Versagen amerikanischer Geheimdienste hat die Terroranschläge vom 11. September 2001 begünstigt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Ausschuss des amerikanischen Kongresses, der die Aktivitäten der Terroristen und der US-Behörden vor den Anschlägen untersucht hat. Kritik übt er auch an Deutschland, wo spätere Attentäter über Jahre gelebt hatten.
(SZ vom 25.7. 2003) - Offen blieb zunächst, ob eine bessere Kooperation der Bundespolizei FBI und des Auslandsgeheimdienstes CIA die Anschläge tatsächlich verhindert hätte.
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Im Mittelpunkt der Kritik steht der nachlässige Umgang von FBI und CIA mit den späteren Flugzeugentführern Khalid al-Midhar und Nawak Alhamsi, die vom Jahr 2000 an in der amerikanischen Stadt San Diego gelebt hatten und am 11. September mit einer gekaperten Passagiermaschine ins Pentagon rasten.
Schon zwei Jahre vor den Anschlägen habe die CIA davon gewusst, dass sich beide gemeinsam für terroristische Ziele einsetzten.
Das FBI wiederum hatte das islamistisch geprägte Milieu infiltriert, in dem sich die beiden Männer aufhielten. Ein FBI-Zuarbeiter hatte den beiden sogar eine Wohnung vermietet.
Hätten die Geheimdienste ihre Erkenntnisse ausgetauscht und das FBI seine Informanten in San Diego aggressiver eingesetzt, "dann wäre das die beste Chance gewesen, den Anschlagsplan aufzudecken", heißt es in der New York Times unter Berufung auf Kenner des Berichts.
900-seitiges Dossier
Unklar ist allerdings, ob eine effektivere Arbeit der amerikanischen Behörden die Anschläge letztlich hätte verhindern können.
In der Washington Post hieß es, der Bericht liefere keinen Beweis dafür, dass die US-Regierung die Anschläge hätte unterbinden können, auch wenn die Geheimdienstpannen unterblieben wären.
Der demokratische US-Senator Bob Graham, der an der Untersuchung beteiligt war, sagte dem Sender CNN:
"Wenn die Geheimdienstfehler vermieden worden wären, hätten wir mit etwas Glück die Täter entdecken und die Vorbereitung der Anschläge stören können, bevor sie uns trafen."
Der republikanische Abgeordnete Ray LaHood erklärte hingegen: "Jede Behauptung, es hätte vermieden werden können, ist eine rein politische Äußerung."
Der Untersuchungsausschuss des Kongresses hatte die Vorgänge um den 11.September monatelang geprüft. Abgeordnete und Senatoren nahmen dabei Einsicht in Geheimdienstunterlagen und befragten zahlreiche hochrangige Sicherheitsexperten, darunter FBI-Chef Robert Mueller und seinen CIA-Kollegen George Tenet.
Der 900-seitige Bericht sollte am Donnerstag veröffentlicht werden. Allerdings hatte die US-Regierung zuvor zahlreiche als sensibel eingestufte Passagen geschwärzt.
Graham kritisierte, die Regierung George Bushs wolle sich "Peinlichkeiten" ersparen. Nicht öffentlich wird etwa die Frage, welche Rolle die Regierung Saudi-Arabiens im Zusammenhang mit den Anschlägen spielte.
Die meisten Attentäter waren saudische Staatsbürger. Am 11. September 2001 hatten Terroristen vier Passagiermaschinen in den USA in ihre Gewalt gebracht und sie in das New Yorker World Trade Center sowie das US-Verteidigungsministerium in Washington - Pentagon genannt - gelenkt.
Ein Flugzeug stürzte auf ein Feld. Insgesamt kamen mehr als 3000 Menschen ums Leben.
Kritik an Deutschland
Der Untersuchungsausschuss kritisiert neben den US-Behörden auch Deutschland.
Die Attentäter hätten hier Zuflucht gefunden, weil die Unterstützung ausländischer Terrorgruppen damals nicht strafbar gewesen sei, heißt es nach Angaben der Washington Post in dem Bericht.
In Europa sei die Bedrohung durch die Terror-Organisation al-Qaida - mit Ausnahme Großbritanniens - nicht ernst genommen worden. Allgemein sei den Kriegserklärungen durch Al-Qaida-Chef Osama bin Laden nicht genügend Beachtung geschenkt worden.
Unterdessen sagte ein Palästinenser am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht aus, der Anführer seiner deutschen Terrorzelle habe bereits am 12. September 2001, einen Tag nach den Anschlägen in den USA, den Auftrag erhalten, jüdische Einrichtungen in Deutschland als Ziele für neue Attentate auszuwählen.
Der 26-Jährige muss sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. "Es soll bald eine Hochzeit in Deutschland stattfinden, das war das Codewort für einen Anschlag", sagte er.
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