SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel und Fraktionschef Peter Struck machen sich Sorgen um ihre Partei und fordern jetzt Fußballtugenden: Gradlinigkeit, Ordnung, Kampf. Und vor allem: Keine Eigentore mehr.

Nach dem jüngsten Absturz der SPD in den Umfragen hat Vorstandsmitglied Sigmar Gabriel seine Partei eindringlich zur Ordnung gerufen. Sie SPD habe in jüngster Zeit genügend Eigentore geschossen, warnte der Umweltminister. Nun seien "Klarheit und Gradlinigkeit" gefordert.

Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel ruft seine Partei zur Ordnung. (© Foto: dpa)

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Außerdem mahnte Gabriel in einem Beitrag für den Tagesspiegel am Sonntag dringend, den SPD-Kanzlerkandidaten nicht zu früh festzulegen. "Egal, wen wir jetzt nämlich benennen würden, er wäre das nächste Opfer, so lange wir unsere innere Haltung zu unserer Partei und zu unserer eigenen Politik nicht grundlegend ändern", schrieb der SPD-Politiker.

Zuvor hatte die Welt am Sonntag spekuliert, dass Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier sich auf die Kanzlerkandidatur vorbereite. Gabriel schrieb, das "Stille-Post"-Spiel bei der SPD müsse aufhören: "Wer stille Post spielt, erzielt keine Tore, sondern Durcheinander und wirres Gequatsche oder bösartige Gerüchte." Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, über Bande spielen zu wollen, ob nun bei Sach- oder Personalfragen.

Gabriel sieht zwar politische Erfolge der SPD. Doch gebe es auch eine "tiefe Enttäuschung in großen Teilen der Bevölkerung über die Politik insgesamt". Die SPD müsse die Unzufriedenheit aufgreifen, ohne unerfüllbare Versprechen abzugeben.

Fraktionschef Peter Struck will derweil wohl die letzten Sitzungen des Bundestages vor dem Sommer nutzen, um seine Abgeordneten auf Selbstdisziplin einzuschwören. Bis dahin flüchtet auch er sich in Fußballvergleiche. Die Lage seiner Partei sei ähnlich der der Fußball-Nationalmannschaft. Er sagte der Mainpost, "dass die SPD gerade in keiner besonders guten Situation ist". Aber genau wie die Mannschaft von Trainer Joachim Löw, die an diesem Montag um den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft kämpft, werde sie "wieder kommen". Gerüchte eines bevorstehenden Putsches gegen Parteichef Kurt Beck nannte Struck dagegen "blanken Unsinn".

Aus der Hamburger SPD wurde unterdessen die Forderung nach einer Rückkehr des ehemaligen Parteichefs Franz Müntefering laut. "Meine Wunschvorstellung ist, dass Franz Müntefering als Parteivorsitzender zurückkehrt", sagte der frühere Verteidigungsminister Hans Apel der Welt. Auch der ehemalige Hamburger SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann mache sich für eine Rückkehr Münteferings stark.

Einflussreiche Sozialdemokraten sollen Müntefering in den vergangenen Wochen gebeten haben, den Parteivorsitz zu übernehmen. Gabriel äußerte sich empört: "Der Vorsitz der SPD ist entschieden. Basta!"

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(AP/dpa/segi)