Von Christoph Schäfer

Bundesarbeitsminister Scholz hat in seiner bisherigen Amtszeit viel angekündigt und einiges angeschoben - ein strahlender Erfolg steht aber noch aus. Nun muss er die Schlappe seiner Partei beim Mindestlohn verkünden, obwohl der ehrgeizige Sozialdemokrat dafür nur bedingt verantwortlich ist.

Es ist das größte politische Kampfprojekt der SPD in dieser Legislaturperiode: Die Einführung des Mindestlohns. An diesem Montag endet die Meldefrist für alle Branchen, die ins Entsendegesetz aufgenommen werden wollen - so sollen verbindliche Lohnuntergrenzen für ihren Wirtschaftszweig festgeschrieben werden.

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Einen echten, ureigenen Erfolg kann sich Arbeitsminister Olaf Scholz derzeit noch nicht auf die Fahnen schreiben (© Foto: ddp)

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Doch dem Projekt droht ein herber Rückschlag: Wie Arbeitsminister Olaf Scholz jetzt in Berlin einräumen musste, ist die Resonanz weitaus geringer als erwartet: Ursprünglich sollten so bis zu 4,4 Millionen Arbeitnehmer vor Lohndumping geschützt werden, nun wird höchstens ein Drittel der Zielvorgabe erreicht. Statt zehn oder mehr Branchen, wie von der SPD vorausgesagt, sind nur sieben Tarifparteien im Arbeitsministerium vorstellig geworden.

Ressortchef Scholz muss diese Schlappe öffentlich verkünden; anzukreiden ist sie ihm aber nur zu Teilen. Es war vor allem SPD-Fraktionschef Peter Struck, der seit Jahresanfang den Eindruck erweckt hat, viele Branchen könnten die Einführung von Mindestlöhnen kaum abwarten.

"Wir gehen bisher von zehn Branchen aus, die das beantragen werden", erklärte der Sozialdemokrat noch Anfang Januar: "Es kann auch sein, dass es noch mehr werden." Mindestlohn, das sollte der Wahlhit werden.

Kundige Sozialdemokraten erwarteten schon damals ein deutlich geringeres Interesse der Tarifparteien. Sie rieten ihrem Fraktionschef, seine Aussagen besser nicht zu wiederholen. Umsonst: Anfang März verkündete Struck nach einem Treffen mit DGB-Chef Michael Sommer erneut, dass bis Monatsende mindestens zehn Branchen entsprechende Anträge stellen würden.

Plan B

Dieser Traum ist endgültig zerplatzt. Arbeitsminister Scholz musste die vollmundigen Ankündigungen Strucks vor laufenden Kameras wieder einsammeln. In der Öffentlichkeit entsteht dadurch der Eindruck, die Hauptschuld an der Pleite liege bei Scholz. Was liegt auch näher, als den Arbeitsminister für einen arbeitsmarktpolitischen Trugschluss zum Sündenbock zu erklären?

Soweit man weiß, hat Scholz nie behauptet, dass zahlreiche Tarifparteien ins Entsendegesetz stürmen werden. Er hat auch nie eine konkrete Zahl an entschlussfreudigen Aspiranten genannt. Von ihm waren höchstens Aussagen zu hören wie: "Der Mindestlohn kommt, da bin ich ganz sicher." Lediglich auf lange Sicht werde ein Mindestlohn "für alle" erreicht.

Seine Kritiker können ihm von daher nur ankreiden, dass er Struck nicht öffentlich und lautstark in die Parade gefallen ist. Der Arbeitsminister macht einen blassen Eindruck.

Inhaltlich hat Scholz aber schon vor Wochen - vielleicht sogar in weiser Voraussicht - den Entwurf für ein modernisiertes Mindestarbeitsbedingungengesetz fertig stellen lassen. Dieses zweite Instrument soll helfen, den Traum seiner Genossen von flächendeckenden Mindestlöhnen zu verwirklichen.

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