Sozialreport 2010 Sehnsucht nach der Mauer

Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist Deutschland noch nicht zusammengewachsen: Laut einer Studie wünschen sich etwa zehn Prozent der West- und Ostdeutschen die Mauer zurück. Rund 40 Prozent finden aber, die Einheit habe ihnen genützt.

Viele Deutsche wünschen sich die Mauer zurück: In Westdeutschland sind es elf Prozent der Bevölkerung, in Ostdeutschland sehnen sich neun Prozent nach der DDR.

Das geht aus dem "Sozialreport 2010" hervor, den der Sozial- und Wohlfahrtsverband Volkssolidarität am Dienstag in Berlin vorstellte. Für die Studie wurden vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg (SFZ) 2090 Bürger in allen Bundesländern befragt.

Danach sind die Empfindungen der Bundesbürger zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit gespalten. Während im Osten 42 Prozent der Bürger finden, die Einheit habe ihnen persönlichen Gewinn gebracht, sind es im Westen nur 37 Prozent. Jeder dritte Westdeutsche empfindet für sich persönlich durch die Einheit mehr Verlust als Gewinn. Verbandspräsident Gunnar Winkler warnte in diesem Zusammenhang vor einer "Atmosphäre des gegenseitigen Aufrechnens".

Bundesweit glaubt nicht einmal jeder zweite Befragte, dass Ost und West inzwischen zusammengewachsen sind. Die Mehrheit geht davon aus, dass noch immer große Unterschiede bestehen - und dass das auch in 50 Jahren noch so sein wird.

Insgesamt sind laut Umfrage die Bürger der Bundesrepublik in der Mehrheit zufrieden mit ihrem Leben, im Westen etwas mehr als im Osten. Doch überall erwarte man, dass sich im sozialen Bereich weiter einiges verschlechtere, sagte Winkler.

In dem Report wird darauf verwiesen, dass derzeit bundesweit 18 Prozent der Erwachsenen unterhalb der Armutsrisikoschwelle lebten (weniger als 800 Euro im Monat). Im Osten sind dies 24 Prozent, im Westen 16 Prozent.