Arme Eltern - keine Chancen: Allzu oft geht die simple Gleichung leider auf. Wie Hauptschüler in Deutschland damit umgehen, dass ihr Weg ins Elend schon mit dem ersten Schultag beginnt.
Die Hälfte der Plätze in der Schulmensa ist leer, weil nur Kinder aus bessergestellten Elternhäusern sich das Mittagessen an der Ganztagsschule leisten können. Schüler aus Hartz-IV-Haushalten sitzen nebenan und überbrücken die Mittagspause mit Schokoriegel statt Schnitzel.
Kinderarmut: 1,9 Millionen Kinder leben in Hartz-IV-Haushalten. Ihre Eltern bekommen für sie am Tag 6,80 Euro, die für Essen, Bücher und Garderobe reichen müssen. (© Foto: dpa)
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Dieses Bild von hungernden Kindern, deren Eltern zu wenig Geld für das Mittagessen ihrer Kinder haben, bestimmte in den vergangenen Wochen die öffentliche Diskussion - ein Armutszeugnis für ein reiches Land.
Auch die Münchner Hauptschule an der Fürstenrieder Straße bietet für ihre Ganztagsschüler ein Mittagessen an. Auch hier ist die Mensa nur halbvoll - aber nur deshalb, weil heute die achte Klasse einen Ausflug unternimmt und die neunte beim Bewerbungstraining ist. Es gibt Nudelsuppe, Canelloni mit Käse überbacken und zum Nachtisch Melone und Pfirsich.
3,75 Euro für ein Mittagessen
"Mmh, lecker", sagt Feven aus der fünften Klasse und wischt mit dem Zeigefinger den Rest der roten Sauce von ihrem Teller, bevor Klassenkameraden das Geschirr zusammenräumen. Hier kümmern sich die Kinder selbst darum, dass die Tische gedeckt und nach der Mittagspause sauber gemacht werden. "Jeder hat mal Küchendienst", erklärt die Zwölfjährige. "Das ist das Einzige, was am Mittagessen hier nicht so toll ist."
Die Eltern der Hauptschüler können sich bei der Anmeldung entscheiden, ob sie ihr Kind auf den Ganztagszweig inklusive Mittagessen schicken möchten oder nicht. Direktor Heinrich Skiba hat doppelt so viel Anmeldungen, wie Plätze zu vergeben sind - obwohl er vermutet, dass viele Eltern, die ihr Kind gern in der Ganztagsschule sehen würden, die Anmeldung wegen der Kosten scheuen.
1500 Euro Schulden
Das Mittagessen, das ein Catering-Unternehmen jeden Tag frisch anliefert, kostet hier 3,75 Euro. Das ist immer noch zu viel für einige Eltern. "Im Moment stehen wir beim Caterer mit 1500 Euro in der Kreide", sagt Skiba. "Doch das kriegen wir über Benefizveranstaltungen irgendwie schon rein." Die Rotarier engagieren sich für die Hauptschule, auch mit dem Lions Club ist der Direktor im Gespräch. Im vergangenen Jahr hat er ein Benefizkonzert mit einem der Jungen Tenöre organisiert, so dass er das Schuljahr nicht mit Schulden abschließen musste. Nur weil die Eltern das Essen nicht bezahlen können, hat er noch kein Kind aus der Ganztagsklasse hinauswerfen müssen. "Wir wollen keinen Schüler stigmatisieren. Und würden sie nicht auf die Ganztagsschule gehen, würden viele Kinder auf der Straße rumhängen." Entweder, weil die Eltern sich nicht kümmern, oder weil sie damit beschäftigt sind, die hohen Lebenshaltungskosten Münchens zu verdienen.
Skiba hat eine typische Hauptschul-Klientel: Über 65 Prozent seiner Schüler sind Ausländer, die mit der deutschen Sprache Schwierigkeiten haben. Viele Kinder kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen, in denen das einzige Einkommen aus der Hartz-IV-Überweisung der Agentur für Arbeit bestritten wird. Und als Hauptschüler, das ist vielen schon in der fünften Klasse klar, werden sie von der Zahlung auch später oft genug abhängig bleiben. Auf die Frage, was sie einmal machen wollen, hat Skiba schon öfter zu hören bekommen: "Ich? Ich mach später mal Hartz IV."
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Stockender Kita-Ausbau
Hatte man damals einen Beruf erlernt, konnte man als Familienvater die Familie ernähren und war gegen Armut mehr oder weniger abgesichert.
In Zeiten der sogen. Weltwirtschaftskrise droht fast jedem ein sozialer Abstieg. Nicht einmal ein abgeschlossenes Studium bewahrt vor diesem Horrorszenario.
Aber oft sind es aber auch die Kommunen selbst, die diese Armutsviertel noch fördern, indem Migranten und sozial schwächere Bürger in bestimmten Gegenden regelrecht zusammengeballt werden.
Zur Abschwächung werden sogenannte "Normalbürger" angesiedelt, in der Hoffnung, damit das Abkippen ganzer Stadtviertel zu stoppen.
Also nicht Armut nach und nach, sondern gleich Armut von Anfang an durch Fehlbelegung und unverantwortliche Planungen. Man verschliesst davor die Augen und lässt Ghettos entstehen, frei nach dem Motto, "es wird alles wieder gut".
Aber wichtig ist es, das Übel "Armut" an der Wurzel zu packen. Anreize für die Jugend durch Fleiß und ein richtiges Schulsystem (das Schülern hilft sich zu entwickeln ohne nur Steine in den weiteren Lebensweg zu rollen) zu schaffen, Eltern mehr in die Pflicht zu nehmen und Bildung durch gezielte Maßnahmen zu fördern anstatt nur zu fordern.
Es muß auch wieder mehr soziale Verantwortung in Gesellschaft, Politik und Firmen geschaffen werden. Während z.B. bei Karstadt und Hertie Köpfe bei Kleinverdienern rollen, gehen Manager - trotz fehlender Eigenleistung - mit königlichen Abfindungen in die unverdiente Sommerpause.
Und dann noch die allgemeine Preisentwicklung, zu hohe Mieten, Lebenshaltungskosten, zu viel Steuern und Abgaben, da bleibt "Otto-Normalverdiener" kaum noch Spielraum den Kindern eine gute Erziehung zu bieten.
Warum lernen, wenn später sowieso nur die Arbeitslosigkeit winkt?
Dieser Denkweise kann nicht durch leere Versprechen und Tatenlosigkeit begegnet werden. Hier sind wir alle gefragt, geben wir unserer Jugend - aber auch allen älteren Menschen - die faire Chance durch Lernen, Fleiß und Beschäftigung ein menschenwürdiges Leben führen zu können.
"Schüler aus Hartz-IV-Haushalten sitzen nebenan und überbrücken die Mittagspause mit Schokoriegel statt Schnitzel."
Sie entschuldigen meine wohl etwas sarkastische Frage, aber: Wäre denn ein normales Pausenbrot für die Kinder nicht
a. gesünder und
b. immer noch günstiger als ein Schokoriegel?
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In der Praxis sieht das viel schlimmer aus.
Beispiel: Da werden schon einmal Kinder von der Essensausgabe weggescheucht, weil sie bzw. ihre Eltern sowieso kein Geld haben.Die Eltern selber, sind überwiegend unverschuldet in Not geraten, nicht wie kommuniziert selbstverschuldet.
Die Kinder werden systematisch demoralisiert, damit sie ihr Los auch annehmen.
Private Initiativen werden durch die lokalen Behörden teilweise pingelig beobachtet.
Ein Teufelskreislauf mit einem Ziel: Wir wollen unser Prekariat!
Was für eine Verschwendung von Steuergeldern,indem solch eine kurzfristige Sichtweise vorherrscht.
...finde ich als gebürtiger Rumäniendeutscher solche Aussage wie "Dieses Bild von hungernden Kindern, deren Eltern zu wenig Geld für das Mittagessen ihrer Kinder haben".
Hungernde Kinder gab es in Rumänien in der Tat genug, bevor der Irre an der Staatsspitze endlich beseitigt wurde und wir ausreisen durften.
"Hungernde Kinder in Deutschland" kann es nicht geben - oder will jemand allen Ernstes behaupten, daß es Menschen in Deutschland gibt, die sich keine 800 Gramm-Dose Hühnernudelsuppe oder Bohnensuppe für 89 Cent oder die Fischkonserve für 39 Cent vom Discounter nicht leisten können? Wenn sich die Eltern das teure Mittagessen nicht leisten können, weshalb geben sie dann den Kindern nicht einfach etwas mit?
Ich als Selbständiger komme die Woche über auch meist nicht dazu, Mittags mehr zu essen als vielleicht mal 2 Wurstsemmeln oder sonst eine Kleinigkeit, wo soll da das Problem sein?
Abgesehen davon kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß in Rumänien viele Facharbeiter oder sogar Ingenieure schlechter leben als die "sozial Schwachen" in Deutschland. Da ist nämlich teilweise nicht mal genug Geld da, um die Wohnung im Winter richtig zu heizen...
Paging