Sexismus-Vorwurf bei der FDP Gewählt wird, wer gut aussieht

Die FDP will nur attraktive Frauen auf ihren Wahlplakaten. Aber Sexismus ist kein alleiniges Problem dieser Partei. Noch immer werden Politikerinnen vielfach auf ihr Aussehen reduziert - und damit marginalisiert.

Ein Kommentar von Mirjam Hauck

Die FDP will nur gutaussehende Frauen auf ihren Wahlplakaten sehen. Es zähle das Motto "Sex sells", sagt die Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen, Doris Buchholz, in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Bekam ein eigenes Wahlplakat:Hamburgs FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding bei der  Bürgerschaftswahl 2011

(Foto: dpa)

Buchholz ist noch Mitglied in der Partei, ausgetreten ist dagegen die Wiesbadener Stadverordnete und stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen, Brigitta Pöpel. Ihr Vorwurf: "In dieser von jungen männlichen Karrieristen dominierten Fraktion ist ein frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel, nicht die Ausnahme".

Es ist erstaunlich: 50 (!) Jahre nach dem Buch der amerikanischen Autorin Betty Friedans "Der Weiblichkeitswahn", das den weiblichen Zwang zur Attraktivität als diskrimierend entlarvt, sollen FDP-Frauen immer noch vor allem schön und sexy sein, um von Männern akzeptiert zu werden. In diesem Falle, um überhaupt gewählt werden zu können.

Angela Merkels Frisur und Claudia Roths Haarfarbe

Doch Sexismus und Chauvinismus sind kein alleiniges Problem der FDP-Fraktion. Politik, Medien und die Öffentlichkeit, also auch wir, machen hier eifrig mit. Denn wer kennt sie nicht, die Sprüche und Witze über Angela Merkels Frisur oder Claudia Roths Haarfarbe auf der einen, und die Komplimente an Sahra Wagenknecht und Manuela Schwesig auf der anderen Seite.

In Interviews wird das Äußere von Sahra Wagenknecht als "hübsch, exotisch, irgendwie besonders" beschrieben, Schwesig, wissen die Kollegen vom Spiegel ist blond, akkurat geschminkt, hübsch, charmant. Das Aussehen von Politikerinnen ist anders als bei ihren männlichen Kollegen immer ein Thema.

Das Äußere von Männern wird dagegen nur wahrgenommen und in den Medien thematisiert, wenn es extrem auffällig ist - wie etwa beim Schnauzbart tragenden bayerischen Landespolitiker Bernd Posselt oder bei Karl Thedor zu Guttenberg, dessen Frisur ebenfalls zum Dauerthema avancierte. Beide sind aber eher die Ausnahme.

Politikerinnen müssen sich dagegen ständig damit auseinander setzen, dass ihr Aussehen im Fokus steht. Selbst bei eigentlich machtbewussten Volksvertreterinnen wie Schwesig oder Wagenknecht sind es erst die weiblichen Reize, die es ihnen möglich machen, in der Öffentlichkeit, in den Medien und bei den männlichen Kollegen in der eigenen Partei zu punkten. Auch 2012 bleiben Frauen weiterhin lediglich das "schöne Geschlecht".