Außenminister Steinmeier liegt bei der Vize-Wahl vor Steinbrück und Nahles. Auch Generalsekretär Heil verbessert sich und die neue Schatzmeisterin Barbara Hendricks erzielte ein gutes Ergebnis.

Drei stellvertretende Vorsitzende hat die SPD auf ihrem Parteitag in Hamburg bestimmt. Alle bekamen gute Ergebnisse - und doch gab es gewisse Pikanterien in den Details. Zum Stimmenkönig kürten die Delegierten Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Der freute sich mit breitem Grinsen über 85 Prozent. Es war das erste Mal, dass der frühere Kanzleramtschef in der rot-grünen Koalition sich einer Wahl stellen musste.

Steinbrück, Steinmeier, dpa

Die Stones der SPD: Außenminister Steinmeier und Finanzminister Steinbrück (© Foto: dpa)

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Peer Steinbrück ließ sich nichts anmerken, als er schon vor der öffentlichen Bekanntgabe von seinem Ergebnis erfuhr. Der Finanzminister hatte ordentlich Bammel vor der Abstimmung und sich insgeheim wohl schon eine Marke gesetzt, deren Unterschreiten Konsequenzen zur Folge gehabt hätte. Nun aber hatten sich etwas mehr als 75 Prozent der Delegierten mit ihrer Stimme für Steinbrück als Vize ausgesprochen. Er ist damit der einzige bisherige Stellvertreter, der sein Amt behält.

Bärbel Dieckmann, Ute Vogt, Jens Bullerjahn und Elke Ferner scheiden aus. Die wirkliche Überraschung an Steinbrücks Dreiviertel-Votum war allerdings, dass er damit sogar die Parteilinke Andrea Nahles knapp hinter sich ließ. Die Sprecherin der Parteilinken kam auf etwas über 74 Prozent.

Dass die beiden Kabinettsmitglieder vor Nahles lagen, erfreute natürlich vor allem den Regierungs-Teil der SPD. Die meisten Minister und ihr Umfeld hatten nach dem Streit über das Arbeitslosengeld, der im Sinne der Parteibasis ausgegangen war, die Sorge vom Hamburger Parteitag könne das Signal eines Linksrucks der SPD ausgehen. Da kam das Ergebnis der Stellvertreter-Wahl gerade recht. "Ein kluger Parteitag", freute sich ein ministerieller Hintersasse.

Allerdings war nicht ganz klar, ob das Ergebnis die über Wochen vorbereiteten Absprachen zwischen den verschiedenen Parteiströmungen korrekt wiedergab. Denn Wahlen auf Parteitagen sind nie nur Ausdruck des Willens der Delegierten, geschweige denn ein Ergebnis des Zufalls.

Geben und Nehmen

Vielmehr gilt stets die Devise: Gibst Du mir, geb ich Dir. Und Abweichungen werden in der Regel bei der nächsten Abstimmung hart bestraft.

Nun aber hatte die Parteilinke sich offensichtlich sehr diszipliniert verhalten, Steinmeier, aber vor allem dem in ihren Reihen nicht sehr beliebten Steinbrück bemerkenswerte Resultate mitbeschert. Aber hatten sich auch die Parteirechten vom Seeheimer Kreis und die Netzwerker, eine dritte Gruppe zwischen den beiden traditionellen Strömungen an die Absprachen gehalten?

Hätte die Linke Rachegelüste gehabt, wären sie wohl in der nächsten Wahl zum Ausdruck gekommen. Doch nichts geschah. Hubertus Heil, Generalsekretär und dem Netzwerk zuzurechnen, erhielt rund 80 Prozent, fast 20 Punkte mehr als vor zwei Jahren bei seiner ersten Wahl in Karlsruhe. Barbara Hendricks, zuletzt Staatssekretärin im Finanzministerium und Mitglied der Seeheimer, sogar fast 90 Prozent. So blieb es denn bei einem Parteitag der Harmonie.

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(SZ vom 27./28.10.2007)