Von Peter Blechschmidt

Sozialdemokraten und Union wollen Familien und Kinder stärker fördern. Die SPD fordert "den gleichen Euro-Betrag für jedes Kind".

Im heraufziehenden Bundestagswahlkampf setzen SPD und Union verstärkt auf die Förderung von Familien und Kindern. Das SPD-Präsidium will am heutigen Montag einen "Aktionsplan für gleiche Lebenschancen" mit zehn Schritten gegen Kinderarmut verabschieden.

Familie, dpa

SPD und Union wollen Familien und Kindern mehr Geld zukommen lassen. (© Foto: dpa)

Anzeige

Die Präsidien von CDU und CSU wollten am Sonntagabend zu einer gemeinsamen Sitzung in Erding bei München zusammenkommen, um eine Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag zum 1. Januar zu beschließen.

"Unser Ziel sind gleiche und gute Lebensbedingungen für alle Kinder", heißt es in dem Entwurf für den SPD-Präsidiumsbeschluss, den eine Kommission unter Leitung des Chefs der niedersächsischen Landtagsfraktion, Wolfgang Jüttner, erarbeitet hat.

Mit Sorge müsse man feststellen, dass die Chancen eines Kindes auf Bildung, gesunde Entwicklung und Teilhabe am sozialen Leben "immer noch stark von der gesellschaftlichen Herkunft abhängen". Der erste Schritt gegen Kinderarmut sei es, den Eltern eine fair entlohnte, existenzsichernde Arbeit zu ermöglichen. Darüber hinaus aber seien zusätzliche Schritte nötig.

Zehn Schritte gegen Kinderarmut

So will die SPD den Familienlastenausgleich in der Weise neu regeln, dass seine Bestandteile - neben Kindergeld und Kinderfreibeträgen unter anderem Ehegattensplitting, Erziehungsgeld, Erziehungsurlaub sowie das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkasse - für alle Familien gleich wirken.

"Wir wollen den gleichen Euro-Betrag für jedes Kind", sagte SPD-Chef Kurt Beck am Wochenende auf dem Parteitag der Thüringer SPD. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass Besserverdienende durch Abschreibungen und Freibeträge bis zum Fünffachen dessen erhielten, was Bezieher niedriger Löhne für ihre Kinder bekämen. "Jedes Kind muss dem Staat gleich viel wert sein", heißt es in dem "Aktionsplan" des SPD-Präsidiums.

Spitzenverdiener profitierten allein von den Freibeträgen mit bis zu 230 Euro im Monat. Demgegenüber seien ärmere Familien allein auf das Kindergeld in Höhe von monatlich 154 Euro angewiesen. Um wie viel genau die Leistungen angehoben werden sollen, will die SPD im Herbst festlegen, wenn der Bericht der Bundesregierung über das in jedem Fall steuerfrei zu stellende Existenzminimum vorliegt.

Weiter will die SPD vor allem die Kinderbetreuung verbessern. Tagesstätten und Bildungseinrichtungen sollen mehr und besser qualifiziertes Personal erhalten. Behörden und Wohlfahrtsorganisationen sollen zu besserer Zusammenarbeit angehalten werden. In SPD-geführten Kommunen wird ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder angestrebt.

Bildung soll von der Kindertagesstätte bis einschließlich zum ersten Studium gebührenfrei sein. Außerdem fordert die SPD die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz und eine "Nationale Kinderkonferenz", die noch in diesem Jahr eine "Gesamtstrategie" gegen Kinderarmut beschließen soll.

Auch die Union verspricht den Familien eine Anhebung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags zum nächsten Jahr. Im Entwurf der Erklärung beider Präsidien, der am heutigen Montag verabschiedet werden soll, wird allerdings keine Größenordnung genannt. Auch die Union will dazu nach den Worten von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla den Existenzminimumbericht im Herbst abwarten.

Leser empfehlen 

(SZ vom 9.6.2008/gal)