerber ganz links und ganz rechts: Die AfD zieht knapp in den Landtag ein, die Linke wohl nicht.

Auf einmal sind die Sozialdemokraten in dieser Region wieder die Nummer eins vor den Christdemokraten, das hatte es seit den Zeiten von Gerhard Schröder 1998 hier nicht mehr gegeben. Dennoch: Nach diesem dramatischen Finale dürfte die Suche nach einer stabilen Regierung aller Voraussicht nach schwierig werden. Gestritten wurde bereits eifrig, ehe überhaupt sondiert oder verhandelt werden konnte.