"Unsolidarisch und feige": SPD-Chef Kurt Beck hat sich seine parteiinternen Kritiker vorgeknöpft - und seinen weiteren Kurs skizziert: Dabei machte er klar, was sich in der SPD verändern muss.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat innerparteilichen Kritikern Feigheit und mangelnde Solidarität vorgeworfen. In einer Rede auf dem Landesparteitag der Berliner SPD an diesem Samstag verband der in Meinungsumfragen schwer angeschlagene Spitzenpolitiker diese Schelte zugleich mit einer Kampfansage: "Ich werde nicht hinter den Baum gehen, weil es dort bequemer ist", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Er werde stehen bleiben, "auch wenn das nicht jeden Tag vergnügungssteuerpflichtig ist".
Kämpferisch: Kurt Beck (© Foto: dpa)
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Parteiinterne, aber anonyme Kritik an der SPD-Führung interessiere ihn nicht. Wer kritisiere, ohne selber dafür einzustehen, sei "unsolidarisch und feige". Gleichzeitig kündigte Beck ein geschlosseneres Auftreten des Parteivorstandes an. "Nach einigem Geruckel haben wir begriffen, dass wir zusammenzuarbeiten haben." Er fügte hinzu: "Miteinander ist viel schöner als gegeneinander."
Der SPD-Chef forderte, seine Partei solle sich nicht von "irgendwelchen Stimmungen" beeinflussen lassen. Die Entscheidung über einen SPD-Kanzlerkandidaten stehe noch nicht an. Personalfragen seien wichtig, aber sie würden "zur richtigen Zeit" entschieden.
"Respekt vor der Arbeit"
Beck setzte sich entschieden für Mindestlöhne ein. Die Menschen dürften nicht mit "Billiglöhnen" abgespeist werden, sagte er. "Arbeit, die gut gemacht wird, muss ausreichen, um ein ordentliches Leben zu führen." Wer die für die Gesellschaft notwendige Arbeit leiste, "muss davon leben können", rief er den Delegierten zu. Zum Respekt vor der Arbeit gehöre auch ein Kündigungsschutz, der nicht ständig zur Disposition gestellt werde.
Er verteidigte außerdem die Vorschläge seiner Partei zur Verlängerung der Altersteilzeit und zur Ausweitung der Teilrente. Daran ändere auch die Kritik des Koalitionspartners und von Kanzlerin Angela Merkel nichts. "Wenn die Bundeskanzlerin kritisiert, dass wir der Rente mit 67 jetzt eine Übergangsmöglichkeit hinzufügen, damit die Menschen nicht überlastet werden, dann lasst uns offensiv gegenhalten", forderte Beck. "Wer so etwas sagt, muss zuerst mal in einem Betrieb gewesen sein und hinter einem Band nachgelaufen sein, um zu wissen, was den Menschen zugemutet wird."
Gerüchte über Führungswechsel
Wie unterdessen bekannt wurde, gibt es in der SPD offenbar weiter Zweifel an Becks Führungsqualitäten: Nach Informationen des Spiegel haben führende Vertreter des rechten Parteiflügels intern bereits über einen möglichen Wechsel an der Parteispitze beraten. Im Gespräch ist angeblich, dass Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier zeitgleich mit der SPD-Kanzlerkandidatur auch den Parteivorsitz übernimmt.
Der Grund für die Putsch-Pläne sei die wachsende Sorge um den Zustand der Partei, schreibt das Magazin. Es werde befürchtet, dass sich die SPD mit Beck an der Spitze nicht rechtzeitig bis zur Bundestagswahl wird erholen können.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil wies die Meldung zurück. Steinmeier selbst sagte nur: "Ich kommentiere diesen täglichen Scheiß nicht mehr - das geht mir so was auf die Nerven."
Er rief - wie Beck - die Partei zur Geschlossenheit auf. "Machen wir doch endlich Schluss mit dem Flügelschlagen, machen wir Schluss mit den persönlichen Eitelkeiten", sagte er bei einem Parteitag in Hannover. Die SPD müsse endlich zusammenrücken und sich auf ihre Aufgabe besinnen, "dieses Land gemeinsam auf Kurs zu halten".
Struck und die Linken
SPD-Fraktionschef Peter Struck verlangte ebenfalls ein Ende der Personaldebatte. "Wir müssen und auf Sachthemen konzentrieren", sagte er Bild am Sonntag. Außerdem mahnte er eine schärfere Abgrenzung der SPD von der Partei Die Linke an. "Wir werben nicht um die Linke. In der Bundespolitik betreiben wir eine klare Abgrenzung," betonte Struck in der Bild am Sonntag.
Dies gelte auch für die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl. Struck riet seiner Partei davon ab, mit den Linken über die Wahl von Gesine Schwan zur Bundespräsidentin zu sprechen. Zugleich kritisierte er das Treffen junger SPD-Abgeordneter mit Parlamentariern der Linken. "Dieses Treffen war Kinderkram," sagte er. "Die an dem Treffen beteiligte 'Denkfabrik' hätte mal denken sollen, bevor sie so was macht." Wichtig sei, dass "alle daraus gelernt haben".
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(Reuters/dpa/AP/plin/buma/dmo)
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Es wird nicht reichen, um diese SPD aus der Krise zu führen. Das kann nur eine Anstrengung der ganzen Partei sein, die erst die Gewinnler dieser Krise in die Schranken weisen muß, um Platz zu schaffen durch die Regeneration von Regeln, die dieser Partei zu ihrer früheren Größe verholfen haben. Demokratische Verhandlungswege, die Rückkehr zum Sachwalter der Interessen derjenigen, deren Leistung in einer Ich-Gesellschaft nicht angemesseen honoriert wird, während die stets schnelleren Absahner einen Erfolg nach dem anderen verbuchen. Das Gebäude ist beschädigt, aber noch lange nicht zusammengebrochen. Mit Gesund- oder Krankreden wird nur unnötige Zeit verschwendet.
Keine leichte Situation für die SPD; die von mir angeführten, meines Erachtens vernünftigen Personen betreiben nun einmal vornehmlich Politik für das Land und nicht für die Partei. Selbst Kurt Beck sagt ja, das Land habe Vorrang vor der Partei, wobei das bei ihm meiner Meinung nach tendenziell eher Worthülsen sind (siehe Altersteilzeit etc.)
Wenn dieser Prozess nur mit Dezimierung der Mitgliederzahlen und Wahlergebnisse der SPD von statten gehen kann, dann ist mir das alle mal lieber als dass Nahles, Annen und Co in der SPD etwas zu sagen haben, die das Wohl der Partei über das Wohl des Landes und der Menschen stellen.
Die Linke wird mit ihren utopischen Forderungen früher oder später schon entzaubert werden...
PS: Mir liegt es fern, sie in auch nur irgendeine Schublade zu stecken.
allerdings nicht für die rund 500.000 ausgetretenen SPD-Mitglieder(!) - und auch nicht für die ehemaligen Stammwähler der SPD, die die SPD zu einer Volkspartei gemacht haben ...
... und bevor Sie oder andere Kollegen(...) mich in eine linke Schublade stecken wollen, ich war 20 Jahre CDU(und CSU)-Mitglied - und habe bis heute noch nie SPD gewählt(!) ...
Will man aber ein, im demokratischen Sinne, intaktes Parteienspektrum in Deutschland erhalten wissen, dann braucht man dazu auch eine starke SPD - und keine 2te CDU ...
Mit den "Schröderianern" an der Spitze der SPD werden auch noch die letzten, verbliebenen Stammwähler und Mitglieder abwandern - zur Linkspartei nämlich ...
Das kann doch nicht ernsthaft Ihre Absicht sein - oder etwa doch ?!? ... ;-)
Kurt Beck ist der Heckenschütze seiner selbst. Da kann er noch so viele Befreiungsschläge versuchen, das wird nichts, das wird nichts.
Dass hier immer auf den Seeheimer Kreis in Bezug auf Querschüsse geschimpft wird hat mit objektiver Wahrnehmung nichts zu tun. Vielmehr sind es doch die unsäglichen Linken die ständig für Kakophonie sorgen (Becks und Ypsilantis Wortbruch, Nahles sorgt dafür, dass Gesine Schwan als Kandidatin inthronisiert wird, Treffen der SPD-Linken mit der PDS etc. etc. etc.) Steinbrück, Steinmeier und Co machen dagegen gute Politik (Pannen-Gabriel selbstverständlich nicht, dass ist ja offensichtlich)
Von den Linken kommt bezüglich Inhalten im Gegensatz dazu nichts aber auch gar nichts. Vielmehr geht es ihnen nur um Posten, schließlich heißt es nicht umsonst bei der Parlamentarischen Linken: SPD - Sind Posten Da?
und Kurt Beck geht nicht hinter den Baum, wozu auch, für eine richtige Deckung ist er wohl zu beleibt.
Ex-Verteidigungsminister Struck hat Deutschland gestern noch am Hindukusch verteidigt, heute schützt er entschlossen seine SPD vor der Linkspartei. Totale Kontaktsperre, seine SPD-Linken dürfen nicht einmal mehr auf die Bundestagstoilette, falls sich jemand von der Linkspartei dort erleichtert.
Und die Leichtmatrosen in der SPD rufen, unablässig gepuscht von von der Medienöffentlichkeit: Haltet den Kurs, haltet den Kurs!
Derweilen aber rummst die SPD-Jolle gegen den Eisberg Merkel und säuft ab.
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