Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Am Fall Irak fällt seit der Invasion das Desinteresse der Weltgemeinschaft auf. Das ist angesichts der Vorgeschichte verständlich. Aber der Weltgemeinschaft darf es nicht gleichgültig sein, wenn das Land unregierbar bleibt und Nährboden für den Terror bietet.

Wer die vier Jahre amerikanischer Besatzungszeit im Irak mit Abstand betrachtet, stellt ein frustrierendes Maß an Einfallslosigkeit und Starre fest. Neben dem militärischen Hauptproblem - zu wenige Soldaten, zu viele Gewalttäter - fanden die USA nie eine Antwort auf das zentrale politische Dilemma: das Schisma zwischen Schiiten und Sunniten und damit die Unregierbarkeit eines Landes, das eigentlich auseinanderstrebt.

Irak; Petraeus

Schwierige Lage im Irak: Amerikanische Soldaten sichern eine belebte Straße nach einer Bombenexplosion (© Foto: AP (Archiv))

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Vier Jahre lang löste ein Plan den anderen ab, vier Jahre lang versprühte die Regierung von George W. Bush stoischen Optimismus, vier Jahre lang lebte sie hauptsächlich in der Erwartung, dass die Menschen die Segnungen der Post-Saddam-Zeit schon begreifen und zur Ruhe finden würden. Diese Erwartung trügt, und sie wird auch in Zukunft nicht erfüllt werden.

Auch General David Petraeus und Botschafter Ryan Crocker, die in dieser Phase der Besatzungszeit alle Aufmerksamkeit genießen, verändern die US-Politik nicht. Wieder geht es um mehr oder weniger Truppen, wieder geht es um die Politik der Zentralregierung. Die Aufregung im wahlkampffiebrigen Washington trügt: Im Petraeus-Bericht geht es nicht um den vollständigen Abzug. Im Gegenteil.

Kein sicherheitspolitischer Experte und auch kein seriöser Wahlkämpfer der Demokraten kann derzeit einen Sinn im vollständigen Rückzug der USA erkennen. Das würde keinen Gewinn an Sicherheit bringen. Also bringt Petraeus mit seiner Person lediglich ein paar Pfunde Glaubwürdigkeit ins Spiel und garantiert - sozusagen - militärische Deckung für die Politik des Präsidenten, der Amerikas Dilemma im Irak verantwortet, es aus eigener Kraft aber nicht mehr lösen kann. Petraeus' Mission besteht darin, Zeit zu gewinnen, bis Amerikas Politik wieder handlungsfähig ist.

George W. Bush ist ein Gefangener seiner Doktrin. Vor sechs Jahren, als sich der Staub über Manhattan legte und die Feuer im Pentagon gelöscht waren, verfestigte sich in der amerikanischen Regierung eine Entschlossenheit, die unauslöschbar mit diesem Präsidenten verbunden ist. Diese doktrinäre Schärfe galt im Kern der arabischen Welt und dem islamistischen Terror, in ihrer breiteren Auslegung aber aller Unfreiheit und Demokratiefeindlichkeit. Sie hat bis heute Bestand und verhindert bis zur Ablösung dieses Präsidenten durch einen Nachfolger, dass die USA einen tatsächlichen Strategiewechsel leisten können.

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