Spanischer Bürgerkrieg Wie Spanien dem Faschismus zum Opfer fiel

Häusersturm in Madrid: Truppen von Franco gehen mit aufgepflanztem Bajonett vor. Der Generalissimus stützte sich auf die Falangisten, eine faschistische Bewegung, die er gemeinsam mit den Monarchisten 1937 zu einer Partei formte.

(Foto: Getty Images)

1936 beginnt in Spanien der Bürgerkrieg. Tatenlos sieht der Westen dem Todeskampf der Republik zu, nur Stalin schickt Waffen - und Terror dazu.

Von Joachim Käppner

Hans Namuth erwacht am Morgen in seinem Pensionszimmer durch Schüsse. Das Geräusch ist beängstigend, es peitscht durch die Straßen Barcelonas, dazu Rufe und Geschrei. Namuth, 21 Jahre alt, ist mit seinem Freund Georg Reisner am Vortag erst nach Spanien gekommen, um als Pressefotograf für französische Blätter über die Arbeiter-Olympiade zu berichten.

Doch nun rennen Bewaffnete durch die Straßen, Reisner und Namuth holen ihre Kameras und werden zu Bildchronisten einer Stadt, die sich gegen den Faschismus wehrt. Plötzlich sind sie im Krieg.

Sie stolpern fast über einen Toten, einen jungen Polizisten in seiner altmodischen Uniform, mit den großen Knöpfen am Revers. Gefallen für die Republik - ganze Einheiten der Polizei verweigern sich den rechten Putschisten. Es ist der 19. Juli 1936.

Spanien, ein zerrissenes Land; einst ein Weltreich, in dem die Sonne nicht unterging, in den Dreißigern eher der Hinterhof Westeuropas. Auf dem Land leben Millionen wie im Mittelalter.

Die Zweite Republik, 1931 begründet, ist schwach, das regierende Bündnis linker Kräfte von Gegensätzen geschwächt. Anarchisten, Kommunisten, Linkssozialisten haben Zulauf, sie alle lehnen die parlamentarische Demokratie, die in Spanien offenbar unfähig ist, ein gerechteres Land zu schaffen, mehr oder weniger ab. Die alten Eliten in Militär, Adel, Großgrundbesitz, Bürgertum und katholischer Kirche hassen die Republik ohnehin.

Francos Bomber zerstören Madrids Paläste und töten Schulkinder

Am 17. Juli putscht die rechtsradikale Militärführung. "Viva la muerte", es lebe der Tod - das ist der bezeichnende Schlachtruf ihrer Elitetruppe, der spanischen Fremdenlegion. Die Generäle bringen am 18. Juli erst Spanisch-Marokko in ihre Gewalt, einen Tag später übernimmt die Armee weite Teile des Mutterlandes.

Ganze Provinzen fallen den schwerbewaffneten Faschisten unter ihrer Leitfigur, dem General Franco, in die Hände - auch weil die demokratische Linksregierung in Madrid wie gelähmt ist, als sei sie das Kaninchen vor der Schlange. Ministerpräsident Casares Quiroga schreit in seinem Büro herum und verfasst folgenlose Appelle - er scheut sich, die Anhänger der linken Parteien und Gewerkschaften zu den Waffen zu rufen. Aber eine Wahl wird er nicht haben.

Der Putsch ist ein weiterer Rückschlag für Europas Demokratien, die in den Dreißigerjahren an sich selbst verzagen angesichts des Aufstiegs totalitärer Ideologien und nationalistischer Despoten. Deutschland und Italien werden von Faschisten beherrscht. Die Sowjetunion unter Stalin ist ein abgeschottetes Land, aus dem grauenerregende Gerüchte dringen von Massenmorden und sibirischen Lagern.

Spaniens Diktator mit Fistelstimme

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In Spanien aber wird die Linke von freieren Kräften dominiert, der linkssozialistischen POUM und den Anarchisten der CNT. Sie kämpfen, als Francos Armee im Herbst 1936 Madrid angreift. Die Stadt sei, schreibt Hans Namuth, "wie ein zuckendes Nervenbündel".

Francos Bomber zerstören Madrids Paläste, töten Männer und Frauen auf der Straße und Kinder in der Schule. Franco lässt erklären, er werde die Stadt lieber vernichten, als sie "den Marxisten" zu überlassen.

Namuth, der junge Antifaschist aus Essen, 1933 vor den Nazis nach Paris geflohen, erlebt einen nächtlichen Bombenangriff mit, und der Mut der Verteidiger erscheint ihm als Sinnbild dieses Kampfes: "Sie schossen mit Gewehren, mit Pistolen nach dem vom bleichen Mond beschienenen Flugzeug. Die ganze Stadt war in Dunkel gehüllt - aber man spürte deutlich ihre Wachheit. Und man hörte laut das Herz der Großstadt schlagen."