In der vergangenen Woche hat Steinmeier ein Interview gegeben, in dem er sich vor allem an CSU-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg abgearbeitet hat. In dieser Rede fällt der Name Guttenberg nicht einmal mehr. Seine Gegner sucht er sich jetzt auf Augenhöhe. Es sind Angela Merkel, ihre Union und Schwarz-Gelb.

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Die SPD beschließt an diesem Sonntag ihr Wahlprogramm. Die Union, meckert Steinmeier, habe bis heute nicht mal einen Entwurf. "Ihr Motto lautet: Abwarten, abgucken, draufsetzen." Die Union, das seien die, die "nachher alles vorher gewusst haben. Aber wir, wir sind die, die vorher die Arbeit gemacht haben".

Viel sagt er zu Opel; da gehe es "um Arbeit statt Abbruch". Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer. Aber: "Arbeit ist besser als Insolvenz." Er wolle niemandem in Not sagen, "du bist nicht systemrelevant". Steinmeier zitiert CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Der habe gesagt, jetzt gehe es um Ökonomie, Arbeit sei da eher "eine Unterfrage". Ein Satz von Kirchhofscher Qualität.

"Für uns ist Arbeit keine Unterfrage", gibt Steinmeier zurück. "Alle Politik, die nicht den Menschen dient, ist des Teufels, hat Willy Brandt gesagt, und Recht hat er." Die Parteilinke und SPD-Vize Andrea Nahles ist inzwischen derart begeistert, dass ihr Kopf vor und zurückschnellt, wenn sie klatscht. Nicht ganz passt, dass Steinmeier über die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor kein Wort verliert.

Ganz am Ende, als er kurz bevor der Applaus und der Jubel nach vielen Minuten der Begeisterung langsam abebben, da stellt sich Steinmeier noch mal auf die Bühne, reißt noch mal die Arme hoch, lacht, freut sich, da winkt er Müntefering zu, er solle doch auch auf die Bühne kommen. Der bleibt sitzen, winkt ab, klatscht weiter. Er ist vielleicht der Moment, in dem der Kandidat auch über den Parteivorsitzenden hinausgewachsen ist. Der Moment, ab dem Steinmeier das tut, womit er nach Ansicht vieler Genossen schon vor Wochen hätte beginnen müssen. Er kämpft. Er schwitzt. "Ich will Kanzler aller Deutschen werden", sagt er. Es ist das erste mal, dass er Zweifel daran nicht zulässt.

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  1. Steinmeier packt den Kämpfer aus
  2. Sie lesen jetzt "Abwarten, abgucken, draufsetzen"
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(sueddeutsche.de/beu)