Auf dem SPD-Parteitag liegt ein Reizthema auf dem Tisch: die Bahnprivatisierung. Die einen wollen eine Volksaktie, die anderen lehnen jegliche Privatisierung ab.
Beim SPD-Parteitag zeichnet sich eine Verschärfung des Konflikts um die Privatisierung der Bahn ab. Die Antragskommission beschloss in der Nacht zum Samstag, den Delegierten die Ablehnung eines neuen Antrags der Privatisierungsgegner zu empfehlen. Darin wird das umstrittene Volksaktienmodell zur Bedingung für die Privatisierung gemacht. Sollte es nicht durchsetzbar sein, "lehnen wir jeglichen Verkauf von Aktien ab".
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Vor dem SPD-Parteitag in Hamburg fordern Demonstranten: "die SPD darf sich nicht zur Marionette Mehdorns machen!" (© Foto: dpa)
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Bei den Privatisierungskritikern hieß es, mit dem Votum der Antragskommission sei ein offener Konflikt in der Debatte programmiert. Harte Bedingungen der SPD zur Privatisierung würden eine Einigung mit der Union und damit die Privatisierung insgesamt kaum zulassen.
Das vom Vorstand beschlossene Volksaktienmodell sieht stimmrechtslose Vorzugsaktien zur Privatisierung der Bahn vor. Damit soll der Einfluss von Großinvestoren verhindert werden. Das Modell ist jedoch bei Gegnern wie Befürwortern der Privatisierung umstritten.
Befürworter wie Finanzminister Peer Steinbrück fürchten, dass die Bahn damit nicht das notwendige private Kapital erhält. Die Gegner fürchten, dass SPD-Unterhändler wie Steinbrück trotz eines Beschlusses zur Volksaktie der Union Zugeständnisse machen würden, um eine Einigung zu ermöglichen. Sie wollen dies mit der im Antrag genannte Bedingung und die Drohung mit der Absage der Privatisierung verhindern.
Modell als "Orientierung" für das Handeln der SPD-Minister
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) rechnet trotz der Kritik aus SPD-Landesverbänden mit einem Erfolg seiner Pläne für eine Bahnreform auf dem SPD-Parteitag in Hamburg. Auch eine Zerschlagung des Bahnkonzerns könne so vermieden werden. Die Parteispitze spricht sich für ein Volksaktienmodell aus.
Gegen das Konzept gibt es starken Widerstand aus SPD-Landesverbänden. SPD-Chef Kurt Beck hatte die Delegierten am Freitag um Unterstützung für die Tiefensee-Pläne zur Teilprivatisierung gebeten. Der Konzern brauche für seine Entwicklung zu einem europäischen Verkehrsunternehmen eine bessere Kapitalausstattung. Diese sei aus öffentlichen Mitteln allein nicht erreichbar.
Dabei betonte Beck, das Modell solle "Orientierung" für das Handeln der SPD-Minister und der Fraktion sein. Dies hatten die Kritiker als Bestätigung ihres Verdachts gewertet, dass der Beschluss nur Leitlinie, aber nicht eindeutige Festlegung für die Gespräche der SPD mit der Union sein solle.
Tiefensee bewertete seine Niederlage im ersten Wahlgang bei der Wahl des Parteivorstands nicht als Schlappe. "Aber die Bahn hat sicher eine Rolle gespielt."
Die Bahn-Privatisierung gilt als heikelstes Thema beim zweiten Tag des Kongresses in Hamburg. Weiter sollen die Delegierten über den Antiterror-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, Arbeitsmarktpolitik und die Zukunft der Wehrpflicht entscheiden.
(dpa/Reuters/dawa/mah)
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Wie das mit dem Vorsprung öffentlicher Versorger aussieht, nachdem sie privatisiert wurden, kann man sehr schön etwa an der englischen Bahn erkennen, die sich in katastrophalem Zustand befindet (oder bei uns z.b. bei den zusammenbrechenden Strommasten der RWE oder der Vattenfall Pannenserie in norddeutschen Atomkraftwerken): man ruht sich aus auf dem Polster der öffentlichen Subventionen, die vorher der Steuerzahler über Jahrzehnte in diese Betriebe hineingepumpt hat.
Man greift den Kunden in die Tasche und schränkt die Versorgung ein, soweit es geht, sobald sie nicht genügend Gewinn abwirft.
Man hortet Monopolgewinne und hat für jeden, der geholfen hat, das Projekt einzufädeln, einen Aufsichtsratsposten oder ähnliche Pfründe.
Wer gern Verkehrsteilnehmer dritter Klasse wird, der freut sich bestimmt auf das Projekt von Mehdorn und der SPD, die Bahn zu privatisieren.
Werden jetzt alle politischen Entscheidungen nur nach Politbarometer von der SPD entschieden? Erst die Verlängerung des Arbeitslosengeldes statt das Geld für die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen auszugeben, jetzt soll die Bahnprivatisierung verhindert werden. Aber niemand macht Vorschläge, wie das alles bezahlt werden soll. Die Bahn jedenfalls braucht viel Kapital, um im Wettbewerb vorne dabei zu sein. Der Vorsprung sollte von der SPD nicht verspielt werden.
Hier beobachten wir die sogenannte Volkspartei wieder bei ihrem Lieblingsgeschäft: den Bürger verkaufen an den nächsten meistbietenden Konzern oder Investor.
Und das Ziel - wie hier richtig erkannt wird - die eigene Alterssicherung per Aufsichtsrats- oder Direktorenposten.
Das ist doch das eigentliche Endziel einer solchen Parteikarriere (ob bei SPD, CDU, FDP, Grünen nimmt sich dabei wenig).
Pfründe müssen aufgebaut/ausgebaut, gesichert und ausschlachtbar gemacht werden. Wo bliebe sonst die Attraktivität, sich den Frust in einer modernen, sogenannten "Volkspartei" anzutun?
Der Bahn blüht offensichtlich die Perspektive der Stromversorgung: ein weiterer monopolistischer Abzockerbetrieb zu werden, der dem Bürger das Geld aus der Tasche zieht.
Soeben hat sich der "Hoffnungsträger" der Apparatchiks auf die Schienen der DB-AG gelegt.
"Befürworter wie Finanzminister Peer Steinbrück fürchten, dass die Bahn damit nicht das notwendige private Kapital erhält." schreibt die sueddeutsche und wiederholt damit nur fragwürdige Behauptungen:
Was aus dem Börsengang für die Bahn an Kapital rausspringt sind ein paar läppische Euro - nichts verglichen mit dem was das Volk in den vergangenen Jahrzehnten investiert hat (meinen Vorrednern schließe ich mich da voll und ganz an).
Vielmehr geht es hierum: Das Volkseigentum Bahn soll ein paar privaten Investoren weit unter Wert zugeschanzt werden, damit diese ihre aberwitzigen Rendite-Versprechen halten können - ich gehe jede Wette ein, dass für die beteiligten Politiker dann noch ein paar hübsche Aufsichtsratspöstchen rausspringen... (wie schon bei der privaten Altersvorsorge: man schaue sich mal an, was Walter Riester (ja, der mit der Riester-Rente) so verdient: http://www.bundestag.de/mdb/bio/R/riestwa0.html).
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