Wollte er ehrlich zu sich selber sein, müsste SPD-Vize Peer Steinbrück viel direkter und offen gegen Kurt Beck auftreten - doch er braucht den Vorsitzenden.
Peer Steinbrück hat eine Devise: "Ich erwarte, dass man jeden Morgen mit dem Gesicht im Badezimmerspiegel einen ehrlichen Dialog darüber führt, was man kann und was man nicht kann."
Eine Aufnahme von Mitte Februar, vor der Öffnung der SPD zur Linken: Die Parteigranden Steinbrück, Beck und Naumann (© Foto: dpa)
Anzeige
Steinbrück kann vor allem zweierlei: Einerseits bringt er mit seiner - gelinde gesagt - selbstbewussten Art regelmäßig die Genossen gegen sich auf. Unvergessen sein Wort von den "Heulsusen", mit dem er reformverdrossene Sozialdemokraten abkanzelte.
Andererseits steht der Finanzminister für die wirtschaftliche Kompetenz der Partei und bedient, wie einst Otto Schily als Innenminister, eine Klientel, die der Sozialdemokratie nicht von vorneherein zugeneigt ist.
Das war für Parteichef Kurt Beck auch ein Grund, Steinbrück als einen seiner drei Stellvertreter zu halten. Der Vize wiederum demonstrierte Loyalität, indem er Beck frühzeitig zum Kanzlerkandidaten ausrief: "Alle anderen Personen, über die in den Medien spekuliert wird, erfüllen diese Anforderungen vielleicht in einem bestimmten Ausschnitt, aber nicht über das ganze Spektrum wie Kurt Beck", so Steinbrück im Sommer 2007.
Schon einmal vorgeführt
Der Streit um den Umgang mit der Linkspartei führt Beck und Steinbrück nun in eine offene Konfrontation.
Es war nicht schwer zu erfahren, dass Steinbrück am Tag der Hamburg-Wahl in kleiner Runde Becks Vorstoß für eine Öffnung zur Linken nach Art und Inhalt kritisierte, noch deutlicher als er es schon öffentlich getan hatte.
Auch die Lesart, dass Steinbrück den Vorstandsbeschluss nur mitgetragen habe, um Beck nicht zu beschädigen, hatte alsbald die Runde gemacht. Mit der Regelung, dass die Landesverbände über ihre Koalitionen entscheiden, kann Steinbrück generell gut leben.
Im speziellen Fall Hessen ist er jedoch strikt gegen die Überlegung von Landeschefin Andrea Ypsilanti, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.
Einmal hat sich Steinbrück von Beck bereits vorführen lassen. Das war im Streit um die Verlängerung des Arbeitslosengeldes, den der SPD-Chef ebenfalls ohne Rücksprache losgetreten hatte.
Steinbrück machte kein Hehl daraus, dass er den Vorstoß falsch fand, gestand aber gleichwohl Beck als Parteichef das Recht zu, auf Bedürfnisse der Basis einzugehen. Für diesen Schlingerkurs nahm Steinbrück öffentlich Häme in Kauf, wurde aber bei der Wahl zum Stellvertreter mit guten 80 Prozent entschädigt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- SPD-Parteichef im Tief Beck muss von vorne beginnen 29.02.2008
- Kurt Beck im Tief Sprachlos in Mainz 29.02.2008
- ZDF-Politbarometer Beck im Wortbruch-Tief 29.02.2008
- SPD-Chef Kurt Beck Beliebtheit sinkt, Krankmeldung verlängert 29.02.2008
- Interview mit Gregor Gysi "Alle Parteien machen für uns Wahlkampf" 29.02.2008
Führungsstreit der Linken
Ich könnte mir gut vorstellen, dass er - da er ja in der neu aufgestellten SPD keine Zukunft mehr hat, parteipolitisch bald in der inneren Emigrition landet, seinen Ministerposten abarbeitet und sich nach der absehbaren Niederlage 2009 aus der Politik verabschiedet. Es wird die SPD ärmer machen, weil gerade Steinbrück einer ist, der für die SPD die Brücke zur Mitte darstellen - sicher jemand, der in einer Ampel-Regierung notwendig wäre. Aber die Zeiten, sie sind nicht so.
Natürlich ist Steinbrück gegen eine linke Regierung unter Ypsilanti. Sein großer Freund ist doch seit Jahren schon der Roland Koch, mit ohm zusammen hat er ja das Koch-Steinbrück-Papier verfasst. Die beiden sind sich viel näher als Steinbrück und seine Parteifreundin. Da ist es doch klar, dass er ihr wo immer möglich ins Schienbein tritt, um den Machterhalt seines alten Freundes, des CDU-Rectsaußen Roland Koch zu fördern. Steinbrück hat mit wahrhaft sozialdemokratischer Politik nichts am Hut, das sieht man schon, wenn man an seine Umsatzsteuererhöhung um drei Prozentpunkte denkt, die ja vor allem die Geringverdiener sehr hart trifft!