Der Parteitag als Therapiesitzung: Nach einer schwierigen Woche findet die SPD wieder Gefallen an sich selbst und ruft zu einem Richtungswahlkampf auf - eine mutige, ja waghalsige Strategie.
Nach einer schwierigen Woche findet die SPD wieder Gefallen an sich selbst. Im Moment jedenfalls. Denn der Parteitag in Berlin war, anders als ursprünglich geplant, eine Art Selbstfindung, eine Therapiesitzung nach dem katastrophalen Europa-Wahlergebnis und den ebenso katastrophalen Umfrageergebnissen der vergangenen Woche.
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Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier beim Berliner Parteitag der SPD im Gespräch mit Parteichef Franz Müntefering (links) und Finanzminister Peer Steinbrück (© Foto: AP)
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Nun herrscht zumindest Erleichterung statt Ratlosigkeit und Verzagtheit. Die Stimmung umgedreht hat der Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der eine gute Rede hielt, vielleicht die beste seit seiner Nominierung. Der Außenminister hat gezeigt, dass auch er in dieser schwierigen Woche einiges gelernt hat.
Anders als in den vergangenen Wochen sprach Steinmeier diesmal über die politischen Ziele der SPD und nicht über die Fehler der politischen Konkurrenz. Den Namen des Handelskonzerns Arcandor, für den sich die SPD-Spitze so sehr eingesetzt hatte, erwähnte Steinmeier gar nicht mehr. Auch den Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ließ er in Ruhe.
Die SPD-Spitze teilte auf diese Art und Weise ihren eigenen Leuten mit, dass sie die Botschaft der vergangenen Woche versteht. Künftig will sie nicht mehr den Eindruck erwecken, jedweden Arbeitsplatz retten zu können und schmollen, wenn es ihr nicht einmal die rote Klientel honoriert.
Die Sozialdemokraten sind große Schmoller. Für das Europawahl-Debakel fanden sie immer neue Schuldige: die Meinungsforscher, die Medien, die trägen eigenen Wähler oder die vermeintlich perfide Strategie von Union und FDP. Steinmeier vermied am Parteitag jegliche Übelnehmerei. Das allein macht ihn und die SPD schon etwas attraktiver.
Der Kandidat war bemüht, den verheerenden Eindruck zu korrigieren, die SPD marschiere in einem verbissenen Firmenrettungswahn zurück in das vorige Jahrhundert. Bildung, ökonomischer Sachverstand, Rezepte gegen den Klimawandel - die SPD spricht wieder über Zukunftsthemen.
Auf der Suche nach einem eigenen originären Thema für die Bundestagswahl ruft die SPD nun zu einem Richtungswahlkampf auf - gegen die Marktradikalen von Schwarz-Gelb, die nach sozialdemokratischer Lesart die Finanz- und Wirtschaftskrise verursacht haben. Das ist eine mutige, sogar waghalsige Strategie.
Mag sein, dass SPD-Funktionäre daran glauben. Die Wähler aber erinnern sich gut, dass die SPD in den vergangenen elf Jahren an der Bundesregierung beteiligt war. Und sie sind offenkundig nicht der Ansicht, dass Angela Merkel die Ursache des Weltwirtschaftdebakels ist oder unangemessen auf die Krise reagiert.
Wenn die Bundestagswahl keine Richtungsentscheidung für das Land sein sollte, ist sie doch eine für die SPD. Misslingt ihr die Rückkehr in die Regierung, wird sich die Partei entscheidend verändern. Sie muss dann über die eigene Richtung streiten und fürchten, in der Opposition auf dem Weg nach links ihren Charakter als Volkspartei zu verlieren.
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(SZ vom 15.06.2009/aho)
Müll am Fluss
eine durstreiche Strecke mag hiesiges Trio erwarten................... ob die sich sich noch löschen lässt, wage ich zu bezweifeln.
diese Option hat sie nicht und tut nur so. Selbst eine Regierungsbeteiligung erscheint belanglos. Die SPD hat ihre längst Aufgabe erfüllt, Täuschung und Bindung der Wähler für soziale Politik und anschließend Demontage des Sozialstaats und Privatisierung öffentlichen Eigentums. Dieses Projekt ist fast abgeschlossen. Jetzt geht es nur noch darum, daß das Rad keinesfalls mehr zurückgedreht wird, trotz wirtschaftlicher Katastrophe und gerade in der Krise. Daher wird die Linke stigmatisiert. Niemand braucht jetzt die SPD noch, sie versinkt in Bedeutungslosigkeit. Man hat die "volkseigene" Partei zerstört. Nur die Hülle existiert noch. Fürs Volk bleiben nur noch die Merkels, Westerwelles und Nahles. Das ist keine Wahl nur noch Qual.
kein Wahlergebnis kann die SPD Spitze noch irgendwie beeindrucken. Erst für die Agenda, dann gegen die Agenda, das wäre fatal. Dann doch lieber mit Agenda untergehen. Fehler eingestehen ist nicht im Programm. Die Frage ist, warum die Deligierten sich derart einschüchtern lassen. Ähnlich wie bei den Banken, fehlt in der SPD seit Jahren die demokratische Kontrolle. Es gibt eine Selektion der Kritischen, austreten oder Klappe halten. Übrig geblieben ist eine Riege von Jasagern, die nicht mehr nein sagen könnte, auch wenn sie wollte. Ähnlich wie bei Berlusconi in Italien, gibt es mittlerweile eine (korrumpierte) Funktionsträgerschicht in der SPD, die bei einer Revision der Ziele nur verlieren würde.
Serviler Jubel über inhaltslose Rede
Ich will Kanzler aller Deutschen werden na so was, von wem denn sonst? Liebe Nutzer der Systemmedien, achtet bei Euren Kauf und Abo-Entscheidungen darauf, einschließlich der SZ, wer Euer Informationsbedürfnis hintanstellt und der Liebedienerei vor den Mächtigen Vorrang gewährt.
Bei aller berechtigter Kritik an den Aktivitäten und Fauxpas der SPD in den letzten Monaten sollte man sportlich sein und anerkennen, dass Steinmeier in seiner (bemerkenswerten) Rede doch wichtige Punkte angesprochen hat und auch die Scheinheiligkeit und Verlogenheit der Regierung - zumindest eines Teiles davon - zu thematisieren.
Dass er dabei geflissentlich übersehen hat, dass Entscheidungen, die zum Teil harsche Kritik verdienen, nur deshalb getroffen werden konnten, weil diese auch von der SPD als Koalitionspartner mit vertreten worden sind, gehört dabei zum üblichen politischen und rhetorischen Vorgehen.
Richtig ist aber auch die Kritik an unserer Jetset-Kanzlerin, die überall dabei sein will, aber in der Bilanz eigentlich nahezu nichts vorlegen kann, was erwähnenswert wäre. Vielmehr hat aber die Minissterriege - und da vornehmlich Herr Schäuble - kräftig Grundrechtserosion betrieben und im Zusammengang mit BKA-Chef Ziercke wesentliche Merkmale unseres Rechtsstaates sowie Freiheits- und Persönlichkeitsrechte eliminiert. Rechtzeitig vor der Wahl hat sich dann auch noch Frau von der Leyen eingeklinkt und passend zum Überwachungswahn den Grundstein für Netzzensur gelegt, in dem sie sich für unsinnige, für den Zweck ungeeignete Maßnahmen zum angeblichen Schutz vor Kinderpornographie eingesetzt hat. Ich rede von der nahezu geistfreien Idee der Stoppseite - die jedoch technisch die erforderliche Infrastruktur für Zensur mit sich bringt.
Die Bilanz der CDU/SPD-Regierung ist schlecht. Aber - und auch da hat Steinmeier recht - eine Bilanz aus Schwarz/Gelb wäre schlechter - nicht so sehr wegen der CDU, sondern wegen der politischen Gelbsucht in Form der FDP. Die FDP ist meiner Meinung nach eine Gefahr für das Land und den sozialen Frieden und sollte deshalb von der Regierungsgewalt abgehalten werden.
Ich befürchte allerdings, dass der kollektive Egoismus, die politische Kurzsichtigkeit und das durch Fernsehen und gewisse andere Medien durchmanipulierte "Volkshirn" vernebelt genug ist, die eigenen Schlächter zu wählen. Ich für meinen Teil werde mich dann ins gemäßigtere Ausland absetzen und die nächsten 4 Jahren abwarten. Spätestens danach sollte es auch der letzte Depp gemerkt haben: Schwarz/Gelb ist eine schlechte Kombination
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