Verteidigungsminister Jung will am Parlament vorbei entscheiden: Er meint, das Ehrenmal für im Dienst getötete Soldaten solle am Verteidigungsministerium errichtet werden.

Die Bundestagsvizepräsidenten Petra Pau (Linkspartei) und Wolfgang Thierse (SPD) haben Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) aufgefordert, die Entscheidung über den Standort des geplanten Soldaten-Ehrenmals dem Parlament zu überlassen. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte am Freitag in Berlin, Jungs Alleingang sei eine Missachtung des Bundestages.

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Jung wird den Entwurf für das Ehrenmal, das er am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums errichten lassen will, in Kürze dem Verteidigungsausschuss des Bundestags und anschließend der Öffentlichkeit vorstellen. Eine Entscheidung des Parlaments lehnt er aber ab.

Mit dem Ehrenmal sollen die Soldaten gewürdigt werden, die seit Gründung der Bundeswehr im Dienst ums Leben gekommen sind. Bislang starben rund 2600 Soldaten, davon 69 bei Auslandseinsätzen. Jung könne nicht allein bestimmen, wo das Denkmal für im Dienst gestorbene Bundeswehrsoldaten errichtet werden soll, sagte Thierse dem "Handelsblatt". Entscheiden müssten "der Bundestag oder die Regierung als Ganzes".

Allerdings unterstützte der SPD-Politiker Jungs Standortwahl am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums. Anders als Vertreter aller Fraktionen hält Thierse den Bundestag als Standort nicht für geeignet, weil es dort schon etliche Denkmäler gebe. Eine "Inflation von Denkmälern" relativiere deren Bedeutung.

Abgeordnete von der Union bis zu den Grünen argumentieren, weil die Bundeswehr eine Parlamentsarmee sei, sollte ein Ehrenmal auch am Parlament errichtet werden. Fraktionschef Kuhn sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Jungs Alleingang beim Ehrenmal für im Dienst ums Leben gekommene Soldaten zeigt, dass er die politischen Grundregeln nicht begriffen hat ... Mit einer Politik der Geheimniskrämerei und der Missachtung des Parlaments wird er sich nicht durchsetzen."

Pau sagte, bislang gebe es nur eine verkürzte Debatte. Was das geplante Mahnmal genau ausdrücken solle, sei nicht klar. Pau äußerte den Verdacht, Jung wolle "sich selbst ein Denkmal setzen".

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(dpa)