Von Nico Fried

Wollte er ehrlich zu sich selber sein, müsste SPD-Vize Peer Steinbrück viel direkter und offen gegen Kurt Beck auftreten - doch er braucht den Vorsitzenden.

Peer Steinbrück hat eine Devise: "Ich erwarte, dass man jeden Morgen mit dem Gesicht im Badezimmerspiegel einen ehrlichen Dialog darüber führt, was man kann und was man nicht kann."

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Eine Aufnahme von Mitte Februar, vor der Öffnung der SPD zur Linken: Die Parteigranden Steinbrück, Beck und Naumann (© Foto: dpa)

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Steinbrück kann vor allem zweierlei: Einerseits bringt er mit seiner - gelinde gesagt - selbstbewussten Art regelmäßig die Genossen gegen sich auf. Unvergessen sein Wort von den "Heulsusen", mit dem er reformverdrossene Sozialdemokraten abkanzelte.

Andererseits steht der Finanzminister für die wirtschaftliche Kompetenz der Partei und bedient, wie einst Otto Schily als Innenminister, eine Klientel, die der Sozialdemokratie nicht von vorneherein zugeneigt ist.

Das war für Parteichef Kurt Beck auch ein Grund, Steinbrück als einen seiner drei Stellvertreter zu halten. Der Vize wiederum demonstrierte Loyalität, indem er Beck frühzeitig zum Kanzlerkandidaten ausrief: "Alle anderen Personen, über die in den Medien spekuliert wird, erfüllen diese Anforderungen vielleicht in einem bestimmten Ausschnitt, aber nicht über das ganze Spektrum wie Kurt Beck", so Steinbrück im Sommer 2007.

Schon einmal vorgeführt

Der Streit um den Umgang mit der Linkspartei führt Beck und Steinbrück nun in eine offene Konfrontation.

Es war nicht schwer zu erfahren, dass Steinbrück am Tag der Hamburg-Wahl in kleiner Runde Becks Vorstoß für eine Öffnung zur Linken nach Art und Inhalt kritisierte, noch deutlicher als er es schon öffentlich getan hatte.

Auch die Lesart, dass Steinbrück den Vorstandsbeschluss nur mitgetragen habe, um Beck nicht zu beschädigen, hatte alsbald die Runde gemacht. Mit der Regelung, dass die Landesverbände über ihre Koalitionen entscheiden, kann Steinbrück generell gut leben.

Im speziellen Fall Hessen ist er jedoch strikt gegen die Überlegung von Landeschefin Andrea Ypsilanti, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Einmal hat sich Steinbrück von Beck bereits vorführen lassen. Das war im Streit um die Verlängerung des Arbeitslosengeldes, den der SPD-Chef ebenfalls ohne Rücksprache losgetreten hatte.

Steinbrück machte kein Hehl daraus, dass er den Vorstoß falsch fand, gestand aber gleichwohl Beck als Parteichef das Recht zu, auf Bedürfnisse der Basis einzugehen. Für diesen Schlingerkurs nahm Steinbrück öffentlich Häme in Kauf, wurde aber bei der Wahl zum Stellvertreter mit guten 80 Prozent entschädigt.

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