Spanien Messi-Prozess wird wohl verschoben

Das Verfahren gegen den Fußballstar sollte am 31. Mai beginnen, nun prüfen Spaniens Steuerbehörden die neuen Informationen. Auch der Fall der Prinzessin Pilar de Borbon wird untersucht.

Von Thomas Urban, Madrid

Das Finanzministerium in Madrid gab eine kurze, trockene Pressemitteilung zu den Panama-Papieren heraus, die auch in Spanien am Montag die Schlagzeilen bestimmten: Die Steuerbehörden hätten bereits begonnen, die Stichhaltigkeit der Informationen über Pilar de Borbón und Lionel Messi zu überprüfen. Bei der Adeligen handelt es um die ältere Schwester des Ex-Königs Juan Carlos und somit die Tante des jetzigen Staatsoberhauptes Felipe. Der aus Argentinien stammende Torjäger des FC Barcelona ist der beliebteste Fußballer auf dem Erdball, zumindest was den Umsatz von Fanartikeln angeht.

Bereits vor knapp drei Jahren haben die spanischen Steuerfahnder ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen Messi eingeleitet, weil dieser Einnahmen über 4,1 Millionen Euro aus dem Verkauf von Bildrechten nicht angegeben habe. Vielmehr sei das Geld auf Konten in Belize und Uruguay geflossen. Messi sagte bei seinen Anhörungen aus, dass er sich nie mit Finanzdingen befasst, sondern alles seinem Vater Jorge überlassen habe. Dieser überwies noch vor Abschluss des Verfahrens eine größere Summe an die Steuerbehörden, die Angaben der Medien über ihre Höhe schwanken zwischen fünf und 35 Millionen Euro.

Das Offshore-Konto sei "nie aktiv" gewesen, teilt Messis Vater per Rechtsanwalt mit

Doch haben sich seine Hoffnungen nicht erfüllt, dass damit das Verfahren eingestellt werde. Vielmehr wurde eine Klageschrift gegen beide Messis, Vater und Sohn, erstellt. Die Eröffnung des Prozesses war bislang für den 31. Mai vorgesehen, dürfte aber nun verschoben werden. Denn die Panama-Papiere geben den Anklägern neuen Stoff, darunter das pikante Detail, dass Jorge Messi ein neues Offshore-Konto eröffnen ließ, genau einen Tag, nachdem ihm die Steuerbehörden vor drei Jahren den ersten Bescheid über das Verfahren zugestellt hatten. Doch sein Anwalt ließ mitteilen, dass dieses Konto nie "aktiv" gewesen sei, dort sei nur ein kleines Aktienpaket geführt worden. Im Übrigen wollten die Messis rechtlich gegen die Publikationen vorgehen.

Der Dribbelkünstler steht beim FC Barcelona nicht allein mit derartigen Problemen. Auch sein Landsmann Javier Mascherano sowie der Brasilianer Neymar haben erheblichen Ärger mit dem Finanzamt. Für manche Fans des FC Barcelona handelt es sich dagegen um einen gezielten Angriff Madrids auf die katalanische Unabhängigkeitsbewegung, denn ihr Klub gilt als deren Hochburg. So ist in den Internetforen auch die Empörung groß, dass das Finanzministerium angeblich nie gegen die genauso reichen Kicker von Real Madrid vorgehe. Allerdings steht auch keiner der Real-Kicker in den Panama-Papieren. Dafür taucht dort die halbe Mannschaft von Real Sociedad San Sebastián auf, für die sich der Verein ein vermutlich illegales Gehaltsmodell ausgedacht hat.

Weitaus weniger Aufregung hat dagegen der Fall Pilar de Borbón hervorgerufen. Die heute 79 Jahre alte Prinzessin war seit 1974 Teilhaberin eines Finanzunternehmens. Was sie dabei genau tat, um welche Summen es ging, ist noch nicht bekannt. Es war ein Jahr vor dem Tod des Diktators Franco, und so wird gemutmaßt, dass die spanischen Bourbonen dort Geld für befürchtete unruhige Zeiten bunkern wollten.