Siedler in Israel Armee räumt Gebäude mit Gewalt

Erst hat die israelische Armee ein von jüdischen Siedlern besetztes Gebäude in Hebron zwangsgeräumt, dann wurden aus Rache Palästinenser angegriffen.

In einem Überraschungseinsatz hat die israelische Armee ein von jüdischen Siedlern besetztes Gebäude in Hebron gestürmt. Das israelische Fernsehen zeigte Bilder von mehreren Dutzend bewaffneten Einsatzkräften mit Schutzausrüstung und Schlagstöcken, die in das umstrittene Haus im Westjordanland eindrangen und Siedler herausführten oder -trugen. Nach Angaben von Sanitätern gab es mindestens 25 Verletzte auf beiden Seiten.

Viele Siedler wehrten sich gegen die Räumung

(Foto: Foto: AP)

Aus Rache gegen die Zwangsräumung kam es daraufhin am Abend zu Angriffen von Siedlern auf Palästinenser. Ein palästinensisches Haus sowie mindestens 15 Autos wurden laut israelischen Medien bei den Übergriffen angezündet. Zwei Palästinenser erlitten schwere Schussverletzungen.

Aus Angst vor Krawallen wurde Hebron zum militärischen Sperrgebiet erklärt. In der geteilten Stadt leben 800 radikale Siedler unter rund 200.000 Palästinensern.

Verteidigungsminister Ehud Barak hatte die Räumung des Hauses in Hebron am frühen Donnerstag nach einem Gespräch mit Siedlerführern in Tel Aviv angekündigt. Es war jedoch nicht unmittelbar damit gerechnet worden. Nach israelischen Medienberichten überraschten die hereinstürmenden Einsatzkräfte die Siedler beim Mittagessen.

Der Einsatz galt als schwierig, weil sich mehr als hundert radikale Siedler in dem Gebäude verbarrikadiert hatten, das auch von Palästinensern beansprucht wird. Barak erklärte am Abend, es habe keine andere Wahl als die Räumung gegeben. Die Fähigkeit des Staates, Gesetze umzusetzen, sei auf die Probe gestellt worden.

Hingegen warfen Siedlerführer der Regierung "brutale Verfolgung" vor. Das umstrittene Gebäude soll solange unter Aufsicht der Armee gestellt werden, bis ein Gericht den Streit über die Besitzansprüche geklärt hat. In dem Haus leben seit März 2007 mehrere jüdische Siedlerfamilien. Der ursprüngliche palästinensische Besitzer bestreitet jedoch ihre Angaben, er habe ihnen das Gebäude rechtmäßig verkauft.

Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse hatte das Oberste Gericht im November die Räumung angeordnet. In den vergangenen Tagen war es wegen des Streits um das Haus zu schweren Konfrontationen zwischen den Siedlern und palästinensischen Einwohnern des Viertels gekommen. Israel gestattete am Donnerstag zum vierten Mal in einem Monat die Lieferung einer begrenzten Menge von Hilfsgütern in den abgeriegelten Gazastreifen.

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Wirtschaftsbehörde in Gaza handelt es sich um 40 Lastwagen mit Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung. Zudem wurde durch den Übergang Nachal Oz eine halbe Million Liter Treibstoff für das Kraftwerk in Gaza geliefert, wie die palästinensische Grenzbehörde mitteilte. Israel erlaubte unterdessen nach einer fast einmonatigen Sperre wieder die Einreise ausländischer Journalisten in den Gazastreifen.

Das Einreiseverbot hatte Proteste internationaler Medienorganisationen und israelischer Menschenrechtsgruppen ausgelöst. Die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Israel warf der Regierung Verletzung der Pressefreiheit vor und reichte beim Obersten Gericht Beschwerde ein.

Wegen des fortwährenden Raketenbeschusses hat Israel die rund 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen seit dem 5. November nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Israel will die militanten Palästinensergruppen mit der Blockade zwingen, den Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebietes einzustellen.