Das neue Gesetz über Spätabtreibungen ist richtig. Wichtiger aber ist, dass Deutschland behindertenfreundlich wird.
Manche Gesetze sind angemessen, obwohl sie nicht viel verändern. Der Beschluss über Spätabtreibungen, den die Bundestagsabgeordneten am Mittwochabend ohne Fraktionszwang gefasst haben, wird den betroffenen Frauen wenig helfen.
Bild vergrößern
Das Gesetz zu Spätabtreibungen ändert das Dilemma der Frauen nicht - und ist dennoch angemessen (© Foto: ddp)
Anzeige
Sie erwarten ein Baby und haben vom Arzt erfahren, dass es behindert sein wird. Nun fragen sie sich: Sollen sie den Embryo abtreiben, obwohl es ein Wunschkind ist? Oder bringen sie ein behindertes Kind zur Welt und tragen dafür jahrzehntelang Verantwortung? Eine solche Entscheidung trifft niemand, ohne zu leiden.
Das Gesetz, das nun zwischen der Diagnose der Behinderung und einer Abtreibung einen Abstand von drei Tagen verlangt, ändert das Dilemma der Frauen nicht. Angemessen ist es dennoch: Es verhindert Panikreaktionen und durchbricht den Automatismus, mit dem die Diagnose einer Behinderung in Einzelfällen zur sofortigen Abtreibung führte.
Das Gesetz ist auch kein Einstieg in den Ausstieg aus dem liberalen Abtreibungsrecht der Bundesrepublik, sondern eine Regelung, die einen im Nachhinein staunen lässt: Drei Tage liegen künftig zwischen Diagnose und Schwangerschaftsabbruch - um diese zivilisatorische Selbstverständlichkeit musste der Bundestag jahrelang ringen?
Erklären lässt sich das nur mit den Biographien der Skeptikerinnen. Sie haben einst für Frauenrechte und einen modernen Paragraphen 218 gekämpft, nun vermuten sie in der Reform eine konservative Revolution. Die nächsten Jahre werden zeigen, dass die Angst unberechtigt ist: Die Union wird nicht wagen, das Thema "218" auf die Tagesordnung zu setzen. Und die Zahl der Spätabtreibungen wird stagnieren oder gar steigen.
Die Frage ist freilich, ob die Gesetzesänderung signalisiert, dass unsere Gesellschaft mit Behinderten anders umzugehen gedenkt als bisher. Dafür spricht nicht viel: Das Leitbild dieses individualistischen Landes bleibt das selbstbestimmte Leben, in dem jeder scheinbar alles erreichen kann: Gesundheit, Wohlstand, Erfolg. Ein Land, das so viele Schönheitschirurgen und Wellness-Ratgeber braucht, tut sich schwer, das Anderssein von Behinderten zu ertragen: Sie sind nun einmal nicht so, wie es den Normen entspricht.
Hoffnung macht jedoch, dass deutsche Schulen sich für Behinderte öffnen müssen. Bisher ist die Sonderschule der Sammelplatz für alle, die im regulären System nicht mithalten. Doch nun müssen alle Bundesländer eine UN-Konvention umsetzen, die Behinderten das Recht gibt, eine Regelschule zu besuchen.
Baden-Württemberg hat angekündigt, dieses Recht zu respektieren und nicht auf bürokratische Verschleppungstaktik zu setzen. Andere Länder werden dem folgen. Dann sind behinderte Kinder dort, wo sie hingehören: im ganz normalen Teil der Gesellschaft. Erst wenn sie auf diese Weise zum Alltag gehören, kann es Eltern leichter fallen, sich gegen eine Abtreibung zu entscheiden.
(SZ vom 15.05.2009/aho)
New Yorker Bürgermeister will XXL-Soft-Drinks verbieten
finde ich nach wie vor, daß die Regelung beibehalten wurde, derzufolge als Abtreibungsgrund weiterhin auch die gemutmaßte und behauptete schwere seelische Belastung der werdenden Mutter maßgeblich ist. Obwohl mir bewußt ist, daß man niemandem zum Austrag zwingen kann, empfinde ich diese Formulierung als gummiartig Containerformulierung, mit deren Benutzung auch ganz andere Motive verwischt werden können, das Kind nicht zur Welt kommen zu lassen.
Es ist sicherlich einiges besser geworden, aber es gibt noch viel zu tun. Da sind wir uns einig. Und dabei geht es nicht nur um körperlich Eingeschränkte.
Auch sollten die Versorgungsämter/Landschaftsverbände für ihre Klientel da sein und nicht versuchen, jede Unterstützung runterzufahren.
Ueberhaupt nicht eingegangen wird in diesem Kommentar folgender Aspekt des beschlossenen Gesetzes:
Die Ärztin bzw. der Arzt, die bzw. der diese Diagnose erstellt hat muss der Schwangeren eine Beratung anbieten. Bei Unterlassung droht ein Bußgeld von 5.000 Euro!
Ganz klar droht das Gesetz die Ärzte zu kriminalisieren. Diese Regelung öffnet Denunzierung durch sogenannte "Lebensschützer" Tür und Tor.
Es gibt jetzt schon recht wenige ÄrztInnen, die Spätabtreibungen vornehmen. Indem sie nun das Risiko der Kriminalisierung eingehen, werden es bestimmt nicht mehr. Und je weniger ÄrztInnen bereit sind den Eingriff durchzuführen, desto mehr logistische probleme für die Frau überhaupt jemanden zu finden
.
Für die Selbstbestimmung der Frau/Eltern sehe ich da ganz klar eine mögliche Einschränkung, daher braucht der Autor nicht so von oben herab auf die Ängste der "Skeptikerinnen" reden , die "konservative Revolution befürchten".
Der Autor hat offenbar nicht weit genug gedacht.
"Ein Mensch entwickelt sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch. Er wird nicht Mensch, sondern ist Mensch von Anfang an!" (Ab Zellverschmelzung) - Prof. Dr. med. Erich Blechschmidt
b) Einführung nichtfreiwilliger Fruchtbarkeitskontrolle
1. Massenanwendung eines Wirkstoffes zur Fruchtbarkeitskontrolle durch die Regierungen, um die Geburten auf einen annehmbaren Stand zu halten: Dieser Wirkstoff soll die Fruchtbarkeit in der Gesellschaft je nach Bedarf um 5 % bis 75 % unter die gegenwärtigen Geburtenrate senken; der Wirkstoff ist noch unbekannt, soll aber für Feldversuche nach 5 bis 10 Jahren Forschung zur Verfügung stehen. In städtischen Ballungsgebieten soll er im Trinkwasser enthalten sein und anderswo durch andere Methoden; Zuführung zeitweiliger Sterilisationsauslöser im Trinkwasser oder in den Hauptnahrungsmitteln.
http://www.pro-leben.de/abtr/taktiken_profamilia.php
Pro Familia und Abtreibung als Geburtenkontrolle.
Die "Soziale Notlagenindikation" ist einer der häufigsten Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch, Tendenz steigend.
Pro Familia hat dies in ihr Beratungskonzept integriert und es gehört für sie zum Service,
Abtreibungskatalog (Service oder Dienstleistung )
In einer Marktwirtschaft kann eben alles vermarktet werden Moral und Edikt Anstand Ehrfurcht vor dem Leben, welchen Wert haben diese Worte eigentlich noch in unserer Gesellschaft.
http://www.pro-leben.de/abtr/taktiken_profamilia.php
Ja Herr Sarrazin da werden Sie geholfen.
So weit sind wir schon wieder erschreckend von meiner Sicht aus gesehen.
Paging