Das Verhältnis zwischen Franz Müntefering und Kurt Beck gilt seit langem als schwierig, jetzt belastet es zunehmend die Partei.
Am 17. Jahrestag der Wiedervereinigung ließen sich Kurt Beck und Franz Müntefering nichts anmerken. Im Staatstheater von Schwerin begingen sie nebeneinander den Tag der Einheit, der nationalen Einheit, um genau zu sein.
Geknirscht hat es immer wieder zwischen ihnen: Franz Müntefering und Kurt Beck. (© Foto: AP)
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Da es um die SPD-interne Geschlossenheit seit Montag schlecht bestellt ist, ließen der Vizekanzler und sein Parteichef dem Staatsakt dann noch ein Gespräch unter vier Augen folgen. Anschließend verließen beide gut gelaunt das Theater und demonstrierten Gemeinsamkeit. Fast wie vor einem Jahr.
Viel ist dieser Tage die Rede vom Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zum Arbeitslosengeld im November 2006. Noch bemerkenswerter ist freilich, dass auch das Modell des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) damals schon vorlag - und von der SPD-Führung seinerzeit einhellig zurückgewiesen wurde.
"Diese Position machen wir uns nicht zu eigen", sagte Heil am 11. Dezember im Anschluss an eine Sitzung des Parteipräsidiums, nachdem der DGB-Vorstand zuvor einstimmig seinen Vorschlag einer gestaffelten Zahldauer beim Arbeitslosengeld I beschlossen hatte. Am vergangenen Montag klang das ganz anders: Plötzlich sprach Heil namens der Mehrheit der Parteispitze von einem "interessanten" und "vernünftigen" Modell.
Schon im November 2006, rund um eine turbulente Zusammenkunft des SPD-Gewerkschaftsrats, waren Forderungen der Arbeitnehmervertreter an die SPD, auf Rüttgers mit eigenen Vorschlägen zu reagieren, von der Parteispitze abgelehnt worden.
Nicht bezahlbar, befand zum Beispiel Fraktionschef Peter Struck, damals noch im Einklang mit Müntefering. Und Hubertus Heil kann im Spiegel vom 20. November nochmal nachlesen, wie er stattdessen die Gewerkschafter intern dazu drängte, gegen Rüttgers Front zu machen.
Nun ist in der Zwischenzeit viel Wasser die Spree hinunter und überraschend viel Geld in die Kasse der Bundesagentur für Arbeit hinein geflossen - eines der Argumente, das Beck, Heil und andere SPD-Politiker für ihren Sinneswandel anführen.
Nicht ganz so erfreulich hat sich hingegen das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und SPD entwickelt. Trotz der demonstrativen Gemeinsamkeit beim Mindestlohn und intensiver Bemühungen von Beck sind die Wunden aus der Zeit der Agenda 2010 noch nicht verheilt.
So ist es wohl auch kein Zufall, dass der SPD-Chef sein Entgegenkommen beim Arbeitslosengeld I unmittelbar vor seinem Auftritt bei der besonders renitenten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an diesem Donnerstag öffentlich gemacht hat.
Seit der Konfrontation im SPD-Präsidium am Montag beschäftigt führende Sozialdemokraten indes die Sorge um eine ganz andere Beziehung: die zwischen Beck und Müntefering. Der Vizekanzler hatte dem Parteichef neben inhaltlicher Kritik auch mangelnde Absprache vorgehalten.
Nur zwei Minuten hätten sich die beiden einige Tage zuvor über den Vorstoß Becks unterhalten, beschwerte sich Müntefering nach Teilnehmerangaben. Auch hätte man erwarten können, dass Becks Äußerungen gegenüber Landes- und Bezirksvorsitzenden an die Presse gelangen würden.
Beschwichtigungsversuche des Parteichefs, es gehe nicht darum, Müntefering in Verlegenheit zu bringen, hatten keinen wirklichen Erfolg.
Geknirscht hat es immer wieder zwischen den beiden. Offiziell priesen sie stets ihr gutes Arbeitsverhältnis. Doch zumindest an unterschiedlichen Prioritäten bestand kein Mangel.
Müntefering hob die Bedeutung erfolgreicher Regierungsarbeit hervor und befand kürzlich, die Kabinettsbeschlüsse von Meseberg seien sogar wichtiger für die SPD als der Parteitag Ende Oktober. Beck hingegen bestand auf der Profilierung der Partei jenseits der Koalition, manchmal auch im Kontrast dazu.
Schon über das Drängen nach mildernden Umständen für manche Arbeitnehmer bei der Rente mit 67 zeigte sich Müntefering wenig erbaut. Hinzu kommt jetzt die Diskussion um das Arbeitslosengeld I, in der Müntefering von den eigenen Leuten in die Defensive gebracht wird.
Manches Argument muss der Arbeitsminister als Kritik an seinem Wirken lesen. So befand Fraktionsvize Ludwig Stiegler: "Am Arbeitsmarkt hat sich für die Älteren noch nichts gebessert. Der Fortschritt ist eine Schnecke." Dagegen hatte Müntefering am selben Tag gerade die verbesserten Chancen für ältere Arbeitslose hervorgehoben.
So war die Lage vor Schwerin. Ob sie nach dem Zwiegespräch anders ist, verrieten Beck und Müntefering nicht.
(SZ vom 4.10.2007)
"Allerdings verlängert die das Leben allenfalls um ein paar Monate. Der Beruf hinterlässt dagegen deutliche
Spuren: Während Bauarbeiter im Schnitt nur 63 Jahre schaffen, leben Akademiker deutlich länger als der
Durchschnitt... Auch die finanzielle Situation spielt
offenbar eine wichtige Rolle: Bei 60−jährigen Männern lagen zwischen der untersten und der obersten
Einkommensklasse ganze 13 Jahren an Lebenserwartung. Ob jemand 1500 oder 4500 Euro verdient, macht
zumindest statistisch in der Lebensbilanz immerhin sieben Jahre aus."
Dass die Lebenserwartung von Arbeiter gesunken sei, wollte ich auch gar nicht behaupten, sondern, dass es je nach Beruf gravierende Unterschiede gibt.
Ich nehme mal an, das weiss auch Franz Müntefering. Wenn er jedoch trotzdem hartnäckig darauf besteht, ein starres Renteneintrittsalter von 67 Jahren sei richtig und gerecht, dann schätze ich, dass da Methode dahintersteckt.
Bis 50-55 Jahren arbeiten, dann gefeuert werden, die nächsten Jahre keinen Cent aus der jahrzehntelang bezahlten Arbeitslosenversicherung bis die Lebensversicherungssumme und Ersparnisse verbraucht sind, dann 345 Euro im Monat und möglichst schnell ab in die Kiste.
Menschenverachtung pur!
Ihr Artikel beschreibt, dass es Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Gering- und Besserverdienenden gibt (und zwischen den einzelnen Berufsgruppen usw.)
Das habe ich nie bezweifelt. Bezweifelt habe ich Ihre Aussage, dass die Lebenserwartung von Arbeitern gesunken sei. Das bestätigt Ihr Text, so weit ich ihn lesen konnte aber auch nicht.
Im Übrigen: Ich bin generell auch für ein flesxibles Renteneintrittsalter. Nur,d ass wir im Schnitt zukünftig länger statt kürzer arbeiten müssen, daran führt meines Erachtens kein Weg dran vorbei. Spätestens dann nicht mehr, wenn infolge der demographischen Entwicklung die Arbeitnehmer knapp werden.
http://www.socionet.de/lebenserwartung.shtml
DIE ZEIT
Lebenserwartung
Was zählen schon die paar Jahre...
Auch wenn Zweifel an der Genauigkeit mancher Daten angebracht sind, eines ist relativ sicher: Die
Lebenserwartung der Menschen hierzulande steigt um etwa vier Monate pro Jahr, das sind rund drei Jahre in
jedem Jahrzehnt. In diesem Punkt sind sich die meisten Statistiken, wie die vom Statistischen Bundesamt, von
dem DAV oder dem Verband der Privaten Krankenversicherungen, einig. Unterschiedlich ist nur das Niveau,
von dem sie schon heute ausgehen.
Grund dafür sind die unterschiedlichen Grundgesamtheiten, auf denen die einzelnen Statistiken fußen. Beim
Vergleich zwischen den Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und den Privaten Krankenkassen
leuchtet das noch am ehesten ein. Denn eine Reihe von Studien hat die Hauptursachen für längeres Leben
untersucht und herausgefunden: Die entscheidenden Faktoren sind die gesellschaftliche Stellung sowie Beruf
und Einkommen und auch die Wohnregion.
Allerdings verlängert die das Leben allenfalls um ein paar Monate. Der Beruf hinterlässt dagegen deutliche
Spuren: Während Bauarbeiter im Schnitt nur 63 Jahre schaffen, leben Akademiker deutlich länger als der
Durchschnitt. Allen voran stehen Priester und Mönche die fünf Jahre älter werden als der Normalmann.
Aber auch Ingenieure, Ärzte und Lehrer bringen viele Lebensjahre auf die Waage. Chemiker, Künstler,
Psychologen und Journalisten dagegen sind die kurzlebigsten Studierten. Auch die finanzielle Situation spielt
offenbar eine wichtige Rolle: Bei 60−jährigen Männern lagen zwischen der untersten und der obersten
Einkommensklasse ganze 13 Jahren an Lebenserwartung. Ob jemand 1500 oder 4500 Euro verdient, macht
zumindest statistisch in der Lebensbilanz immerhin sieben Jahre aus. Da sich vor allem Gutverdiener eine
private Krankenkasse oder zusätzliche Rentenversicherung leisten können, wundert es also nicht, dass Privat−
und Rentenversicherte im Schnitt eine höhere Lebenserwartung haben als der Rest.
Aber was machen eigentlich die paar Jahre aus, die die Sterbetafeln mehr ausweisen? Viel in der Summe: Pro
drei Jahren zusätzlicher Lebenserwartung erhöhten die Versicherungen bei Neuverträgen die Beiträge um
jeweils 15 bis 20 Prozent. Das ist ein zusätzlicher Jahresbeitrag alle fünf Jahre, den alle neuen Vertragskunden
zahlen.
Die älteren
....es z.Zt. ziemlich schwer haben.
An welche Thesen aus dem Führungskreis sollen sie sich halten?
Jeder sagt was anderes und alle verkaufen ihre Meinung als die einzig wahre.
Und dann kommt der Altkanzler, knutscht den Problem-Bären demonstrativ in der öffentlichkeit (die waren eigentlich noch nie Freunde) und beglückwünscht ihn zu der beabsichtigten änderung seines liebsten Kindes, der Agenda 2000.
Und der Geknutschte ist so glücklich darüber, dass er gar nicht merkt, wie Schröder die alle hochnimmt.
Bin ich froh, dass das nicht meine Partei ist.
Paging