Fast 33 Jahre nach dem Tod des Diktators sollen die Verbrechen des spanischen Franco-Regimes erstmals juristisch aufgerollt werden.
Die Verbrechen der spanischen Franco-Diktatur sollen knapp 33 Jahre nach dem Tod des Gewaltherrschers erstmals juristisch aufgerollt werden. Der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón erklärte sich in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss für zuständig, die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" der Franquisten aufzuklären.
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Der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón erklärte sich für zuständig,die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" der Franquisten aufzuklären. (© Foto: dpa)
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Dabei geht es insbesondere um das Schicksal der "Verschwundenen". Im Rahmen eines Plans der systematischen Ausrottung des politischen Gegners seien diese Opfer von illegalen Entführungen durch Staatsorgane geworden, die insofern bis heute andauerten, als die Opfer weder tot noch lebendig gefunden worden sind. Sie seien damit auch nicht verjährt.
Vor wenigen Wochen hatten Angehörige und Opferverbände dem Richter eine Liste mit mehr als 140.000 Namen von Verschwundenen der Franco-Diktatur übergeben.
Garzón erklärte, er sei als Richter des Nationalen Gerichtshofs deshalb zuständig, weil Würdenträger des spanischen Staates in die Gräueltaten verwickelt waren - angefangen mit Diktator Francisco Franco selbst. Um sich zu vergewissern, dass die juristische Verantwortlichkeit Francos sowie 34 seiner Schergen mittlerweile erloschen ist, fordert Garzón in seinem Beschluss die Sterbeurkunden der Beschuldigten an.
Dies ist ein Akt von einem ähnlichen Symbolgehalt wie das Datum der Garzón-Entscheidung: Am Donnerstag jährte sich zum zehnten Mal der Tag der aufsehenerregenden Verhaftung des mittlerweile verstorbenen chilenischen Diktators Augusto Pinochet in London. Den Haftbefehl hatte damals ebenfalls Garzón ausgestellt.
Während sich Vertreter von Regierung und Opposition mit Kommentaren zurückhielten, kündigte die Staatsanwaltschaft in Madrid an, Einspruch einlegen zu wollen. Mögliche Verbrechen seien durch die Amnestie von 1977 abgegolten.
Garzón hielt dem entgegen, das internationale Recht erlaube "keine Normen des Pardon oder des Vergessens" bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zu den Anordnungen Garzóns zählt unter anderem die Aushebung von mindestens 19 Massengräbern. Darunter ist auch das Grab, in dem der im August 1936 von den Faschisten ermordete Dichter Federico García Lorca vermutet wird.
Zudem verlangte Garzón vom Innenministerium eine Aufstellung der Personen, die vom Beginn des Bürgerkrieges bis 1951 die wichtigsten Posten in der faschistischen Falange-Bewegung bekleideten. Danach werde geprüft, ob noch jemand belangt werden könne.
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(SZ vom 17.10.2008)
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josss' Einwand ist nicht von der Hand zu weisen; tatsächlich haben auch die Republikaner unter ihren vermeintlichen Gegnern gewütet und z.B. Priester und Nonnen umgebracht. Allerdings könnte man dem entgegenhalten, daß die Verbrechen der "Roten" bereits in der Francozeit, meist mit der Todesstrafe, geahndet wurden; dagegen bleiben die Täter in den eigenen Reihen bis heute ungestraft.
Das gleiche gilt für die Toten: Während für die Opfer der Linken in der Diktatur aufwendige Heldendenkmäler errichtet wurden, hat man die ermordeten Republikaner in anonymen Massengräbern verscharrt. Ihre Angehörigen wissen zum Teil bis heute nichts über ihren Verbleib. Um die Identifizierung und würdige Bestattung dieser Toten kümmert sich jetzt Garzón.
Eine späte Anklage der der Franquisten würde sicher tiefe Gräben in der spanischen Gesellschaft aufreißen, aber nur deshalb, weil sie seinerzeit voreilig zugeschüttet wurden, um Spaniens harmonischen Eintritt ins demokratische Europa zu beschleunigen.
führt nicht zum Ziel einer ausgesöhnten Gesellschaft.
Wer in Spanien mal nicht nur am Strand gelegen sondern auch mal eine Kirche mit Führung besucht hat, der weiss, dass die Gegner der Francisten wahrlich keine Chorknaben waren und unvorstellbare Gräuel gerade unter Christen angerichtet haben.
Die Haltung des Herrn Garcon passt z.B. auch nicht zum Beispiel von Südafrika.
Verantwortliche benennen: ja, aber nach Jahrzehnten noch zur Verantwortung ziehen: nein. Es ginge weitestgehend ohnehin nicht mehr und träfe nur noch zufällig Überlebende.
Bei der eigenen Vergangenheitsbewältigung in diesem Punkt zeigen wir uns dann immer sehr großzügig - auch bei denen, die die Bevölkerung in der DDR schikaniert und ermordet hat.