Silvio Berlusconi unter Druck "Hau ab, Du bist am Ende!"

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi versichert auf seiner Facebook-Seite, dass er trotz der Regierungskrise nicht vorhabe, zurückzutreten. Die italienische Facebook-Gemeinde ist davon wenig begeistert - und überschüttet den Premier mit Protest-Kommentaren.

Scheitern in Social Media: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wollte über seine offizielle Facebook-Seite sämtlichen Gerüchten ein Ende setzen und seine Anhänger beruhigen. Doch statt nationaler Erleichterung schlägt ihm nun der kollektive Zorn der Facebook-Nutzer entgegen.

"Gerüchte über meinen Rücktritt entbehren jeglicher Grundlage" verkündete der Ministerpräsident des hochverschuldeten Landes - und löste damit eine Flut an Kommentaren aus. Zwei Stunden nachdem das Statement gepostet wurde, fanden sich bereits 2200 Kommentare unter dem Post.

"VERSCHWINDE ENDLICH!!" steht dort - und das in den verschiedensten Formulierungen. "Bereite Dein Flugzeug nach Antigua vor und befreie endlich unser armes Land und alle seine Bürger - auch die unglücklichen, die Dir jahrelang geglaubt haben, während Du nur Deine eigenen Interessen verfolgt hast", schreibt ein User, ein anderer fordert in Großbuchstaben "HAU AB, DU BIST AM ENDE!" Und das sind noch die freundlicheren Kommentare, an derben Kraftausdrücken mangelt es auf der Berlusconi-Seite nicht.

Während Berlusconi Berichte über seinen bevorstehenden Rücktritt als gegenstandslos zurückwies, erklärten zwei Vertraute des Regierungschef, die Demission Berlusconis sei nur noch eine Frage der Zeit. Selbst Innenminister Roberto Maroni vom Koalitionspartner Lega Nord äußerte sich kurz vor einer für Dienstag angesetzten Haushaltsabstimmung im Parlament skeptisch, dass die Regierung noch eine Mehrheit habe.

Nach einer nächtlichen Krisensitzung hinter verschlossenen Türen mit seinem Vertrauten Gianni Letta und seinem Parteichef Angelino Alfano kehrte der umstrittene italienische Regierungschef am Montagmorgen Rom und dem Parlament erst mal den Rücken, um sich bis zum Abend nach Mailand zurückzuziehen. "Eine Atempause", urteilten italienische Medien vor der für Dienstag erwarteten Feuerprobe. So sollte die Abgeordnetenkammer erneut über den bereits einmal durchgefallenen Rechenschaftsbericht 2010 abstimmen. Eine Niederlage Berlusconis würde nach Ansicht von Beobachtern den sofortigen Sturz der Regierung bedeuten.

Die Berlusconi nahestehenden Publizisten Giuliano Ferrara und Franco Bechis sprachen bereits vom bevorstehenden Rücktritt des Premiers. "Es ist eine Frage von Stunden, manche sagen von Minuten", erklärte Ex-Minister Ferrara, der jetzt Chefredakteur der Zeitung Foglio ist. Bechis von der Zeitung Libero äußerte ebenfalls auf Twitter die Erwartung, dass Berlusconi am Montagabend oder Dienstagmorgen zurücktreten werde.

Die italienischen Facebook-Nutzer sehen das ähnlich. "Du wirst nicht einmal mehr bis Sonntag durchhalten", kommentiert ein User Berlusconis Statement, ein anderer hört die Uhr bereits ticken: "TIC TAC TIC TAC TIC TAC".

Nahezu verzweifelt versuchen ein paar Berlusconi-Anhänger, gegen den Sturm an Schmähungen anzuschreiben: "Für Silvio Berlusconi: Es gibt nur einen Arbeitsauftrag ... Siegen!!!! ... und wir werden siegen!!!!" schreibt User Giuseppe, ein Giovanni versichert Berlusconi: "Bleiben Sie stark Präsident, wir sind an Ihrer Seite, überlassen Sie uns nicht diesen Verrätern".

Die Ungewissheit über die Zukunft der italienischen Regierung sorgte für ein Auf und Ab an den Börsen. Nach der Ankündigung Berlusconis, im Amt zu bleiben, stieg die Rendite für italienische Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. An der Mailänder Börse gingen die Aktienkurse wieder nach unten. Sie waren in Erwartung des Rücktritts um 2,3 Prozent in die Höhe geschossen und machten vorherige Verluste wieder wett.

Facebook-Nutzer Daniele appelliert deshalb an den angeschlagenen Regierungschef: "Schau Dir die Reaktionen der Börse an und die Kommentare unter diesem Post. Denk an Dein Land."

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