Serie "Deutscher Herbst" Im Weidenkorb nach Den Haag

Die Fahndung nach den RAF Terroristen wirkt sich auf die gesamte Bundesrepublik aus. Polizeibeamte überprüfen am 27. Oktober 1977 im Rahmen einer Großfahndung nach Terroristen im Bahnhof Hamburg-Dammtor.

(Foto: dpa)

Heute vor 40 Jahren: Sie müssen weg, ahnen die Schleyer-Entführer. Die Verhandlungen mit Bonn dauern zu lange, die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Doch die RAF ist für den Notfall vorbereitet.

Von Robert Probst
SZ-Serie "Deutscher Herbst"

Vor 40 Jahren stand die Bundesrepublik vor ihrer bislang größten Herausforderung. Die Rote Armee Fraktion (RAF), die im April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback und im Juli den Bankier Jürgen Ponto ermordet hatte, entführte den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Ziel war es, die RAF-Anführer und andere Kampfgenossen aus den Gefängnissen freizupressen. Die SZ dokumentiert die dramatischen Tage der Schleyer-Entführung vom 5. September bis zum 19. Oktober, für die sich der Begriff "Deutscher Herbst" eingeprägt hat. Hinzu kommen politische Einschätzungen von damals und heute sowie neue Erkenntnisse der Zeitgeschichte. Die bisher erschienenen Folgen im Überblick.

Tag 12: Freitag, 16.September. Monopoly in der Gefangenschaft

Das BKA und die Entführer tauschen Botschaften über den Genfer Anwalt Denis Payot aus. Das BKA fordert ein neues Lebenszeichen von Schleyer, die Entführer wollen wissen, wie die Verhandlungen mit den potentiellen Aufnahmeländern für die elf Terroristen, die aus der Haft freigepresst werden sollen, vorangehen. Sie vermuten Verzögerungen "wegen der mangelnden Anstrengungen seitens der Bundesregierung". Das BKA antwortet lapidar: "Kontakte auf Ministerebene".

Am 15. oder spätestens am 16. September wird den Terroristen das Versteck in Erftstadt-Liblar zu heiß. Sie haben nicht mit einer derart langen Dauer der Entführung und einer so harten Haltung der Bundesregierung gerechnet.

Einige der Entführer sind mit ihrem Opfer schon ins Plaudern gekommen, einmal wird offenbar auch Monopoly gespielt - und der "Oberkapitalist" Schleyer soll dabei gegen die doch angeblich kommunistische Bewacherin Angelika Speitel verloren haben.

"Deutscher Herbst"

Quellen und Literatur zur SZ-Serie über den RAF-Terrorismus 1977. Zur Übersicht

Doch für den Notfall hat die RAF eine zweite Unterkunft vorbereitet - in Den Haag. In aller Eile wird die Wohnung in einem dreigeschossigen Einfamilienhaus in der Stevinstraat 266 möbliert. Hanns Martin Schleyer muss sich in einen großen Weidenkorb zwängen, darin wird er in die Tiefgarage verfrachtet und in einem Kombi bei Aachen über die Grenze gefahren.

Ohne Zwischenfälle wird er in seine neue Zelle in den Niederlanden gebracht. "Umtopfen" nennen die Entführer das. Dort wird er wie zuvor rund um die Uhr von mindestens einem RAF-Mitglied bewacht.

Die Serie erschien in einer ersten Version 2007 - und wurde für die Neuveröffentlichung leicht überarbeitet und erweitert. Die Rechtschreibung in Zitaten entspricht der Schreibweise der damaligen Zeit.

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