SPD Altkanzler Schmidt kürt Steinbrück zum Kanzlerkandidaten

Altkanzler Helmut Schmidt hat sich offenbar entschieden: Er will Peer Steinbrück als nächsten SPD-Kanzlerkandidaten sehen. Das sagt er - bislang recht verklausuliert. Und er schreibt es, wie zu hören ist, im gemeinsamen Buch der beiden Parteigenossen. Das ist zwar noch nicht erschienen, wird aber schon von beiden beworben.

Von Susanne Höll

An diesem Wochenende wird Peer Steinbrück gekürt. Nicht zum offiziellen Herausforderer von Angela Merkel, aber immerhin zum Wunschkanzlerkandidaten - und das von hoher Stelle. Altkanzler Helmut Schmidt und Steinbrück stellen am Sonntag in der Talkshow von Günther Jauch ihr gemeinsames Buch vor. Und man kann davon ausgehen, dass der ältere Hamburger den jüngeren bei beiden Gelegenheiten für das Amt des Herausforderers vorschlagen wird.

Denn in dem neuen Gemeinschaftswerk tut er es schließlich auch, in ziemlich klarer Form, wie allüberall zu hören ist. Er könne seiner Partei nur raten, den Ex-Finanzminister aufzustellen - so ähnlich hat es Helmut Schmidt in dem Buch formuliert.

Auch im aktuellen Spiegel bezieht Schmidt Stellung: "Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann", sagte Schmidt laut einem Vorabbericht. Für eine Kanzlerkandidatur Steinbrücks spreche nicht zuletzt Steinbrücks Anziehungskraft auf Wechselwähler, so der Altkanzler. "Die Wahlen werden nicht etwa am linken Flügel gewonnen, sondern alle Wahlen werden gewonnen in der Mitte."

Ein Buch spaltet die Partei - nicht

Das Buch der beiden kommt allerdings erst am Donnerstag auf den Markt. Und bis dahin darf keiner, der es schon gelesen hat, daraus zitieren. Es sei denn, er ist bereit, die stattliche Summe von 50.000 Euro Geldbuße an den Verlag zu zahlen. Fest steht außerdem, dass sich der Ex-Finanzminister nicht im Detail zu seinen politischen Ambitionen äußern wird. Dass das Thema nicht auf der Tagesordnung steht, wird er sagen und dass er eine Antwort geben wird, wenn ihm der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel tatsächlich einmal diese Frage stellen sollte.

Keine Frage, Steinbrück hat dazugelernt. Im Sommer verplapperte er sich und tat in einem Radiogespräch kund, dass drei Männer die Kandidatenfrage unter sich ausmachen würden: Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und er, Steinbrück, selbst. Das führte zu großem öffentlichen Tohuwabohu und einigen kleineren parteiinternen Verwerfungen.

Namhafte Sozialdemokraten sorgten sich hernach, dass der Wirbel um das Buch der SPD womöglich eine scharfe Kontroverse bescheren würde - mit Steinbrück-Fans auf der einen und den Kritikern auf der anderen Seite. Dazu kämen noch jede Menge öffentlicher Mutmaßungen: Können sich die Partei und ein solcher Kandidat überhaupt ertragen? Und wird nun in der roten Troika ein Bruderkampf um die Macht ausbrechen?

Pfleglicher Umgang statt Grabenkampf

Diese Befürchtungen haben sich zwischenzeitlich gelegt. So ist das öffentliche Interesse an SPD-Personalfragen gesunken, weil die Zukunft des Euro die Menschen dieser Tage stärker beschäftigt als die der deutschen Sozialdemokratie. Und von Bruderkämpfen, die das Kandidatenthema beflügeln könnten, ist nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Alle drei wirken wohlgemut und versichern glaubhaft, sie seien miteinander im Reinen. Innerparteilich ist auch keine Fronde gegen Steinbrück auszumachen. Zwar gibt es hier und da Meckereien, und manch einer pilgerte in den vergangenen Monaten zu Steinmeier, um ihn zu einer Kandidatur zu ermuntern.

Aber außer dem DGB-Chef Michael Sommer und dem Juso-Vorsitzenden Sascha Vogt fand sich bisher niemand, der öffentlich Zweifel an Steinbrück anmeldete. Der will seinen Kritikern im neuen Buch nicht allzu sehr reizen. Steinbrück und Schmidt gingen darin, wie Gewährsleute versichern, für ihre Verhältnisse pfleglich mit der SPD um. Aber auch nicht so pfleglich, dass man meinen könnte, die beiden hätten sich eine Gehirnwäsche unterzogen.

Die zwei beiden werden nur einige wenige gemeinsame Auftritte haben. Einer von Steinbrücks nächsten großen Terminen hat dann nicht unmittelbar mit dem Buch zu tun. Er spricht am 22. November bei einer Veranstaltung des Bundes der Arbeitgeber in Berlin - nach Bundeskanzlerin Angela Merkel.