Am Fall Irak fällt seit der Invasion das Desinteresse der Weltgemeinschaft auf. Das ist angesichts der Vorgeschichte verständlich. Aber der Weltgemeinschaft darf es nicht gleichgültig sein, wenn das Land unregierbar bleibt und Nährboden für den Terror bietet.
Wer die vier Jahre amerikanischer Besatzungszeit im Irak mit Abstand betrachtet, stellt ein frustrierendes Maß an Einfallslosigkeit und Starre fest. Neben dem militärischen Hauptproblem - zu wenige Soldaten, zu viele Gewalttäter - fanden die USA nie eine Antwort auf das zentrale politische Dilemma: das Schisma zwischen Schiiten und Sunniten und damit die Unregierbarkeit eines Landes, das eigentlich auseinanderstrebt.
Schwierige Lage im Irak: Amerikanische Soldaten sichern eine belebte Straße nach einer Bombenexplosion (© Foto: AP (Archiv))
Anzeige
Vier Jahre lang löste ein Plan den anderen ab, vier Jahre lang versprühte die Regierung von George W. Bush stoischen Optimismus, vier Jahre lang lebte sie hauptsächlich in der Erwartung, dass die Menschen die Segnungen der Post-Saddam-Zeit schon begreifen und zur Ruhe finden würden. Diese Erwartung trügt, und sie wird auch in Zukunft nicht erfüllt werden.
Auch General David Petraeus und Botschafter Ryan Crocker, die in dieser Phase der Besatzungszeit alle Aufmerksamkeit genießen, verändern die US-Politik nicht. Wieder geht es um mehr oder weniger Truppen, wieder geht es um die Politik der Zentralregierung. Die Aufregung im wahlkampffiebrigen Washington trügt: Im Petraeus-Bericht geht es nicht um den vollständigen Abzug. Im Gegenteil.
Kein sicherheitspolitischer Experte und auch kein seriöser Wahlkämpfer der Demokraten kann derzeit einen Sinn im vollständigen Rückzug der USA erkennen. Das würde keinen Gewinn an Sicherheit bringen. Also bringt Petraeus mit seiner Person lediglich ein paar Pfunde Glaubwürdigkeit ins Spiel und garantiert - sozusagen - militärische Deckung für die Politik des Präsidenten, der Amerikas Dilemma im Irak verantwortet, es aus eigener Kraft aber nicht mehr lösen kann. Petraeus' Mission besteht darin, Zeit zu gewinnen, bis Amerikas Politik wieder handlungsfähig ist.
George W. Bush ist ein Gefangener seiner Doktrin. Vor sechs Jahren, als sich der Staub über Manhattan legte und die Feuer im Pentagon gelöscht waren, verfestigte sich in der amerikanischen Regierung eine Entschlossenheit, die unauslöschbar mit diesem Präsidenten verbunden ist. Diese doktrinäre Schärfe galt im Kern der arabischen Welt und dem islamistischen Terror, in ihrer breiteren Auslegung aber aller Unfreiheit und Demokratiefeindlichkeit. Sie hat bis heute Bestand und verhindert bis zur Ablösung dieses Präsidenten durch einen Nachfolger, dass die USA einen tatsächlichen Strategiewechsel leisten können.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Bergkirchweih in Erlangen
Ich hätte beinahe vergessen:
der Nationale Sicherheitsberater Iraks, Mowaffak al-Rubaie, sagte: "Wir schätzen es sehr hoch ein, welche Opfer unsere Freunde in der Koalition gebracht haben, die den Weg zu mehr Sicherheit und zum Sieg im Irak freigemacht haben."
So ganz stimmt das nicht.
Über 30 Nationen hatten Truppen zur Stabilisierung in den Irak geschickt und die UNO genehmigt das seit Jahren. Die meisten EU-Staaten sind auch dabei. Darüber hinaus wurden zweistellige-Mrd Hilfen festgelegt.
Das Militär würde von sich aus nie eingestehen,
dass mit seinen Mitteln die Probleme nicht gelöst werden können.
-------
Vielleicht ähnlich dem Hund eines Hirten,
der letzten Endes auch immer wieder von seinem Herrn
zurückgepfiffen werden muss,
weil er ohne Aufsicht immer überaktiv bleiben würde
und nur totalen Schaden anrichten würde.
Ich glaube nicht, daß "die" (nahezu alle) den Weg mittrotteln und Desinteresse besteht. Insofern hat Kornelius recht, unter diesem Präsidenten, unter dieser Administration gibt es keine Einsicht und damit keine änderung.
Es ist daher eher die Resignation und bei manchen Regierungen (auch unserer) wohl der bauernschlaue Pragmatismus, jetzt möglichst in Deckung zu bleiben, nicht an Aussagen von 2003 erinnert zu werden und auf bessere Zeiten zu hoffen. Leider sind wir (und das zunehmend) "mitgegangen, mitgefangen" und werden hoffentlich nicht....
Die UN sind die wohl einzig verbleibende, richtige Agentur wie Kornelius auch sagt, aber erst in einigen Jahren. Bis dahin bleibt nur Leid - auf allen Seiten.
Da verwechselt der Autor wohl die Strategie der Aroganz der Neo-Konservativen in den USA gegenüber der Welt und die daraus folgende Unwilligkeit der Welt diesem Führerbefehl zu gehorchen mit Desinteresse.
Für die Niederlage im Irak und Afghanistan (und noch einigen Ländern mehr) sind allein diese - und ihre hiesigen Nachbeter - verantwortlich. Der derzeitige Kurs - sowohl in den USA wie in Berlin - zeigt, dass der Weg in diese Niederlage konsequent, gegen den Willen der Bevölkerung, fortgesetzt wird.
Paging