Vetternwirtschaft statt Brüderlichkeit: In Frankreich reiht sich Skandal an Skandal. Doch Volk und Medien akzeptieren den Filz nicht mehr.
In den griechischen Sümpfen lebte einst ein Monster namens Hydra. Schlug man einen ihrer Köpfe ab, wuchsen zwei neue nach. Heute lebt im Pariser Korruptionssumpf ein ähnliches Wesen. Es heißt Bettencourt-Affäre und nährt sich von Macht, Geld und Interessenkonflikten. Dieses Ungeheuer teilt sich noch rascher als die Hydra. Es bekommt auch ohne Enthauptungen neue Köpfe. Erst ging es im Fall Bettencourt um die Schwäche einer Milliardärin für einen Dandy. Dann kam ein Korruptionsskandal um die Präsidentenpartei UMP und Arbeitsminister Éric Woerth hinzu. Jetzt könnte der Fall zu einem "Sarkogate" auswuchern, wie die Opposition feixend feststellt.
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Medien wie Le Monde recherchieren akribisch und beweisen, dass die Pressefreiheit in Frankreich funktioniert. (© dpa)
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Unstrittig ist, dass der Geheimdienst ausschnüffelte, von welchem Informanten die Zeitung Le Monde über einige Vernehmungen in der Affäre Bettencourt unterrichtet wurde. Le Monde behauptet, der Auftrag an die Spione sei aus dem Élysée-Palast gekommen. Der Präsident missbrauche den Dienst, um seine politischen Interessen zu schützen, und verletze den Schutz der journalistischen Informationsquellen. Das Präsidialamt bestreitet, sich eingemischt zu haben. Doch Le Monde erstattete Strafanzeige. Die Bettencourt-Affäre hat ein neues Haupt, die Hydra wächst weiter.
Parallel dazu beschäftigt sich die Justiz mit weiteren Staatsaffären. In der einen soll sich erstmals in der neueren Geschichte ein Ex-Präsident, Jacques Chirac, verantworten - wegen Unterschlagung und Vertrauensbruchs. In der anderen, dem Clearstream-Fall, geht es um eine düstere Kabale zwischen Sarkozy und Ex-Premier Dominique Villepin vor dem Hintergrund dubioser Fregattenverkäufe. Die Reihe ließe sich in die jüngere Vergangenheit beliebig fortsetzen: der Elf-Skandal, Angolagate, Giscard d'Estaings Diamanten.
Vetternwirtschaft statt Brüderlichkeit - ist dies das Fundament der Republik? Tatsächlich wirkt Frankreich anfällig für Kungeleien. Das Land, in dem Montesquieu die Gewaltenteilung predigte, wird von einer Kaste dominiert. Ihre Angehörigen kennen sich von den Elitehochschulen und wuchsen oft in denselben Prominentenvierteln auf - etwa in Neuilly, woher Sarkozy stammt. Später rücken die Jugendfreunde ins Parlament, in die Regierung, auf hohe Beamtenposten und in Konzernvorstände auf. Sie pflegen ihre alten Verbindungen, zum gegenseitigen Nutzen. Der Zentralismus, der alle Mächte in Paris bündelt, erleichtert den Austausch - und die Korruption.
Doch es gibt Gegenkräfte: Bürger, die Mauscheleien heute weit weniger hinnehmen als früher. Medien wie Le Monde, die akribisch recherchieren und beweisen, dass die Pressefreiheit funktioniert. Und dann die Untersuchungsrichter, die im Gegensatz zu den Staatsanwälten unabhängig von der Regierung sind und Affäre um Affäre angehen. In der Antike besiegte Herkules solche Ungeheuer wie die Hydra. In der Gegenwart fällt die Rolle oft den Untersuchungsrichtern zu. Sarkozy möchte sie abschaffen.
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(SZ vom 15.09.2010/segi)
Führungsstreit der Linken
Das mit der Macht in diesen Lande war und ist auch etwas anderes. Als die Sozialisten regierten war es auch nicht besser,man bediente sich aus der Staatskasse nach belieben. Das hat in Frankreich einen lange Tradition,nur einer hatte das nicht noetig der was C. Degole der was reich von zu Hause aus.
Seit wann ist Le Monde eine deutsche Zeitung? Ist mir da was entgangen?
Sehr gut zu erkennen ist, warum Sarkozy natürlich ausgesprochen gerne die Roma und die Burka-Trägerinnen zum Hauptproblem Frankreichs machen will, gell? Dann kann er aalglatt von den wirklichen Problemen ablenken!
"...doch Volk und Medien akzeptieren den Filz nicht mehr."
Genau und das ist auch der Hauptunterschied zu D-Land. Hier sind die Medien munter damit beschäftigt, unangenehme Details vom Volk fernzuhalten, Verlautbarungsjournalismus zu betreiben und Jubelmeldungen zu streuen.
Uwe Dolata, ein Fachmann für Wirtschaftskriminalistik und Korruption hat vor einigen Monaten als Gast bei "Pelzig unterhält sich" (Sehr empfehlenswert im übrigen) Deutschland als "korruptestes Land der Welt" bezeichnet. Und dabei ging es nicht um das vielzitierte Fakelaki, sondern systemimmanente Korruption an den höchsten Stellen. Wie recht er damit hat, demonstriert uns die Politik beinahe wochentäglich.
Die wirklich kritischen, unabhängigen Medien, die auf die skandalöse Tragweite solch demokratiefeindlicher Schandtaten wie die jüngste Einflussnahme der Atomlobby auf die Steuergesetzgebung, oder Gesetzestexte, die von der Pharmalobby diktiert werden hinweisen, gibt es bei uns so gut wie gar nicht mehr.
Darüber, dass die Rente mit 67 absolut unverzichtbar und nötig ist, herrscht hingegen eine derartiges Einvernehmen, dass für den Presseclub der ARD angeblich KEINE EINZIGE journalistische Gegenstimme zu finden war.
Da wird unisono ins regierungskonforme t.i.n.a.-Horn gestoßen, obwohl es da fachlich äußerst kompetente Gegner dieser Schwachsinnsthese gibt:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33269/1.html. > LESEBEFEHL!
Den Herrn Professor Fuchs beispielsweise, der seine Ablehnung im GEGENSATZ zu solchen Dampfplauderern wie dem "Wirtschaftsweisen" Hüther auch mit belastbaren Zahlen begründen kann und nicht nur von irgendwelchen "veränderten Stimmungslagen in der Wirtschaft" schwadroniert.
Tschuldigung für das Abschweifen, aber manchmal....
ein Deutscher Artikel über ein anderes Land. Nach dem Motto: "seht mal her ihr Deutschen, bei denen ist's wirklich schlimm" (und halt nicht so deutsch wie bei uns.... die Franzosen, die Amis, die Russen, die Italiener).
Skandalpresse en Gros, die SZ scheint sich intern neue Richtlinien gegeben zu haben. Wahrscheinlich schafft man es sonst nicht, die Auflage zu halten... und so begibt man sich auf ein Niveau, welches sonst nur Käseblätter mit viel Titel, Bild und wenig Inhalt vorbehalten war.
Übrigens: Sobald die Regierung Frankreichs nicht links-sozialistisch war, warf die Presse Frankreichs mit Skandalen um sich, das war bereits während der Vierten Republik so. Und in der Neuzeit war nur Tonton Mitterrand davor gefeit und.... genau der und seine Genossen haben das Land in den Ruin getrieben.... während Chirac und Sarkozy das ausbaden durften und immer noch dürfen.