Mit Maget hat die bayerische SPD ihre bislang vernichtendste Niederlage erlebt - dennoch könnte der Verlierer gestärkt aus dem Debakel hervorgehen.
Selbst angesichts der vernichtenden Niederlage der bayerischen SPD verlor Spitzenkandidat Franz Maget sein Lächeln nicht. "Ich habe mein Bestes gegeben", sagte er, während er sich den Weg zur SPD-Fraktion bahnte. "Das war sicher nicht ausreichend, wenn man das Ergebnis sieht", fügte er hinzu.
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Besser abzuschneiden als bei den letzten Landtagswahlen hatte Maget bei seiner Nominierung im März angekündigt, und die Partei plakatierte im Wahlkampf selbstbewusst: "Bayern gewinnt."
Doch als am Sonntag um 18.00 Uhr die Prognosen über die Fernsehschirme flimmerten, flossen auf der SPD-Wahlparty Tränen. Minuten lang schüttelten viele der rund 150 Gäste die Köpfe, viele verließen das angemietete Münchner Restaurant bereits nach den Hochrechnung: Nicht einmal 20 Prozent - das ist für die bayerischen Genossen das mit Abstand schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit.
Maget, der in seinem rot-blauen Wahlkampfbus drei Monate lang knapp 30.000 Kilometer über Land fuhr, um bekannter zu werden, hatte die Latte am Schluss auf ein mehr als bescheidenes Maß heruntergehängt - nicht so stark einzubrechen, wie es die Demoskopen vorhergesagt hatten. Die Meinungsforscher hatten für die SPD etwa 20 Prozent erwartet - am Ende gelang Maget nicht einmal das. Sein Kreuzgang blieb ohne Wunder.
Der 49-Jährige machte nie einen Hehl daraus, dass er sich nicht nach der Kandidatur gedrängt, sondern den Kopf für seine Partei hingehalten hatte. "Sind Sie auch so froh, wenn es endlich vorbei ist", begrüßte er bei seiner letzten Pressekonferenz vor der Wahl die Journalisten.
Für seinen letzten Trumpf, der Kampagne "Macht braucht Kontrolle" gegen eine Zwei-Drittel-Mehrheit der CSU, erntete Maget schließlich mehr Häme als Mitleid: Das Satiremagazin "Titanic" schickte einen gefälschten Wahlkampfbus mit der Aufschrift: "Mit Anstand verlieren - SPD" nach Aschaffenburg, ohne das jemand den Scherz entlarvt hätte.
Vergeblich versuchte die SPD landespolitisch mit bildungs- und familienpolitischen Themen zu punkten, indem sie Bayern als Schlusslicht in der Kinderbetreuung anprangerte und ungleiche Zugangschancen zu höheren Schulabschlüssen kritisierte.
Maget musste allein kämpfen, selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder weigerte sich, bei einem seiner beiden Wahlkampfauftritte auch nur ein schlechtes Wort über Ministerpräsident Edmund Stoiber zu sagen. Gemessen an den Umfragen zur Kompetenz der Parteien konnte sich die bayerische SPD in keinem Punkt als Alternative zur Regierungspartei positionieren. Laut einer ARD-Wahlanalyse hielten gerade 12 Prozent der Bayern die SPD für eine bessere Regierungspartei im Freistaat.
Genossen stellen sich hinter Spitzenmann
Trotz des katastrophalen Wahlergebnisses könnte Maget allerdings noch ein politisches Kunststück gelingen: Gestärkt aus einer vernichtenden Niederlage hervorzugehen. "An Franz Maget hat es nicht gelegen", betonte der bayerische SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Hoderlein. Und auch Münchens OB Christian Ude stellte sich hinter Maget: "Er hat in einem bislang beispiellosen Wahlkampf als Sympathieträger seinen Bekanntheitsgrad gesteigert."
Nach dem Debakel würden innerhalb der Bayern-SPD sicher über die Ursachen diskutiert werden müssen, "aber es gibt nicht den geringsten Grund, Franz Maget am Zeug zu flicken, bloß weil ihm der politische Trend entgegen blies", betonte Ude und fügte hinzu: "Franz Maget ist und bleibt für die bayerische SPD ein Glücksfall." Und der viel gelobte Verlierer erklärte sogleich, dass er weitermachen wolle. "Niemand wird diese bayerische SPD im Stich lassen, das gilt auch für mich."
Nach Einschätzung des Spitzenkandidaten selbst hatte im Wahlkampf die Bundespolitik eine große Rolle gespielt. "Dass wir da nicht gegen angekommen sind, damit müssen wir uns aber auch selbst befassen."
Nach zahllosen verschlissenen Parteichefs, zuletzt der heutigen Familienministerin Renate Schmidt, muss nun möglicherweise Hoderlein den Kopf hinhalten. Am Wahlabend wollte sich der Franke nicht zu persönlichen Konsequenzen äußern: "Ich will schauen, was zu tun ist, damit die bayerische Demokratie nicht vor die Hunde geht", antwortete er auf Fragen nach einem Rücktritt.
(sueddeutsche.de/AP/Michael Pohl)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev