Porträt in Bildern:Martin Schulz auf dem Weg nach oben

Seine Karriere liest sich wie die europäische Variante des amerikanischen Traums: Vom Arbeitslosen zum Spitzenpolitiker. Nun fehlt ihm nur noch das Kanzleramt.

1 / 14
(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, gibt im Wahlkampf gegen Angela Merkel (CDU) alles. Er tourt durch Städte und Dörfer, besucht Altenheime, Mehrgenerationenhäuser (wie hier in Jena) und Schulen, hält Reden, hört zu...

2 / 14
(Foto: dpa)

...und spielt Fußball. Wie hier bei einem Turnier in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. In jungen Jahren will Schulz Profifußballer werden, muss die Pläne dann aber wegen einer Verletzung aufgeben. Kurz danach stürzt er in eine schwere Krise.

3 / 14
(Foto: Wolfgang Sevenich/dpa)

Mitte der Siebzigerjahre beginnt Schulz zu trinken, verliert Freundin und Job, droht sogar aus der Wohnung zu fliegen. Anfang der Achtzigerjahre dann die Wende: Schulz gründet in seiner Heimatstadt Würselen eine Buchhandlung, nebenher macht er Politik für die SPD, mit 31 Jahren wird er Bürgermeister. Dann geht es mit der Karriere aufwärts; 1994 wird Schulz ins Europaparlament gewählt. Foto: Martin Schulz als Bürgermeister von Würselen.

4 / 14
(Foto: AFP)

Schon als einfacher Europaabgeordneter bringt es Schulz zu einer gewissen Berühmtheit, und zwar dank eines Mannes: Italiens damaligem Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Der sorgt im Juli 2003 für einen Eklat. Er echauffiert sich über eine kritische Rede des Deutschen ("Was erlaube Schulz?") und sagt, er werde diesen "für die Rolle des Kapo" in einem Film über Konzentrationslager vorschlagen. Schulz reagiert bedacht und antwortet geschickt. Sein Respekt vor den Opfern des Faschismus verbiete ihm, darauf auch nur mit einem Wort einzugehen, pariert er die Verbalattacke Berlusconis.

5 / 14
(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Eklat führt zu einem diplomatischen Schlagabtausch zwischen Berlin und Rom, der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) fordert eine Entschuldigung von Berlusconi, die dieser auch liefert. Schulz' bedachte Reaktion sichert ihm den Respekt seiner Partei, kurze Zeit später wird er Fraktionschef der europäischen Sozialdemokraten. 2004 zieht er als Spitzenkandidat der SPD in den Europawahlkampf. Foto: Gerhard Schröder und der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz bei Auftaktveranstaltung zum Europawahlkampf 2004.

6 / 14
(Foto: picture alliance / dpa)

2012 wird Schulz zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt - mitten in der Euro-Schuldenkrise. Der streitbare und konfliktfreudige SPD-Politiker erreicht gleich im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit der Stimmen. Foto: Martin Schulz bei seiner Europa-Rede im September 2012 im Paul-Löbe-Haus in Berlin.

7 / 14
(Foto: dpa)

2014 will Schulz noch höher hinaus: Bei der Europawahl tritt er für die europäischen Sozialdemokraten und Sozialisten als Spitzenkandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten an - erfolglos. Die Wahl gewinnt Schulz' konservativer Widersacher Jean-Claude Juncker (hier ein Porträt in Bildern). Vorher haben sie noch in einem Fernsehstudio vor der Ausstrahlung der Sendung "Wahlarena" miteinander gescherzt (Foto). Die Beiden unterschieden sich in ihren Standpunkten allerdings kaum. Sowohl Schulz als auch Juncker sind überzeugte Europäer und kämpfen in Brüssel für mehr Demokratie.

8 / 14
(Foto: Reuters)

Im Dezember 2012 nimmt Schulz als einer von drei EU-Repräsentanten in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen. Hier hält er die Medaille den Fotografen in die Kamera. Bei den anderen Vertretern handelt es sich um EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

9 / 14
(Foto: dpa)

2014 löst Schulz mit einer Rede im israelischen Parlament einen Tumult aus. Parlamentarier der rechten Siedlerpartei rufen "Schande" und verlassen unter Protest den Saal, als er den Bau weiterer israelischer Siedlungen in den Palästinensergebieten und den "Boykott" des Gaza-Streifens kritisiert. Deutliche Worte findet Schulz aber vor allem für Vorgänge innerhalb der EU und des EU-Parlaments. Im März 2016 wirft er einen griechischen Abgeordneten wegen rassistischer Äußerungen aus dem Parlament. Der fraktionslose Eleftherios Synadinos von der ausländerfeindlichen "Goldenen Morgenröte" hatte während der Debatte über den EU-Türkei-Gipfel "den Türken" als "Barbaren" und "Dreckskerl" geschimpft.

10 / 14
(Foto: AFP)

Im Januar 2017 gibt die SPD bekannt, worüber viele vorher spekuliert haben: Schulz wird Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl. Auf dem SPD-Parteitag am 19. März in Berlin wird er außerdem mit 100 Prozent der Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt.

11 / 14
(Foto: dpa)

Sigmar Gabriel, bis dato SPD-Parteivorsitzender, macht Platz für seinen Nachfolger Schulz und wird Bundesaußenminister. In Umfragen sind Schulz schon länger bessere Chancen im Duell mit CDU-Chefin Merkel eingeräumt worden, als Gabriel. Doch Schulz wollte sich nicht vordrängen, hieß es. Er betonte stets, er und Gabriel seien "enge Freunde". Foto: Schulz und Gabriel stehen bei der SPD-Delegiertenkonferenz im März 2017 im niedersächsischen Wolfenbüttel zusammen auf der Bühne.

12 / 14
(Foto: Yves Herman/Reuters)

Mitte Januar 2017 räumt Martin Schulz seinen Posten im EU-Parlament. Mehr als 20 Jahre gehörte er dem Plenum in Straßburg an, die vergangenen fünf Jahre stand er als Parlamentspräsident an dessen Spitze. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Schulz. Bei seiner Abschiedsrede spricht der leidenschaftliche Kämpfer für ein geeintes Europa noch einmal von einem "Kontinent der Rettung und Hoffnung" und wwendet sich gegen "Spalter" und "Nationalisten".

13 / 14
(Foto: picture alliance / Gregor Fische)

Wenige Wochen vor Wahl liegt der Herausforderer Schulz in den Umfragen weit zurück hinter Amtsinhaberin Angela Merkel. Im Gegensatz zur Kanzlerin, greift er seine Kontrahentin direkt an im Wahlkampf. Sie sei "abgehoben und entrückt", sagte er im ARD-Sommerinterview, in der Dieselaffäre habe sie "keinen Plan". Schulz setzt drei Wochen vor der Wahl auf die noch unentschiedenen Wähler. Foto: Kanzlerin Merkel und Kanzlerkandidat Schulz stehen im Februar im Plenarsaal des Reichstagsgebäude vor der Wahl des Bundespräsidenten zusammen.

14 / 14
(Foto: dpa)

Mit seinem überzeugten Einsatz für Europa und seinen oft klaren Aussagen hat Schulz dafür gesorgt, dass das EU-Parlament in seiner Zeit an dessen Spitze sichtbarer geworden ist. Er hat auch dem Posten des Parlamentspräsidenten selbst mehr Profil verliehen. Der SPD-Politiker mischte sich stärker in aktuelle politische Debatten ein als viele Vorgänger. Schulz hat es verstanden, seine Spielräume zu nutzen. Im Wahlkampf kommt er zunächst jedoch nicht so richtig an gegen Kanzlerin Merkel, die seine Attacken einfach an sich abperlen lässt. Aber er bleibt optimistisch. Seine wohl häufigste Geste: Daumen hoch.

© SZ.de/hai/mati/gal/vwu - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: