An Bord der MS La Paloma sind rund 1000 Menschen. Wenn Joachim Gauck den Genossen solche Glückssätze sagt, ist alles still. Ganz hinten, unter Deck, sitzt einer, der selbst die Gesellschaft prägen wollte. Es ist Gerhard Schröder, der Kanzler der ersten rot-grünen Bundesregierung, der Erfinder der Agenda 2010, der Verantwortliche für den Niedergang der SPD, wie manche meinen.
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Gauck mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. (© dpa)
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Als der Mann aus Hannover auf das Schiff kommt, ist es, als kehre der verlorene Sohn zurück. Die Seeheimer in der SPD waren nie sein Problem in der Kanzler-Zeit. Das waren eher die Parteilinken. Hier, auf dem Boot mit dem friedlichen Namen "Taube", wird er geherzt und umarmt. Schröder lässt sich fotografieren und schreibt Autogramme wie einer, der als verschollen galt und plötzlich wiederkehrt.
Lob für einen Mutigen
Joachim Gauck richtet ein paar Worte an ihn, die mit donnerndem Applaus honoriert werden. Dass er ihm eben die Hand gegeben habe, nein, er sagt geben "durfte", sagt Bürger Gauck. Schröder sei einer gewesen, der Entscheidungen gegen erhebliche Wiederstände seiner Partei durchgesetzt habe. Er sei "nicht immer dafür gelobt worden" - aber, und dann spricht er den Altkanzler direkt an, den er von seinem Platz aus gar nicht sehen kann: "Wichtig war, dass Sie diesen Mut an den Tag gelegt haben."
Solche Sätze wiederum sind es, die Joachim Gauck für die Linke "unwählbar" machen, wie Fraktionschef Gregor Gysi am Nachmittag im Reichstag erklärt. Wenn es dabei bleibt, wird Christan Wulff am 30. Juni Bundespräsident.
Für die harten Linken in der SPD sind Gaucks Sätze schwere Kost. Doch sie haben es leichter: Die schlimmsten Niederlagen der SPD scheinen vorbei. Die Partei beginnt, pragmatisch mit den Agenda-Reformen umzugehen. Schröders Gesetze werden jedenfalls nicht mehr um der eigenen so glorreichen Regierungsvergangenheit willen für sakrosankt erklärt.
Der Kandidat baut bei den Seeheimern vor, dass es am 30. Juni nicht reichen könne. "Es ist vermessen, sich auf Wunder einzustellen", sagt Joachim Gauck. "Dann geht's schief, gell." Sein Blick huscht zum SPD-Fraktionschef und Kanzlerkandidaten von 2009, Frank-Walter Steinmeier, hinüber, der zwei Schritte entfernt steht.
Steinmeier lächelt. Er wird wissen, wie das gemeint war.
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(sueddeutsche.de/jobr/woja)
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Ich finde Euren Meinungsaustausch interessant und möchte meine Erfahrungen beisteuern. Bis zum 7. Lebensjahr erlebte ich die letzten Monate des Faschismus. Dann ging ich in der DDR zur Schule, erlernte einen Beruf und studierte, arbeitete, liebte, heiratete, gründete eine Familie und fühlte mich nicht unwohl in der DDR. Ich erlebte also den Versuch einen Sozialismus aufzubauen. Seit 15 Jahren lebe ich in Niedersachsen und seit zwanzig Jahren spüre ich den Kapitalismus. Die DDR hat vierzig Jahre versucht, ein Gegenstück zur unsozialen kapitalistischen Wirtschaft aufzubauen. Es wurde, wie bei allem Neuen, viel ausprobiert, und es gab viele Fehler, Unzulänglichkeiten und Mängel. Der Kapitalismus probiert schon seit 200 Jahren eine Wirtschaft aufzubauen, die sozial sein soll (Soziale Marktwirtschaft). Es gelingt nicht. Auch hier gibt es nach 200 Jahren noch viele Mängel, soziale Schieflage, Not und Elend. Wenn man genügend Geld hat und einen gesichterten Arbeitsplatz (als Beamter), lebt es sich in der BRD gut. In der DDR lebten auch Menschen mit wenig Geld sozial gesichert und die Chansen in der Bildung waren für alle gleich. Man sieht dies schon daran, daß die Systemkritiker oder deren Kinder alle studieren konnten. Das es die Stasi gab, wußte jeder DDR-Bürger. Wir haben sie nicht geliebt, aber auch nicht gefürchtet. Ich ging immer, auch heute noch, davon aus, daß am Telefon fremde Ohren mithören. Wenn die Regierenden in der DDR etwas kritisches hören sollten, sprachen wir einfach am Telefon unter Freunden darüber, in der Hoffnung, es wird durch die Ohren des MfS weiter geleitet. War man mit etwas sehr unzufrieden, machte man eine Eingabe, oder schrieb direkt an Erich Honecker. Ich kenne niemanden, der darauf keine Antwort bekam. Heute schreibe ich an die Fraktionen der Parteien im Bundestag oder an Persönlichkeiten der Regierung und bekomme oft keine Antwort. Ich empfand das Miteinander in der DDR besser. Es gab keine Ellenbogenmentalität. Das ist auch der Grund, daß Ossis sich immer zu Ossis hingezogen fühlen. Auch ich habe mir in Niedersachsen neue Ossi-Freundschaften aufgebaut.
Vielen Dank für Ihre Replik.
Ich habe ja eben geschrieben, dass Menschen, die so ein System nicht leben mussten, nicht wissen wie das ist. Ich hatte zum ersten Mal Kontakt über "meinen Mann" - ich hatte erst einmal kein Verständnis für seine Probleme.
Die Kollegen fingen auch erst nach Jahren an, über alles zu sprechen, und ich merkte eben, dass man nicht einmal nachempfinden kann, wie es sich in einem solchen System lebt - einige machen allerdings bis heute auf mich den Eindruck, dass sie das Leben in der ehemaligen DDR als doch sehr schön empfanden. Einige sehnen sich gar nach der DDR zurück!
Alle, die ich kenne, haben überhaupt keinen Bezug zur Religion, in der Schule gab es auch keinen Religionsunterricht usw.! So wurde eben mir erzählt. Insofern dachte ich eben, dass es doch ganz schön mutig ist, wenn jemand trotzdem Theologie studierte - aber da mag ich natürlich falsch liegen!
Völlig klar, dass wir alle nicht den Präsidenten wählen, aber ich dachte mir eben, dass z.B. ein Gauck vielleicht eine Art von Verbindungsglied zwischen Ost und West werden könnte, weil ich es nach 20 Jahren einfach schade finde, dass es immer noch um die Ossis und die Wessis geht. Das war es, was ich ausdrücken wollte!
Ich schätze Ihre Beiträge, muß Sie aber auch einmal korrigieren. Die DDR sah sich nicht im Kommunismus. Das ist schlichtweg falsch. Sie war noch nicht mal ain seinem Anfang, weil noch immer mit dem Aufbau des Sozialismus beschäftigt, was schon gründlich mißlungen ist. Ich will das nicht weiter erläutern, weil es den Rahmen sprengte.
Daß die Universität Rostock einen Lehrstuhl für Atheismus hatte, mag sein. Aber die Friedrich-Schiller-Universität Jena hatte einen ziemlich großen Lehrstuhl für Theologie. Natürlich gab es in der DDR eine Trennung von Staat und Kirche. Die mußte sich um die Eintreibung ihrer Steuern schon selbst kümmern.
Ihre Erfahrungen mit Ostdeutschen belegen doch eigentlich nur, daß die vielgelobte deutsche Einheit nur ein Anschluß war. Ihre Lebensleistung wurde mit der Unterschrift unter den Einigungsvertrag ausgelöscht, was man sie deutlich spüren ließ und noch immer läßt.
Und Gauck ließ ein Eintreten gegen diesen Umgang mit den Ostdeutschen auch vermissen. Aber wie bei vielen anderen Dingen kommt es auf die Ossis bei der Bundespräsidentenwahl nicht an. Das Volk wählt ohnehin nicht.
je mehr plädiere ich für eine Vogelscheuche von OBI. Die ist neutral und ein Präsident aller Deutschen. Ausserdem enorm preiswert. Und kann nicht abtreten. Selbst wenn sie einem Attentat zu Opfer fällt ist es kein Problem. Ersatz findet sich in jedem OBI-Markt.
Gut, bei Schorlemmer stimme ich Ihnen zu, aber der Kandidat sollte wohl überparteilich sein, so dass möglicherweise auch CDUler von Wulff, den ich entsetzlich finde, abspringen und sich für Gauck entscheiden. Schorlemmer wäre auch von der Linken gewählt worden, aber Gauck findet eben möglicherweise auch Zustimmung bei den "Regierungsparteien", so dass ein Wulff an Deutschland vorüberziehen würde.
Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich deshalb für Gauck entschieden.
Politik ist eben eine Angelegenheit, die immer mit Manipulation verbunden ist und damit, Wähler an Land zu ziehen, um an die Macht zu kommen.
Das ist ja das Grausame an Politik.
Paging