Niemand weiß, wie loyal die Armee noch zum simbabwischen Präsidenten steht. Wenn nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse Chaos ausbricht, könnte es sein, dass Offiziere gegen Mugabe putschen.
Es ist gespenstisch still nach der Wahl. Nichts zu sehen von Gewalt in Simbabwe, wie sie früher regelmäßig die Welt schockierte. Viele werden sich noch erinnern an die Bilder, als wütende Schlägertrupps weiße Farmer vertrieben, als die Polizei den Oppositionsführer Morgan Tsvangirai blutig schlug. In diesen Tagen hält sich das Regime auffällig zurück. Kommt der große Knall noch? Oder fühlt sich Diktator Robert Mugabe seines erneuten Triumphes so sicher, dass er seine Prügelkommandos nicht braucht?
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Brisante Aufgabe: Wahlhelfer in Zimbabwe ermitteln das Ergebnis der Präsidentschaftswahl (© Foto: dpa)
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Highnoon in Harare: Noch nie war die Spannung so groß. Am Samstag haben die Bürger gewählt, Stunde für Stunde werden nun die Stimmen ausgezählt. Und der Präsident führt seine Bluthunde ganz eng an der Leine. Offenbar will er den Anschein erwecken, dass es doch fair und frei zugeht in seinem Reich; dass er gar nicht prügeln muss, um zu siegen.
Die Opposition war am Sonntag schon davon überzeugt, dass sie gewonnen hat. Doch es ist zu früh für Siegesschreie. In den Städten Harare und Bulawayo mögen Mugabes Gegner triumphieren; das ist nicht überraschend. Doch die Auszählung auf dem Land zieht sich hin. Und draußen, in den entlegenen Dörfern von Mashonaland, wurzelt Mugabes Macht. Dort wird die Wahl entschieden.
Tote Farmer auf der Wahlliste
Die Parteikommandos wissen, wie man Abstimmungen fälscht. Sie haben schon manipuliert und getrickst, bevor damit begonnen wurde, die Stimmen auszuzählen.
Wer als Präsident Polizisten in die Wahlkabinen schickt, um angeblich Analphabeten bei der Stimmabgabe zu helfen, der beweist, was er von demokratischen Spielregeln hält: nichts. Daran ändert die Heuchelei Mugabes nichts: er hat behauptet, er könnte gar nicht schlafen, wenn er ein Betrüger wäre.
Zum Beispiel die Wahlregister: Auf den Listen stehen Menschen, die seit Jahren tot sind. Sogar tote weiße Farmer sind darauf entdeckt worden, die Mugabe nun nutzen kann, um Stimmen für die Regierung zu sammeln. Welch Ironie! Das Regime hat die Weißen vertrieben, jetzt sollen sie als Phantomwähler noch einmal nützlich sein, um Mugabe zu retten.
Wird die Trickserei des Regimes ausreichen? Kann der alte Mann noch so viel fälschen, um sich über die 50-Prozent-Marke zu hieven und so der Stichwahl zu entgehen? Das Rennen ist schwer auszurechnen, weil die Regierungspartei Zanu-PF gespalten ist - und die Fälscherkommandos sind es vielleicht auch.
Das ist Simba Makoni zu verdanken, dem kühnen Rebellen aus dem Lager Mugabes. Er ist gegen den Präsidenten ins Rennen gegangen, und womöglich wird Makoni dem Regierungslager so viele Stimmen kosten, dass der andere Oppositionelle, Morgan Tsvangirai, triumphieren kann. Noch besser wäre es, wenn Makoni selber siegt. Er ist der bessere Mann, um das Land zu reformieren und die Gegner zu versöhnen.
Der Hüne Tsvangirai ist zwar mutig; doch die teils dilettantische, teils diktatorische Art, wie er seine Partei führt, weckt Zweifel an seiner politischen Statur.
Angst vor "kenianischen Verhältnissen"
Mugabe wird nicht so schnell aufgeben, er droht der Opposition, sie wie Putschisten zu behandeln, falls sie sich zu rasch zu endgültigen Siegern ausrufen. Und wehe, so warnt er, wenn die Massen auf die Straßen gehen. "Kenianische Verhältnisse" werde er nicht dulden. Doch das ist nur ein perfider Trick, um den Aufmarsch der Soldaten zu rechtfertigen. Mit Kenia hat Simbabwe wenig gemeinsam, zwar gibt es ethnische Differenzen, doch sie sind keine beherrschenden Faktoren im Kampf um die Macht.
Wenn die Gewalt eskaliert, dann nach einem anderen Muster: Die Staatsgewalt wird gegen die meuternde Zivilgesellschaft vorrücken. Das kann blutig werden, das kann aber auch Mugabes Herrschaft den Todesstoß versetzen.
Niemand weiß, wie loyal die Armee noch zum Präsidenten steht. Wenn Chaos ausbricht, könnte es sein, dass Offiziere gegen Mugabe putschen. Highnoon in Harare. Und so vieles ist möglich.
- Simbabwe Allein im Land der Nullen 28.03.2008
- Wahlen in Simbabwe Zögerliche Bekanntgabe der Ergebnisse 31.03.2008
(SZ vom 31.03.2008/schä)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Es ist weitgehend richtig, was Sie sagen.
Mit wenigen Sätzen kann Vieles nicht so ausführlich dargestellt werden, aber im Wechsel kann sich doch eine gemeinsame Sicht erreichen lassen.
Die Sanktionen sind nur ein Mosaikstein der Politik gegenüber Simbabwe.
Es ist die postkoloniale, hochmütige, besserwisserische Art, die sich in den Äußerungen von Frau Wieczorek-Zeul oder der Bundeskanzlerin Merkel auf dem EU - Afrika - Gipfel manifestiert.
Solche "Diplomatie" hilft den Menschen in Simbabwe überhaupt nicht und verschlechtert die Lage der wenigen Deutschen dort.
Mein Kompliment für Ihren Beitrag.
Leider liest man solch kluge, unaufgeregte Kommentare in diesem Forum viel zu selten.
Was die Folgen der Landreform betrifft teile ich uneingeschränkt Ihre Meinung.
So, genug geschleimt!
Die Regierung von Robert Mugabe hat die ersten zwanzig Jahre ihrer Herrschaft eine Wirtschaftspolitik betrieben, die die ökonomischen Möglichkeiten des Landes gut genutzt hat. Erst als Mugabe nach einer Niederlage beim Verfassungsreferendum im Jahr 2000 um sein politisches Überleben zu kämpfen hatte wurde die Vertreibungskampagne gegen weiße Farmer eingeleitet. Dadurch wurde die Landwirtschaft so weit zurückgeworfen, dass die auf deren Exporterzeugnissen beruhende Wirtschaft weitgehend zusammenbrach. Heute ist die Lage der Menschen schlechter als vor den Reformen, auch die Lebensmittelversorgung. Die Vertreibungen betrafen auch schwarze Landarbeiter der Farmer und die für die Kampagne geschaffenen Schlägertrupps wurden in der Folgezeit auch gegen die Opposition eingesetzt. Insgesamt wurde kein koloniales Unrecht beseitigt, sondern nur ein neuer Despotismus geschaffen.
Die EU-Sanktionen haben mit Simbabwes Problemen wenig zu tun, da sie in erster Linie aus Reisebeschränkungen für Vertreter des Regimes, dem Einfrieren von deren Konten und einem Waffenembargo sowie der Zurückhaltung von Hilfen, deren zweckentsprechende Verwendung nicht gesichert ist, bestehen. Schon der Zeitpunkt der Einleitung der Landreform sagt über die wahren Motive von Mugabes Politik einiges aus. Dass praktisch keine Anstrengungen unternommen wurden den auf dem enteigneten Land angesiedelten Menschen das nötige Know-how zu vermitteln, um ihren neuen Besitz zu bewirtschaften, spricht ebenfalls für sich, das wurde ja auch schon von anderen Kommentatoren angesprochen.
Die Operation Murambatsvina ("Müllentsorgung"), in der Slums in mehreren Städten zerstört wurden, haben sie ja bereits erwähnt. Da in diesen Vierteln überwiegend Anhänger die Opposition lebten, die so teilweise zur Rückkehr in ländliche Gebiete gezwungen werden konnten, hatte sich die Fähigkeit der Opposition zur Veranstaltung von Massendemonstrationen in den Bevölkerungszentren zunächst verringert.
Es bleibt nur zu hoffen, dass durch die Spaltung der ZANU-PF zwischen Mugabe und Makoni und die wirtschaftlich bedingte Unzufriedenheit auch von früheren Anhängern der ZANU-PF eine Wahlfälschung keinen Erfolg haben wird.
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Die ausgebliebene Landreform wurde durch die britischen Regierungen verursacht. Simbabwe forderte, dass GB die Farmer entschädigen solle; Generationen von Briten hatten ja auch die Erträge aus den Ländereien gehabt.
GB betrachtete sich aber (praktisch) weiterhin als Kolonialmacht und hat Verhandlungen darüber hintertrieben.
Statt dessen hat GB die USA und die EU auf seine Sichtweise eingeschworen und Sanktionen gegen Simbabwe durchgedrückt.
Natürlich muss man Mugabe nicht als lupenreinen Demokraten ansehen, aber Kolonialismus lässt sich auch nicht so ohne weiteres gewaltlos beseitigen.
Viele der so hoch gelobten Farmer bauten übrigens Tabak, Paprika und Schnittblumen an, was sie gewinnbringend nach Europa verkauften. Dagegen wäre nichts einzuwenden, solange die Versorgung der Bevölkerung mit dem Hauptnahrungsmittel Mais gesichert worden wäre. Dem war aber nicht immer so. Dass durch Korruption völlig ungeeignete Neusiedler die Ländereien übernahmen, ist leider eine Tatsache.
Es gibt auch nichts zu rechtfertigen, wenn den Ärmsten der Armen die Hütten niedergerissen werden, aber - ob es andere Regierende anders machen würden, darf schon bezweifelt werden.
Eine positive Meldung bliebe noch, zumindest aus deutscher Sicht:
Mugabe hat die Großdruckerei Giesecke & Devrient in München mit gigantischen Druckaufträgen versehen. Jede Woche werden 432.000 Geldnotenbögen nach Harare geflogen, um die dortige Hyperinflation anzuheizen.
Irgendjemand muss ja schließlich auch daran verdienen, warum nicht wir ach so moralischen Deutschen.
Paging