Von Michael Bauchmüller, Berlin

Heute will die SPD ihren Kurs für die letzte große Privatisierung festlegen. Für Parteichef Beck könnte die Causa zur Schicksalsfrage werden - die Union schaut genüsslich zu.

Mehr als zwei Jahre hat die Koalition über den Börsengang der Bahn gestritten, hat Modelle eingeführt und wieder verworfen, Experten gehört, Gutachten gefordert, gelesen und zerfleddert. In dieser Woche nun könnte alles ganz schnell gehen.

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"Wort halten" steht auf dem verdeckten Transparent hinter den Masken von Bahn-Chef Mehdorn und dem SPD-Vorsitzenden Beck. Die Demonstranten hoffen darauf, dass der Pfälzer einer Privatisierung der Bahn nicht zustimmt (© Foto: dpa)

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Ob der letzte große Staatskonzern noch in dieser Legislaturperiode privatisiert wird oder nicht - an diesem Montag dürfte es sich entscheiden. Dann will die SPD ihre Position zur Privatisierung vorstellen, um die sie solange gerungen hat. Wie die aber aussehen soll, das wussten wenige Stunden vorher selbst die meisten Sozialdemokraten nicht. Alles hängt am Parteichef, an Kurt Beck.

Der wollte am Sonntagabend zunächst seine Präsidiumskollegen Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und SPD-Fraktionschef Peter Struck einweihen. Anschließend sollten in Berlin die Chefs der Landesverbände und SPD-Bezirke über den Bahn-Börsengang diskutieren, ein "Meinungsbild" finden.

Drei Varianten im Rennen

Für Beck könnte die Bahn zur Schicksalsfrage werden. "Beck wird die Entscheidung in der Sache zur Entscheidung über seine Person machen", kolportierten Kritiker des Börsengangs kurz vor Beginn der Sitzungen am Sonntag - in Angst, er könne so auch einen Börsengang gegen die Basis durchsetzen.

Die nämlich hatte beim SPD-Parteitag im Oktober per Beschluss einen Einfluss privater Investoren auf die Unternehmenspolitik ausgeschlossen. Über Abweichungen von dem Beschluss müsse notfalls ein Sonderparteitag befinden. "Es gäbe nur einen Grund, keinen Parteitag zu machen", hieß es am Sonntag aus der SPD-Linken. "Das wäre Rücksicht auf Beck."

Der aber hat bis zuletzt nicht durchblicken lassen, hinter welchem Vorschlag er die Partei nun sammeln will. Drei Varianten waren zuletzt im Rennen. Steinbrück, Steinmeier, Struck und Tiefensee wollen aus dem gesamten Transportgeschäft der Bahn eine Holding machen, die bis zu 49,9 Prozent privatisiert werden könnte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Kanzlerin Merkel, CSU-Chef Huber und die Gewerkschaften Becks Vorschlag ablehnen - und welche Variante ein Ausweg sein könnte.

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