Sicherheitsdebatte: Nacktscanner Nur keine Panik

Die Bürger sind, datentechnisch gesehen, schon heute recht entblößt. Vor Nacktscannern müssen sie sich weniger fürchten als vor der Informationsgier der Sicherheitsdienste.

Ein Kommentar von Susanne Höll

Vermutlich werden in Deutschland in diesem, vielleicht erst im nächsten Jahr Flugpassagiere mit Hilfe von Körperscannern durchleuchtet. Die öffentliche Empörung über Verletzungen der Intimsphäre dürfte dann verklungen sein. Jedenfalls dann, wenn die neuen Geräte keine Nacktbilder liefern, sondern lediglich graphische Darstellungen des Körpers. Weder die Gesichter, nicht einmal das Geschlecht der Reisenden seien erkennbar, verheißt die Industrie. Wenn sie ihr Versprechen hält und die Scanner auch für Vielflieger keine gesundheitliche Belastungen bringen, wäre gegen diese Technik nichts einzuwenden, zumindest nicht aus moralisch-ethischer Sicht.

Nach dem vereitelten Terroranschlag von Detroit ist die Körperscanner-Debatte in vollem Gange.

(Foto: Foto: ddp)

Ob die Geräte den internationalen Terrorismus tatsächlich eingrenzen können, darf aber bezweifelt werden. Denn potentielle Attentäter und Terror-Gruppen werden nach neuen Wegen suchen, um Waffen und Sprengstoff an Bord einer Maschine zu schmuggeln. Die Erfahrung spricht dafür, dass sie diese Wege auch finden werden. Und wie wollen wir in Zukunft Züge und U-Bahnen vor Anschlägen schützen? Kein Mensch wird ernsthaft vorschlagen wollen, jeden Pendler im morgendlichen Berufsverkehr durch eine Strahlen-Schleuse zu lotsen.

Die Debatte über die Körperscanner lenkt zudem ab von der eigentlichen Gefahr des Anti-Terror-Kampfes - der Datensammelwut der Sicherheitsbehörden nämlich. Nach dem gescheiterten Anschlag auf das US-Flugzeug an Weihnachten gibt es den Ruf, noch mehr Material weltweit auszutauschen. Die Bürger sind, datentechnisch gesehen, schon jetzt ziemlich entblößt. Vor Nacktscannern jedenfalls müssen sie sich weniger fürchten als vor der Informationsgier der Sicherheitsdienste.