Ein Kommentar von Christoph Hickmann

Mit der richtigen Taktik hätten die Wähler Andrea Ypsilanti einen Wortbruch vielleicht verziehen. Doch die hessischen Genossen haben den Schritt dilettantisch vorbereitet.

Andrea Ypsilanti hat im Wahlkampf mit keinem Pfund so gewuchert wie mit dem ihrer Glaubwürdigkeit. Sie wird dieses Pfund auf einen Schlag los sein, wenn sie sich entgegen allen Beteuerungen von der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lässt. Diesen Verlust hätten sie und ihre Strategen vermeiden können.

Ypsilanti Hessen SPD Linke Wortbruch AP

Hat ihren Wortbruch dilettantisch vorbereitet: Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. (© Foto: AP)

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Es wäre eine Situation denkbar gewesen, in der die Öffentlichkeit ihr den Wortbruch wahrscheinlich nicht einmal großartig übel genommen hätte: Dann nämlich, wenn sie zunächst alles nur Mögliche unternommen hätte, um die FDP trotz deren strikter Ablehnung für eine Ampelkoalition zu gewinnen - zumal es unter den hessischen Liberalen so manchen gibt, dem diese Verweigerungshaltung gar nicht passt.

Hätte dann am Ende immer noch das klare Nein gestanden, wäre die Wahl zwischen zwei Übeln geblieben: Die SPD hätte die rot-grün-rote Mehrheit im Landtag ungenutzt lassen und damit möglicherweise jenen Ministerpräsidenten Koch im Amt halten können, zu dessen Abwahl sie einen Wahlkampf lang aufgerufen hatte.

Die Alternative hätte im Wortbruch bestanden - den man gleichsam mit einem drohenden Staatsnotstand hätte rechtfertigen und somit legitimieren können.

Dilettantische Vorbereitung

Stattdessen spottete Ypsilanti noch vor der Wahl über die Machtversessenheit der Liberalen, beließ es dann zunächst halbherzig bei einem Gespräch mit deren Landesvorsitzendem und lässt nun offenbar parallel die Wahl durch die Linke anbahnen.

Sollte es zu dieser Wahl kommen, wird niemand Ypsilanti abnehmen, dass es keine Alternative gab. Diesen Vertrauensverlust wird sie lange Zeit nicht gutmachen können - vor allem deshalb, weil der Wortbruch derart dilettantisch vorbereitet wurde.

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(SZ vom 21.02.2008/maru)