Die SPD ist in einem miserablen Zustand. Zum Auftakt ihres Wahlkampfs mangelt es an klaren Botschaften: Zwar vermittelt sie, dass Schwarz-Gelb verhindert werden muss. Doch was die Sozialdemokraten besser machen wollen, versteht man einfach nicht.
In acht Wochen wird der Bundestag gewählt, aber von Wahlkampfstimmung ist bisher kaum etwas zu spüren. Wer es sich leisten kann und mag, macht Ferien im Ausland; die Daheimgebliebenen grübeln, ob die Gewitter dieses Sommers Vorboten unguter Klimaentwicklungen sind. Man ruht sich aus, nach einem Jahr, das Deutschland und der Welt die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit bescherte.
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Bislang ist es Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nicht gelungen, das Ansehen der Partei zu verbessern. (© Foto: Getty Images)
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Geredet wird über die Dekolletees der Damen in Bayreuth und die vielen Autobahnbaustellen, weniger über Politik, was angesichts der jüngsten Vorgänge in Schleswig-Holstein auch kein Wunder ist.
In dieser trägen Zeit starten die Sozialdemokraten ihren Bundestagswahlkampf, wollen - besser gesagt: müssen - Aufmerksamkeit erregen. Denn ihre Lage ist misslich, eigentlich miserabel. Allen Anstrengungen und Verheißungen zum Trotz ist es dem Parteivorsitzenden Franz Müntefering und dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier in ihrer fast einjährigen Arbeitspartnerschaft nicht gelungen, das öffentliche Ansehen der Partei und ihres Personals zu verbessern.
Umfragewerte im Keller
In den Umfragen steht die SPD nicht besser da als in den letzten, schlimmen Monaten der kurzen Ära von Kurt Beck. Selbst Demoskopie-Skeptiker mögen kaum glauben, dass die SPD noch zur Union aufschließen kann, mithin das Land weiter als Juniorpartner einer neuen, großen Koalition mitregieren wird. Ein Kanzler Steinmeier gar erscheint aus heutiger Sicht nahezu als unvorstellbar.
Vor mehr oder minder gut gemeinten Ratschlägen können sich der Kandidat und seine Partei kaum retten. Kämpfen soll er, aber nicht gegen die Kanzlerin und auch nicht gegen den populären CSU-Wirtschaftsminister. Leidenschaft soll Steinmeier an den Tag legen, er, der nüchterne Verstandesmensch, der die Leute überzeugen, aber nicht verführen mag.
Apropos Kandidat: Jeder führende Genosse kannte Steinmeiers Naturell, jeder wusste, dass er kein politischer Raufbold ist, der mit einer guten Portion populistischer Ruchlosigkeit eine aussichtslos erscheinende Auseinandersetzung im letzten Moment noch einmal wenden könnte. Nun soll er aber, noch ein Ratschlag, auf den Putz hauen, polarisieren.
Kandidatenteam kann Hauptproblem der SPD nicht lösen
Gegen wen? Mit der Union hat die SPD vier Jahre lang Politik gemacht, mal gut, mal weniger gut. Gegen die FDP? Die will man als Partner für eine Ampelkoalition gewinnen. Die SPD soll "linker" werden, fordern die einen. Die anderen warnen, genau dies würde den Untergang der SPD als Volkspartei bedeuten. Und was macht die Parteispitze? Sie stellt in dieser Woche ein Kandidatenteam vor. Darin finden sich die allseits bekannten Minister der Bundesregierung und - der Versuch einer Überraschung - ein paar bundesweit bislang weniger bekannte Sozialdemokratinnen.
Aufgabe dieser wohlweislich nicht Schattenkabinett genannten Gruppe ist es, in den nächsten Tagen und Wochen für positive Schlagzeilen zu sorgen und zu demonstrieren, dass auch die SPD interessante junge Frauen in Führungspositionen aufzuweisen hat. Gemeinhin präsentieren nur Oppositionsparteien solche Wahlkampfteams. Übrigens nicht immer mit Erfolg.
Das Kandidatenteam jedenfalls wird weder das Hauptproblem der Partei noch das ihres Kandidaten lösen. Es lässt sich in einer einzigen Frage zusammenfassen: "Warum soll man eigentlich noch SPD wählen?"
Ja, das ist eine ungerechte Frage, nicht nur aus Sicht der Sozialdemokraten. Schließlich haben sie als Regierungspartei vieles, auch Historisches vollbracht. Die Ostpolitik von Kanzler Willy Brandt; die, seinerzeit von der eigenen Partei verkannten Leistungen Helmut Schmidts in der Wirtschaftspolitik und der internationalen Abrüstung; Gerhard Schröders ungeliebte Reformagenda 2010; das Krisenmanagement im vergangenen Jahr.
Doch Errungenschaften vergangener und längst vergangener Zeiten werden bei Wahlen nicht belohnt. Es gibt kein Votum aus Mitleid, keinen karitativen Akt, um die Sozialdemokratie vor einem Gang in die Opposition zu bewahren, in der sie ihren Charakter als Volkspartei tatsächlich verlieren könnte. Gewählt werden Parteien, die mit verständlichen Botschaften das Gefühl vermitteln, man sei, gerade in schwierigen Zeiten, bei ihnen gut aufgehoben.
Der Mut zur Klarheit fehlt
Doch der SPD mangelt es an klaren und verständlichen Botschaften. Zwar vermittelt sie, dass Schwarz-Gelb verhindert werden müsse. Was die Sozialdemokraten aber besser machen wollen, versteht man nicht. Das mag auch daran liegen, dass ihnen der Mut zur Klarheit fehlt. Union und FDP will man vorrechnen, mit welchen Einschnitten im Sozialsystem eine Steuersenkung verbunden wäre. Das dürfte die Wähler nicht sonderlich elektrisieren.
Punkten könnte der SPD-Kandidat, wenn er offen darlegte, wie er die Milliardenschulden zu tilgen gedenkt. Dass in der nächsten Legislaturperiode wohl staatliche Hilfen gekürzt und im Aufschwung Steuern erhöht werden, glauben die meisten Deutschen sowieso. In der Auseinandersetzung mit Angela Merkel, der Meisterin der politischen Betäubung und Verschleierung, könnten Steinmeier und seine Partei von einer solchen Offenheit profitieren. Schließlich haben sie kaum noch etwas zu verlieren.
Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 27.07.2009/dmo/gba)
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Es gäbe (theoretisch) schon Gründe, die Sozis zu wählen. Zum Beispiel, sie machen - im Gegensatz zur CDU mit ihrer gestaltungsunlustigen, phlegmatischen Frau Merkel - verantwortungsvolle Politik, zum Wohl ihres Landes. Wenn sie's denn noch täten!
Sie haben - im Gegensatz zu schwarzgelb - Werte und sind nicht nur karrierebeflissene Mandatsaussitzer. Wenn sie sie nicht ständig verraten würden!
...
Als sie gegen den Mindestlohn stimmten, obwohl der Gesetztesentwurf von ihnen stammte, dämmerte mir: Unberechenbar, was sie mit meiner Stimme anfangen werden.
Koalitionsräson darf nicht vor das Wohl des Landes gestellt werden. Das ist eine Frage des Charakters, oder? Als sie dann wieder einknickten in der Frage der Überhangmandate, mit anderen Worten dem schwarzen Lager mal eben 30 Mandate schenken, dämmerte mir - sie hoffen mit diesem Kotau auf eine milde gestimmte Frau Merkel, die sie wieder in die engere Auswahl zieht für die nächste Koalition. Schade. Wir hatten, mal von Kiesinger abgesehen, noch keine so farblose, beliebige, handlungsarme Kanzlerfigur. Selbst Kohl, der alte Aussitzer und Abkanzler, stand noch für Europa ein. Frau Merkel interessiert nur und ausschließlich Frau Merkel. Sie hat einen beispiellosen Aufschwung verschenkt, hätte sich am Irakkrieg beteiligt, sagte im Zusammenhang mit Quantanamo - wir haben die USA nicht zu kritisieren - und niemand konnte mir bisher sagen, was wir Frau Merkel eigentlich zu verdanken haben. Aber wir kriegen sie (und den aalglatten Baron mit Riechfaktor) halt von den Medien aufgeschwatzt wie Sauerbier und wann immer ein Vorschlag aus den Reihen der Sozis kommt, heißt es da sofort - damit wollen sie nur ihre katastrophalen Umfragewerte ändern .... als wäre das verkehrt. Wünsche den Genossen trotzdem alles Gute, 2 bis 3% mehr als die Schwarzen hätten sie schon verdient...
man kann an diesem artikel schoen sehen wie wenig die wirkung der begangenen grausam und ungerechtigkeiten sich wiederspiegelt...
angefangen bei kohl mit den weiteren einschraenkungen des deutschen streikrechts der verlagerung des staatsaufkommens auf die abhaengig beschaeftigten die wirkung der neoliberalen privatisierungen ...die abschaffung des sozialstaatsprinzips das in der verfassung steht durch hartz4 und behoerden willkuer ..die entlastung der reichen und der unternehmen gleichzeitig die gier der banker die nur noch spekulieren statt sich um ihre kunden zu kuemmern..hier hat die spd schwer gesuendigt hat dinge getan die nicht mal eine cducsu fdp regierung gewagt haette und jetzt jammert sie herum die spd ....
wenn man die folgen dieser ungerechten untaten auch auf die gesamt wirtschaft betrachtet ...so sind wir noch laengst nicht ganz unten ..es wird immer weiter gehen abwaerts ...und man kann es ja auch sehen wenn man durch die lande faehrt ...ueberall gaehnen einen die leblosen schaufenster der ehemaligen geschaefte autowerkstaetten arbeitsstaetten an ..das ist keine folge die vom himmel fiel ...nein es ist die folge dieser katastrophalen politik ..die im gegensatz zu allen anderen europaeischen laendern auf enteignung setzt ....enteignung der buerger durch die hintertuer...
Das Land wurde in 16 Jahren Kohl ausgeliefert, insbesondere in Folge der Einheit. Für eine SPD-Politik alter Prägung danach gab's nie die notwendige Mehrheit durch die Bürger.
Wählt doch Ulla Schmidt zur Bundeskanzlerin: die hat den Frauenbonus, die hat Erfahrung (mit parlamentarischen Starallüren) und bezüglich Verschwendung von Steuergeldern - was soll dann noch schiefgehen - bei soviel Charisma!
auch wenn es immer wieder behauptet wird: die Hartzgesetze waren nicht notwendig für die Bevölkerung nur für die Arbeitgeber zur Einschücherung etc.
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