Baltasar Garzón gibt auf: Weil es niemanden mehr zu verurteilen gibt, zieht sich Spaniens berühmtester Richter aus der Aufarbeitung der Diktatur zurück.
Die Hinterbliebenen der Opfer der Franco-Diktatur in Spanien sind enttäuscht über den Rückschlag bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Ermittlungsrichter Baltasar Garzón hat sich aus den Untersuchungen der Verbrechen Francisco Francos und 44 seiner Schergen zurückgezogen.
Hinterbliebene öffnen Massengräber der Franco-Zeit. (© Foto: dpa)
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"So viel Lärm um so wenig", sagte Emilio Silva, der Sprecher des Verbandes zur Wiederherstellung der Erinnerung. Garzón hatte die Diktatur zumindest symbolisch auf die Anklagebank setzen wollen. "Gegen Franco kam Garzón nicht an", titelte das Linksblatt Público. Als völlig nutzlos will Silva das gescheiterte Wagnis Garzóns nicht dastehen lassen: "Die vergangenen Wochen waren keine verlorene Zeit."
Mitte Oktober hatte Garzón Spaniens Öffentlichkeit mit der Entscheidung überrascht, die Ermittlungen gegen den 1975 verstorbenen Franco an sich zu reißen. Ebenso überraschend kam nun seine Entscheidung, sich aus der Geschichte wieder zurückzuziehen. Garzón klassifizierte die franquistische Repression während und nach dem Bürgerkriegs (1936 bis 1939) als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Franquisten hätten den Versuch unternommen, ihre Gegner systematisch auszurotten. Die während des Übergangs zur Demokratie ergangene Amnestie sei wirkungslos.
Seine Zuständigkeit begründete Garzón damit, dass der Franco-Zeit ein Militärputsch vorangegangen war. Für Verbrechen gegen die Staatsorgane Spaniens und seine Regierungsform ist der Nationale Gerichtshof zuständig, an dem Garzón tätig ist. Damit beschwor er nicht nur den Protest der spanischen Rechten herauf, die der Meinung ist, "das reißt nur alte Wunden auf".
Der sozialistischen Regierung kamen die Ermittlungen offenbar auch ungelegen. Zumindest lief der Staatsanwalt, der dem Justizministerium und damit Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero untersteht, gegen Garzón Sturm. Nun also beugte sich der Richter - unter Hinweis darauf, dass die Personen, die hätten belangt werden müssen, tot sind, ihre juristische Verantwortlichkeit erloschen sei.
Garzón ist als eitel verschrieen. 1989 ließ Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet in London festsetzen. Nun muss er sich damit begnügen, beim Versuch der juristischen Aufarbeitung der Franco-Zeit nicht mehr als Pionier gewesen zu sein. Andererseits weist Garzóns Beschluss in die Zukunft. Das Schicksal Zehntausender Verschleppter und Hingerichteter gehöre aufgeklärt, allein schon um den Angehörigen eine würdige Bestattung zur ermöglichen, befand er. Die Untersuchung der Einzelschicksale überwies er an 62 Regionalgerichte.
Dies wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, wenn Spaniens Justiz dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt wäre, Garzón für nicht zuständig zu erklären. Er kam dem durch die Aufsplitterung des Falles zuvor. Sollten sich Richter weigern, Garzons Weisung zu folgen, wären Berufungen fällig, die eines Tages dazu führen können, dass doch höchste Richter über Spaniens Vergangenheit entscheiden.
Zuspruch erhielt Garzón von Amnesty International und Intellektuellen wie José Saramago aus Portugal und Ernesto Sabato aus Argentinien, die am Donnerstag, dem Todestag Francos, ein Solidaritätsmanifest veröffentlichten. Sie forderte Spanien auf, die Amnestie von 1977 zu kassieren.
(SZ vom 21.11.2008)
Ich habe nie geschrieben, dass man die Verbrechen der Francozeit nicht aufarbeiten soll. Das Gegenteil sollte endlich mal stattfinden. Ich habe ledigliche erklären zu versucht, warum das so ist mit dem "nichtaufklären".
Spanien währe gut daran beraten, endlich mal seine Vergangenheit zu bewältigen, und zwar neutraler Form, denn sons kommt es irgendwann zum nächsten Knall zwischen Basken / Katalanen und "Rumpf"-Spaniern. Es gibt ja genügend die das anheizen.
Das Ausmaß der Ungerechtigkeit und Gewalt, das im vorrepublikanischen und republikanischen Spanien herrschte, macht die Gewaltakte der Anarchisten und Sozialisten 1934/35 und 1936ff nicht völlig ungeschehen. Aber in der Abwägung bleibt ersteres die Ursache und weit schwerwiegender.
Ganz zu schweigen vom Unrecht der vierzig Jahre Franquismus danach.
Da lässt sich nur schwer relativieren.
Die Aufarbeitung wird noch andauern, aber so weit ich Spanien kenne, wird es genug Aufrechte geben, die sich darum kümmern.
Was wahr ist, dass im Bürgerkrieg sowohl rote als auch braune Horden gehaust haben und zig 100.000 Menschen umgebracht haben.
ah so, na dann ist ja alles in bester Ordnung, warum dann die Franco-Diktatur untersuchen?
Ich lebe seit mittlerweile 30 Jahren in Spanien und Franco ist noch in grossen Teilen der Gesellschaft gegenwärtig, auch wenn man das nicht so gerne hört und sieht.
Man stelle sich einmal vor in Berlin gäbe es eine Strasse zu ehren einer Wehrmachtsdivision oder einer SS Brigade, hier ist das noch vorhanden. In Madrid gibt es die Strasse de "división Azul", des General Mola, und viele andere. In kleinen Städten und Orten, gibt es häufig noch die Avenida des Generalisimo, etc. Viele Herrschaften im Lande sind immer noch der Meinung unter Franco habe man besser gelebt (auch in der Arbeiterschicht ist dieser Gedanke weit verbreitet, da gerade in dieser Zeit viele Spanier zu Wohungseigentum kamen).
Was wahr ist, dass im Bürgerkrieg sowohl rote als auch braune Horden gehaust haben und zig 100.000 Menschen umgebracht haben. Auch hat Franco viele Opositionáre einfach in Güterwagen an das Hitlerregime ausgeliefert.
Die PP (spanische Volkspartei) schafft es einfach nicht das Francoregime definitiv zu erurteilen weil noch viel zu viel altvordere in ihren Reihen dienen, die müssen noch nicht mal sehr alt sein, weil es Francoanhänger in diesem Umfeld auch aus der Zeit nach Franco gibt, was eigentlich ein Witz ist.
Francoanhänger zu sein oer nicht, hat im übrigen nicht viel mit der Gesellschaftsschicht zu tun, viele Arbeiter und Kleine Unternehmer stehen auch in diesem Dunstkreis. Vieles was in Spanien mit der Autonomie passiert hat mit der nicht bearbeiteten Vergangenheit zu tun, das lief in Deutschland wesentlich besser.
uns sind die Altnazis die im Bundestag saßen fast ausgestorben.In Spanien ist die Sache mit Franco nicht so lange her,hier sitzen noch einige an den Hebeln der Macht und die wollen ihre Ruhe haben.
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