Von Thorsten Denkler, Berlin

Dank der Finanzkrise dürfen in der SPD jetzt alle links sein. Die Flügel vereinen sich. Und ein neues Buch von Sigmar Gabriel wird von allen gelobt. Dabei war der noch nie links, oder?

Sigmar Gabriel war schon einiges in seinem Leben: Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag, Ministerpräsident von Niedersachsen, Pop-Beauftragter der SPD ("Siggy Pop") - und derzeit ist er Bundesumweltminister. Er ist zudem, was selten ist, zugleich Mitglied der SPD-Rechten im Seeheimer Kreis und der gemäßigten Netzwerker. Nur Linker war er eigentlich nie. Dachte man. Bis er am Dienstagabend sein neues Buch vorstellte: "Links neu denken - Politik für die Mehrheit".

Von links nach rechts (nicht nur im Bild): Die SPD-Spitzen Andrea Nahles, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier. (© Foto: dpa)

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Atrium im Willy-Brandt-Haus der SPD-Zentrale in Berlin-Kreuzberg. Versammelt haben sich mit Andrea Nahles und Frank-Walter Steinmeier zwei Drittel der derzeitigen Führungsspitze der SPD. Gabriel hat seine Tochter Saskia mitgebracht, die allerdings nicht neben Papa sitzen darf.

Draußen Dauerregen, drinnen verfehlen einzelne Wassertropfen nur knapp die bronzene Brandt-Statue. Das Glasdach oberhalb des sechsten Stockes ist nicht ganz dicht. Vor wenigen Wochen noch hätte dieser Umstand für schöne Bilder über den Zustand der SPD gereichen können.

Nach dem Abgang von Kurt Beck als Parteichef scheinen die Reihen geschlossener denn je. Die Rechten sind zufrieden, die Linken auch. Da bleibt Zeit und Muße, nach Monaten des internen Streites aufeinander zuzugehen und sich wieder um Inhalte kümmern zu können. Linke Inhalte.

Die neue Einigkeit ist so groß, dass neben Steinmeier auch Andrea Nahles das Buch vorstellt. Zwei Laudatoren sind ansonsten eher ungewöhnlich. Sonst achten Verlage auch gerne darauf, dass Persönlichkeiten zu einem neuen Buch Stellung nehmen, die auf den ersten Blick eine konträre Haltung zum Autor einnehmen. Das macht in der Regel die Spannung solcher Buchpräsentationen aus.

Für Spannung könnte allein die Parteilinke und SPD-Vize Andrea Nahles sorgen. Aber auch sie scheint bemüht zu sein, alte Gräben zuzuschütten. Ganz in Aubergine tritt sie ans Pult. Blazer, Halskette, Lippenstift, alles in Aubergine. Eine Kombination an der Grenze zum Mut.

Dabei gehörte an diesem Abend offenbar gar nicht viel Mut dazu, Gabriels Buch zu loben. Womit Nahles auch gleich beginnt, als sie von der hohen "Güte des Buches" und der ebenso hohen "Gewichtsklasse des Autors" spricht.

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