Ein Nacktscanner soll künftig alle Fluggäste ihrer Hüllen berauben. Diese Idee erinnert an pubertäre Phantasien und verletzt Menschenwürde quasi am Fließband.
Auf dem Flughafen ist der Mensch künftig nackt; aus Gründen der Sicherheit sollen alle Hüllen fallen. Es reicht also nicht mehr, dass der Fluggast die Jacke auszieht, den Gürtel öffnet, den Schal ablegt. Es reicht nicht mehr, wenn er den Hals freimacht, den Schmuck ins Körbchen legt, die Schuhe abstreift. Es genügt nicht mehr, dass er sich in aller Öffentlichkeit von oben bis unten betasten lässt.
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An einigen Flughäfen passieren die Passagiere bereits in dieser Form die Sicherheitsschleusen. (© Foto: AFP)
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Es reicht auch nicht aus, dass er seine Körperpflegeartikel in einem durchsichtigen Plastiksäckchen aufs Band legt. Künftig macht der Staat den Fluggast selbst durchsichtig: Er stellt ihn vor einen sogenannten Nacktscanner. Der leuchtet durch die Textilien und zeigt die Menschen ohne Kleidung - Genitalien inklusive.
Diese Inquisition der Fluggäste soll als eine Art Reihenuntersuchung zulässig sein, und zwar nicht nur bei den Fluggästen, bei denen ein Detektor piepst, sondern bei allen. So will es die EU-Kommission: Sie hat den Mitgliedstaaten die elektronischen Entkleidungsaktionen erlaubt, als handele es sich um einen harmlosen technischen Vorgang.
Auf einigen ausländischen Flughäfen sind die Entkleidungsgerätschaften schon im Einsatz. Mit diesem Nacktscanner erinnern die Sicherheitsfanatiker an pubertäre Phantasien von Jugendlichen. Der Einsatz steht für die Veralltäglichung einer Perversion des Sicherheitsdenkens. Er führt zur Entwürdigung der Menschen.
Die Hauptlüge der inneren Sicherheit lautet: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Mit diesem Satz haben Politiker in ganz Europa jede neue Sicherheitsmaßnahme, jedes neue Sicherheitsgesetz begründet: die staatliche Registrierung der Telefon- und Internetdaten, das heimliche Abhören der Wohnungen mit Wanzen, die vorbeugende Telefonüberwachung, die Speicherung von klassischen und digitalen Fingerabdrücken, die Videoüberwachung, die Visitation von Bankkonten durch Geheimdienste.
Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten? Nun entlarvt sich dieser Satz vor aller Augen. Auch der, der nichts zu verbergen hat, muss sich dem Sicherheitspersonal nackt präsentieren. Wer fliegen will, darf kein Schamgefühl mehr haben. Man muss der EU-Kommission dankbar sein: Die Billigung des Nacktscanners zeigt, wohin ein Sicherheitsdenken führt, das zum Wahn geworden ist: zum Ende der Privatheit.
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FKK-Slackliner Alexander Schulz
Bemerkenswert ist außerdem, dass in der gesamten Diskussion der krasse Sparkurs bei der Flughafensicherheit außer Acht gelassen wird.
Um Geld zu sparen, zu sparen und nochmals zu sparen werden die Personenkontrollen nicht mehr vom Bundesgrenzschutz respektive Bundespolizei vorgenommen, sondern oft von privatem Sicherheitspersonal.
Wer erinnert sich noch an die Monate nach 9/11, in denen Journalisten mit versteckter Kamera mit Waffen am Körper bequem in ein Flugzeug oder in den Sicherheitsbereich spazieren konnten?
Ordentliche Sicherheitskontrollen mit zahlenmäßig ausreichendem, gut geschultem und anständig bezahltem Personal könnte gute Arbeit leisten.
Um Geld zu sparen, werden aber lieber die Leute zu Lasten Art.1 GG nackig gemacht.
...wird es nie geben. Aber was wir dadurch erreichen ist grosses Gelächter im Lager von Bin Laden und Co. Unter dem Deckmantel der Anti-Terror Bekämpfung schlucken wir alles, denn es ist ja für unser Wohl. Wo sind die Bürger die sich damals bei der Volksbefragung so vehement gewehrt haben. Was "unser" Staat jetzt mit uns macht überholt selbst die perfidesten Stasi Methoden. Aber es bleibt nur der kleine Protest im SZ Leserforum. Die Mehrheit der Bürger wird das und noch viel mehr (was kommen wird) schlucken - sie werden sich entblössen, bespitzeln und abhören lassen. Alles für den vermeintlichen Schutz gegen den Terror. Brav.
Herr Prantl hat meiner Meinung nach schön herausgearbeitet, worum es wirklich geht: Der Nacktscanner ist sozusagen der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt: Die ganzen Sicherheitsmaßnahmen, die aufbauend auf der Rasterfahndung jeden verdächtigt, der seine Unschuld nicht beweisen kann, schaffen 1. eine Datenflut, die kaum zu beherrschen ist, und sind 2. leicht von den Terroristen zu umgehen. Sie schaffen keine zusätzliche Sicherheit, aber beeinträchtigen den Bürger in seiner Freiheit - und sei es, dass er Einschränkungen hinnehmen muss, was er als Bordgepäck mitnehmen kann, oder welche Schuhe er zum Fliegen anzieht (Stiefel gehen grundsätzlich nicht).
Man darf sich doch nichts vormachen: Ein Anschlag auf irgendeinen Bus oder Zug oder Flughafen oder Weihnachtsmarkt oder Kirmes oder oder oder lässt sich nicht durch Vor-Ort-Kontrolle verhindern, sondern nur im Vorfeld.
Schöne deutsche Diskussion
Ich jedenfalls lasse mich lieber wie ein trolley durchleuchten, als von dem "freundichen" Personal befummeln. Ich verstehe nicht, warum dieser einfache technische Vorgang soviel Ängste weckt, die reale Gefahr des Massenflugverkehrs wird der erschrockenen Menschschar wohl erst wieder bei der nächten Entführung bewußt.
Viel Spaß beim nächsten check-in !
Unsere Geschichte lehrt, dass die Gefahr vom Staat ausgeht (Kaiserreich, Nazis, SED) und dennoch will die Mehrheit der Menschen in diesem Land den "starken" Staat.
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Folter und Lager wieder eingeführt werden und die Grundrechte abgeschafft sind.
Wählt nur weiter so, denn nur die dümmsten Kälber wählen Ihre Metzger selber.
Paging