SPD 2016 Schicksalsjahr für Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel auf dem Parteittag der SPD im Dezember 2015.

(Foto: REUTERS)

Ob Gabriel Ende 2016 noch SPD-Parteichef ist oder gar Kanzlerkandidat wird, hängt von einigen Wahlen ab - vor allem aber von ihm selbst.

Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Es ist nur eine Zahl, aber sie ist doch so erdrückend, so schwer, so vielsagend und so erklärungsbedürftig, dass sie noch einmal genannt werden muss. 74,3 Prozent. Das ist das Ergebnis, mit dem der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sigmar Gabriel, am 12. Dezember 2015 auf dem Parteitag in Berlin wiedergewählt wurde.

Ein Ergebnis am Rande einer Demütigung. Nicht wenige spekulierten in den Sekunden danach, dass er hinschmeißen würde, ja, hinschmeißen müsste. Ein Viertel der Parteitagsdelegierten hatte Gabriel gegen sich.

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Das ist sein mit Abstand schlechtestes Ergebnis, seit er 2009 mit satten 94,2 Prozent erstmals in das Amt gewählt wurde. Selbst Gerhard Schröder oder Rudolf Scharping hatten keine mieseren Ergebnisse.

Die Vermutung liegt nah, dass die 74,3 Prozent nicht einmal ein ehrliches Ergebnis sind, dass manche doch noch mit Ja gestimmt haben, um den Parteivorsitzenden nicht zu beschädigen. Obwohl sie nicht so irre viele Gründe kennen, warum sie ihm die Stange halten sollten.

Gabriels hat der Partei einiges zugemutet im Jahr 2015. Anfang des Jahres hat er als Privatmann Pegida-Anhänger in Dresden besucht. Obwohl seine eigene Generalsekretärin zuvor gesagt hat, mit Pegida gebe es nichts zu bereden. Er hat aus dem Nichts heraus den Vorschlag von Finanzminister Wolfgang Schäuble eines Grexit auf Zeit unterstützt.

Er hat die Partei auf einen Zickzackkurs in Sachen Freihandelsabkommen TTIP und Ceta geführt. Bundesjustizminister Heiko Maas hat er praktisch angewiesen, ein Gesetz zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung vorzulegen. Obwohl der das Ding lieber ausgesessen hätte.

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In Fraktionssitzungen hat Gabriel gerne mal einzelne Abgeordnete abgebürstet oder ist ihnen über den Mund gefahren. Kaum einer, der nicht von einer schrägen Begegnung mit dem "Dicken" berichten kann.