Von Heribert Prantl und Jens Schneider

In der Spitze der SPD wachsen die Sympathien für eine große Koalition mit Kanzlertausch. Demnach soll Merkel erst in 18 Monaten Regierungschefin werden. CDU-Generalsekretär Kauder spricht von einer "abwegigen Idee".

Die Überlegungen laufen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung darauf hinaus, dass die Koalition unter einem Kanzler Gerhard Schröder zu arbeiten beginnt, der dann im April 2007 die Regierungsgeschäfte an Angela Merkel übergibt, die bis dahin als Vizekanzlerin fungiert.

Außenministerin Merkel unter Kanzler Schröder? Die SPD-Spitze hält das für denkbar. (© Foto: Reuters)

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Die Union lehnt das Ansinnen strikt ab. Sie will laut Generalsekretär Volker Kauder keine Koalitionsverhandlungen aufnehmen, solange die SPD nicht den alleinigen Anspruch Merkels aufs Kanzleramt akzeptiert. Schröder weist das zurück.

Zunächst war in SPD-Kreisen eine Lösung diskutiert worden, wonach sich ein solcher Wechsel zur Mitte der Legislatur, also im Spätherbst 2007, vollziehen könnte. Nach SZ-Informationen erwägen nun der Kanzler und die SPD, der Union entgegenzukommen und einen Wechsel von Schröder auf Merkel schon im Frühjahr 2007 anzubieten.

Der Kanzlertausch fiele dann in den Beginn des Jahres, in dem Deutschland den Ratsvorsitz in der Europäischen Union übernimmt - und wegen dieser herausgehobenen internationalen Rolle auf politische Stabilität angewiesen ist.

Mit der Festlegung des Wechsels auf einen auch außenpolitisch beachteten Termin sollen mögliche Bedenken der Union ausgeräumt werden, dass eine Verabredung auf einen späteren Zeitpunkt für sie zu riskant wäre und vielleicht nicht eingehalten würde.

Von der Union wird ein Kanzlertausch generell abgelehnt. CDU-Generalsekretär Kauder nannte die Idee "abwegig". Die Sozialdemokraten müssten akzeptieren, "dass wir die stärkste politische Kraft geworden sind und daher auch in einer Koalition die Kanzlerin stellen werden". Die SPD müsse sich aus der Gefangenschaft von Schröder befreien.

Die Union setzt der SPD indes keine Frist, um den Anspruch Merkels zu akzeptieren. "Es gibt kein zeitliches Limit. Aber das Land braucht eine stabile Regierung. Wir müssen bald zu einem Ergebnis kommen", sagte Kauder der SZ.

CSU-Generalsekretär Markus Söder nannte eine geteilte Kanzlerschaft "absoluten Quatsch". Er sagte der SZ: "Es kann keinen Kuhhandel geben."

Mehrere Ministerpräsidenten der Union, unter ihnen Roland Koch aus Hessen, wiesen den Vorschlag zurück: Merkel allein "steht die Kanzlerschaft zu", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer der SZ.

Der bayerische Regierungschef Edmund Stoiber betonte in der Bild-Zeitung, die Union werde Schröder nicht zum Kanzler wählen. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) stellte zudem klar, er stehe als Kanzler nicht zur Verfügung.

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