SPD-Kanzlerkandidat Warum Steinbrück die beste Wahl ist

Er wird im Wahlkampf große Sprünge machen, große Pläne und große Sprüche. Die SPD hat mit Steinbrück als Kanzlerkandidaten die beste Wahl getroffen. Er hat Talente, die ihn zu einem starken Wahlkämpfer machen. Obwohl es keine Wechselstimmung gegen Kanzlerin Merkel gibt, hat Steinbrück eine Chance.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Steinbrück ist die beste Wahl. Im Machtkampf der SPD mit Merkel verfügt er über die größte Zahl an brauchbaren Eigenschaften: Ehrgeiz und Machtwillen, Durchsetzungskraft und konzeptionelle Stärke, Autorität und Souveränität. Er hat Statur und Kontur, eine rustikale Natur und eine politische Textur, die in der Euro-Krise hilfreich ist.

Von allen aktiven Politikern hat Steinbrück den höchsten Feingoldgehalt - also finanzpolitische Sachkunde samt der Gabe, sie auf den Punkt zu bringen; er kann polarisieren und zugleich die Mitte und den Mittelstand an sich binden. Das ist Steinbrücks Stärke, und das war und ist die Schwäche Steinmeiers als Fraktionschef der SPD: Steinmeier kann nicht so richtig klarmachen, was die SPD eigentlich von Merkel unterscheidet. Gehaltvolle Unterscheidbarkeit wird den Bundestags-Wahlkampf prägen müssen. Steinbrück hat das Talent dafür.

Das macht ihn zu einem starken Wahlkämpfer, aber noch lange nicht zum Wahlsieger. Es mag in anderen EU-Ländern so sein, dass in Zeiten der Krise die Regierenden wackeln und abgewählt werden. In Deutschland ist das nicht unbedingt so: Angela Merkel hat es bisher auf fast wundersame Weise verstanden, die Verunsicherung der Menschen aufzufangen und die Vertrauensabstimmungen in den Meinungsumfragen haushoch zu gewinnen. Ob es Steinbrück gelingt, Merkel bei den Beliebtheitswerten zu schlagen, ist zweifelhaft; er ist kein Lächler. Darauf wird es aber letztendlich nicht ankommen.

Der Wahlkampf hat ein gutes Fundament

Wenn die Machtfrage eine reine Beliebtheitsfrage wäre, dann wäre Helmut Schmidt heute noch Kanzler. Entscheidend wird sein, wer im Bundestag eine Mehrheit zusammenbringt. Ob die FDP, wenn sie es in den Bundestag schafft, schon für den Wechsel zur SPD bereit ist, ist nicht gewiss. Ob die Grünen sich fest an die SPD gebunden fühlen, auch nicht. Für die grüne Spitzengruppe von heute birgt das Jahr 2013 die letzte Chance, Minister zu werden. Diese Chance werden Roth und Co. notfalls auch mit Merkel realisieren.

Steinbrück hat schon Stein und Bein geschworen, dass er niemals mehr in einem Kabinett Merkel sitzen wird. Wenn es denn doch zu einer großen Koalition käme, wird also der Vizekanzler nicht Steinbrück, sondern Steinmeier heißen. Aber das ist weit weg. Die Auspizien der SPD sind erst einmal viel besser als 2009. Es gibt zwar keinen Merkel-Überdruss und keine Wechselstimmung, aber einen satten Überdruss an Schwarz-Gelb und gute Aussichten für eine ganz andere Koalition. Das ist die Chance für Steinbrück.

Oft und gern sagt er, das er nicht in jede Hose springt, die man ihm hinhält. Aber darauf, dass ihm die SPD die Kandidatenhose hinhält, hat er lange und innig gewartet. Er fühlt sich wohl darin und man wird das merken. Er wird versuchen, die Sehnsucht der Deutschen nach Führung zu befriedigen. Er wird große Sprünge machen, große Pläne und große Sprüche. Der Wahlkampf ist eröffnet. Er hat nicht nur bei der CDU mit Merkel, sondern auch bei der SPD mit Steinbrück ein gutes Fundament: Peer kommt von Peter, Peter von Petrus - und Petrus heißt Fels.